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Aristide Bancé Blond und widersprüchlich

18.12.2009 ·  Bei den vergangenen Spielen ging er immer dorthin, wo es weh tat. Erst im Dauerclinch mit dem Frankfurter Maik Franz, dann als Provokateur des Stuttgarters Jens Lehmann. Der Mainzer Angreifer Aristide Bancé wehrt sich gegen das Image des bösen Buben.

Von Daniel Meuren, Mainz
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Er klingt so brav. So umgänglich. „Wenn es passieren soll, dann passiert es“, sagt Aristide Bancé gelassen. Es geht um das fünfte Saisontor des Angreifers von Mainz 05, das einfach nicht fallen will, und der französisch sprechende Nationalspieler aus Burkina Faso gibt sich geduldig. „So lange arbeite ich eben für die Mannschaft“, fügt er hinzu. Das meint er sicher ernst. Und doch scheint es ein Widerspruch zu jenem Bancé zu sein, der in seiner ersten Spielzeit in der Fußball-Bundesliga nicht nur sportlich aufgefallen ist. Und der immer wieder Fragen aufwirft: Wer ist dieser Mann eigentlich? Und was ist ihm jenseits der gegnerischen Strafräume, in denen er sich mit 1,92 Meter Größe und einer bemerkenswerten Athletik durchzusetzen weiß, alles zuzutrauen?

Die Skepsis hat Gründe. Nach der ersten Trainingseinheit unter dem neuen Mainzer Trainer Thomas Tuchel hatte Bancé auf dem Parkplatz des Bruchwegstadions eine handgreifliche Auseinandersetzung mit einer Bekannten, die ihm tagelang Schlagzeilen in der Presse und Ermittlungen der Mainzer Staatsanwaltschaft einbrachte. Das Verfahren wurde gegen eine Zahlung von 10.000 Euro eingestellt. In der vergangenen Woche erst wurde er vom DFB-Sportgericht zu einer Geldbuße von 6000 Euro verurteilt. Bancé hatte sich nach dem 0:2 bei Eintracht Frankfurt zu einer beleidigenden Geste in Richtung des Frankfurters Maik Franz hinreißen lassen. Tags darauf behauptete er, dass dieser ihn mit rassistischen Beleidigungen provoziert habe – was er nicht beweisen konnte.

Innerhalb eines halben Jahres zweimal die Rote Karte gesehen

Am vergangenen Sonntag war es Bancé, der den Stuttgarter Torwart Jens Lehmann in eine Privatfehde verwickelte, die Lehmann eine Rote Karte und Mainz 05 einen Elfmeter einbrachte. Solche Geschichten unterfüttern Bancés Ruf als unberechenbarer Hitzkopf. Als solcher galt der 25 Jahre alte Profi schon, als er 2008 von den Offenbacher Kickers nach Mainz wechselte. Dort hatte Bancé innerhalb eines halben Jahres zweimal die Rote Karte gesehen.

Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, lehnte eine Verpflichtung auch deshalb ab, weil Bancé die Offenbacher den Klassenverbleib in der zweiten Liga gekostet habe – zum Beispiel mit einem Ellbogencheck, mit dem er einen Gegenspieler angegangen war. Und prompt vom Platz flog. „Wir waren in einer brenzligen Lage, und ich war vielleicht etwas übermotiviert, was dann zu den Platzverweisen geführt hat“, sagt er entschuldigend. „Aber ich habe nie etwas vorsätzlich Böses getan.“

Vom reinen Torjäger zum vielseitigen Offensivspieler entwickelt

In Mainz hat sich Bancé in seinen rund fünfzig Spielen in der ersten und zweiten Liga bislang tadellos verhalten und nur sechs Mal die Gelbe Karte gesehen. „So werde ich mich auch weiter verhalten, bis jeder einsieht, wie ich wirklich bin“, sagt er. „Ich kann das nicht rückgängig machen, sondern nur für mein Spiel ausblenden.“ Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich an diesem Freitag im Spiel bei Schalke 04. Einer Mannschaft, die in dieser Saison – auf einem anderen Niveau – ebenso überrascht hat wie der kesse Aufsteiger aus Mainz, der als Tabellenachter sogar den deutschen Meister VfL Wolfsburg hinter sich gelassen hat.

Unabhängig vom Ergebnis in dieser Partie hat sich der Mann mit dem auffällig blond gefärbten Deckhaar in den vergangenen sechzehn Spieltagen vom reinen Torjäger zum vielseitigen Offensivspieler entwickelt. Auch deshalb wurde er noch in keinem Saisonspiel ausgewechselt. „Ich habe bei Thomas Tuchel gelernt, in wechselnden Systemen ganz verschiedene Aufgaben zu erfüllen“, sagt Bancé. „Unter meinem läuferischen Aufwand leidet vielleicht mein Abschluss, weil ich vor dem Tor etwas müder bin. Aber bei einem kleinen Klub wie Mainz muss ein Angreifer eben mithelfen.“ Zumindest die Frage nach seiner Teamfähigkeit ist inzwischen beantwortet.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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