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Auftakt gegen Hoffenheim Kann van Gaal die Bayern domptieren?

08.08.2009 ·  105 Tage nach dem Episödchen Jürgen Klinsmann: Bayern München präsentiert sich vor dem Bundesliga-Start in Hoffenheim als Rekordmeister der Veränderung. Als Konstante bleibt nur die Erwartung der Konkurrenz.

Von Christian Eichler
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Es wirkt wie eine Ewigkeit. Doch es sind nur 15 Wochen, nur 105 Tage - seit dem letzten Spiel der „Ära“ Klinsmann, die am Ende nur ein Episödchen war. Wenn an diesem Samstag der FC Bayern in Hoffenheim antritt (18.30 Uhr im FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker), dann wird nicht nur der Trainer ein anderer sein als beim 0:1 gegen Schalke am 25. April. Auch die Mannschaft: Nur noch der Kapitän Mark van Bommel (den Klinsmann loswerden wollte) und der Linksverteidiger Philipp Lahm (der nun rechts spielt) stehen mit Sicherheit auf dem Platz.

Dazu gibt es ein neues Spielsystem. Einen neuen Manager. Keinen Uli Hoeneß mehr auf der Bank. Und neue Tischsitten. Nach der gemeinsamen Mahlzeit stehen die Spieler erst auf, wenn der Letzte fertig ist. „Wenn wir uns außerhalb des Platzes benehmen“, so die Theorie, referiert von Miroslav Klose, „dann benehmen wir uns auch auf dem Platz.“ Wohl nie hat der deutsche Rekordmeister so viele sichtbare Veränderungen in so kurzer Zeit erlebt.

Als Konstante bleibt die Erwartung der Konkurrenz. Deren Trainer haben wie stets vor einer neuen Bundesligasaison die Bayern als großen, ja als alleinigen Favoriten ausgemacht. Normalerweise passt das zum Selbstverständnis der Bayern. Doch in den Tagen vor der ersten echten Probe nach der großen Veränderung wirkte deren Selbstvertrauen etwas vorsichtig, tastend.

Zu viele offene Fragen bergen ein Potential für Unsicherheit - das Unterangebot an Klasse-Torhütern, das Überangebot an Klasse-Angreifern (wenngleich Klose und Luca Toni gegen Hoffenheim wegen Blessuren fehlen); das Rätsel, wo ein Platz für die Top-Neuzugänge Timoschtschuk und Olic ist. Und die Ungewissheit, ob Franck Ribéry nach seinem madrilenischen Sommertheater erstens fit, zweitens willig und drittens fähig sein wird, die neue Rolle im zentralen Mittelfeld auszufüllen, die Trainer Louis van Gaal ihm auf den Leib geschneidert hat. „Extra für ihn“, für „den Besten im Team“, hat er den Bayern das System mit der Raute verordnet, also einem Vierer-Mittelfeld, dessen zwei Zentralspieler nicht neben-, sondern hintereinander spielen.

Die Meinung des „Kaisers“

Als Bayern-Konstante gibt es den ewigen „Kaiser“, der immer da, wo die Verantwortlichen gern Ruhe hätten, laut seine Meinung sagt. Am Mittwoch, bei einem Termin seines Pay-TV-Arbeitgebers „Sky“ auf dem Gelände seines ersten Fußballklubs, des SC 1906 Haidhausen, hat er zurechtgerückt, dass er mit seiner Kritik, dem Franzosen Ribéry sei „München wurscht“ (die ihm einen heftigen Rüffel der Bayern-Bosse einbrachte), „dem Franck ja nur helfen wollte“. Es ist die Art von Hilfe, nach der mancher am liebsten „Hilfe“ riefe.

Auch Torwart Michael Rensing bekam etwas davon ab: Er sei „ein großartiges Talent“, so Beckenbauer, und nun auch „hoffentlich etwas ruhiger“, nachdem er in der letzten Saison „mit seiner Überaktivität die ganze Abwehr durcheinanderbrachte“. Oder Trainer van Gaal: Der habe, so äußerte Beckenbauer in einem Zeitungsinterview, „die beste Mannschaft aller Zeiten“, da sei selbst der Gewinn der Champions League nicht außer Reichweite. Und auch Ribéry erhielt einen Nachschlag von der typischen Hilfe des „Kaisers“, der über dessen Positionswechsel von links in die Mitte befand: „Ribéry braucht für sein Spiel Platz, aber als Zehner kriegt er den nicht.“

Das größte Problem: Größe und Struktur des Kaders

Zum Glück bekommt Ribéry von den Bayern Auslauf. Auf die Reise nach Hoffenheim geht er nicht, aber auf die nach Töftir auf den Färöern. Dort spielt Frankreich am Mittwoch in der WM-Qualifikation, und Ribéry darf mit auf die „Schafsinseln“ im Nordatlantik, die den Franzosen bei ihrer letzten Anreise 2007 eine stürmische Flug-Odyssee bescherte. Spielen soll er dort nicht, nur dabei sein, so die Absprache der Trainer van Gaal und Domenech. Ribéry werde dort ein wenig „Luftveränderung“ bekommen, so der Bayern-Trainer - und außerdem ein Arbeitsprogramm absolvieren, das man ihm mitgibt.

Das größte Problem für van Gaal ist nicht Ribéry, sondern die Größe und Struktur des Kaders. Der Klinsmann-Vorgänger Ottmar Hitzfeld setzte van Gaal in dieser Woche aus dem Ruhestand heraus unter Druck: „Man kann nur darüber diskutieren, wer Zweiter wird.“ Zugleich kritisierte Hitzfeld indirekt die Personalplanung: Lucios Verkauf, Lahms Seitenwechsel, Ribérys Rollentausch sieht der einzige Trainer, der die übergroßen Bayern-Erwartungen in den letzten zwanzig Jahren erfüllen konnte, kritisch. Vor allem seien fünf Stürmer zu viel - da drohe der designierte Reservist Luca Toni „ein Weltmeister der Unzufriedenheit“ zu werden.

Ein Geburtstagsgeschenk für den neuen Trainer?

Aber van Gaal sagt, er sei 39 Jahre im Geschäft und könne mit jeder Situation umgehen. Er hat mit dem Team, anders als der Vorgänger, viel am technisch-taktischen Gerüst gearbeitet, an der Kombination aus flotter Ballzirkulation und feinem Positionsspiel. „Wir haben mehr Ordnung im Spiel“, sagt Lahm, „es ist wichtig, dass Struktur drin ist.“ Auch das eine der vielen Veränderungen des FC Bayern der letzten 15 Wochen - von denen van Gaal nur fünf mitgestalten konnte. „Bei mir“, sagt der Holländer, „müssen die Spieler machen, was ich will.“ Und das erst recht am Geburtstag. Van Gaal wird an diesem Samstag 58.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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