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Arbeitsprotokoll Amin Younes Der nächste Gladbacher Wirbelwind

 ·  Mit kleinen Spielern, die groß rauskommen, hat Mönchengladbach Erfahrung. Auch deshalb hat Amin Younes gute Aussichten auf eine große Karriere. Beim 1:0-Sieg in Frankfurt haben wir 77 Minuten lang genau hingeschaut.

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© F.A.Z.

Dass Amin Younes beim 1:0-Sieg seiner Mönchengladbacher Borussia bei Eintracht Frankfurt als erster Spieler den Ball berührt, liegt noch an seiner offensiven Position. Als hängende Spitze hinter Mittelstürmer Luuk de Jong bietet es sich an, dass man den U20-Nationalspieler, der zuletzt allerdings nicht immer für die Nachwuchsauswahl berücksichtigt wurde, mit der Spieleröffnung durch den Anstoß beauftragt.

Die Ballkontakte, die folgen, sind indes nicht so selbstverständlich und zeugen von der Wertschätzung, die das erst 19 Jahre alte Spielmachertalent bereits nach nur einem Startelf-Einsatz in der Vorwoche gegen Borussia Dortmund bei seinen Mitspielern erworben hat. Beim 1:1 gegen den deutschen Meister hat der nur 1,68 Meter große Younes schließlich nicht nur ein starkes Spiel gezeigt, sondern gleich mit seinem ersten Bundesligator den wertvollen Ausgleich erzielt.

Der Status steigt

Solche Erfolge lassen den Status im Kader steigen. Auch sein Arbeitgeber honoriert die Leistungsentwicklung des in Düsseldorf geborenen Eigengewächses mit libanesischen Wurzeln, das seit dem Alter von sechs Jahren bei den „Fohlen“ das Fußballspielen lernt, als Gladbacher alle Juniorennationalteams durchlaufen hat und noch bis 2016 an seinen Heimatverein gebunden ist. Deshalb war es wohl kein Zufall, dass in dieser Woche der Verzicht auf eine Vertragsverlängerung mit Mike Hanke bestätigt wurde. Solche Personalentscheidungen machen den Weg frei für ein Talent wie Younes.

In Frankfurt weist er seine Begabung erstmals nach zwei Minuten nach. Er fordert mutig den Ball und versucht einen Doppelpass mit Tony Jantschke. Auch wenn das Zusammenspiel misslingt, so wird deutlich: Younes ist stets um mutige Beschleunigung des Spiels bemüht, er kennt vornehmlich eine Richtung: Den direkten Weg zum gegnerischen Tor.

In der nächsten Situation erfährt er von einem nur unwesentlich älteren Spieler, was die Bundesliga maßgeblich vom Jugendfußball unterscheidet. Der angeblich von den Bayern umworbene Frankfurter Sebastian Rode hat in seinen zweieinhalb Profijahren eine Robustheit und Kaltschnäuzigkeit im Zweikampf erworben, die Younes im Duell 1:1 keine Chance lässt. Entsprechend stehen am Ende sechs gewonnen Zweikämpfen 17 verlorene gegenüber.

Glänzende Technik

Doch Younes lässt sich von solchen Negativerfahrungen nicht vom Weg abbringen. Zweimal glänzt er in den kommenden Minuten, weil er jeweils schwierige Zuspiele elegant und technisch perfekt mit der Brust annimmt, um sie danach mit dem ersten Kontakt weiterzuleiten. Aber beide Male ist der Ball einen Tick zu lang für Mittelstürmer Luuk de Jong. Dennoch hat er am Ende eine Passquote von gut 70 Prozent, die bei seinem riskanten Spiel gut ist.

Während Younes im Spiel nach vorne die zentrale Figur des Gladbacher Spiels ist, trägt der Youngster in der Defensivarbeit vergleichbar wenig Verantwortung. Sein Team verlegt sich in Frankfurt auf eine sehr tief stehende Defensive mit zwei glasklaren und sehr kompakt agierenden Viererketten, vor denen Younes und sein Offensivkollege de Jong nur zarte Störversuche gegen das Frankfurter Aufbauspiel zu unternehmen haben.

Bei defensiven Standards ist Younes derweil ganz außen vor. Als einziger Gladbacher muss er nicht in den eignen Strafraum, weil Trainer Lucien Favre einem 1,68 Meter kleinen Wirbelwind zurecht keine Aufgabe im harten Luftkampf mit den robusteren Gegenspielern zumuten will. Younes sichert also lediglich für sogenannte zweite Bälle ab. Eine Schwachstelle ist Younes derweil, wenn er wirklich einmal Dfensivarbeit verrichten muss.

Junge Spieler lernen schnell

Einmal fällt ihm durch eine schnelle Spielverlagerung der Eintracht die Pflicht zu, den Wirkungskreis von Takashi Inui auf der Außenbahn einzuengen. Younes ist einen Moment lang unaufmerksam und hat großes Glück, dass der Japaner in aussichtsreicher Schussposition im Abseits steht.

Auch in der Offensive fehlt Younes gelegentlich noch das Gespür für die Notwendigkeit eines letzten Zehn-Meter-Sprints. So leitet er zwar in der 20. Minute einen Angriff hervorragend durch einen Pass auf die Außenbahn zu Linksvereidiger Filip Daems ein, aber dann läuft er nur im Trott weiter, statt sich auf schnellstem Weg am Elfmeterpunkt für ein Zuspiel und eine Riesenchance in Position zu bringen. Daems findet deshalb keinen Abnehmer für seine Hereingabe.

Doch junge Spieler lernen schnell: Eine Minute später ist Younes in einer ähnlichen Situation zur Stelle, sein Schuss aus acht Metern wird von Eintracht-Verteidiger Sebastian Jung zur Ecke geblockt, die dann tatsächlich die Borussen-Führung durch de Jong nach sich zieht.

Halbzeit zwei fast ohne Spielbeteiligung

Für Younes geht eine Halbzeit mit viel Licht und einigem aufgrund des Erfahrungsmangels verständlichen Schatten zu Ende. Kurz vor dem Pausenpfiff wird er Opfer seiner Naivität, als er sich ohne Not in einen hoffnungslosen Dreikampf mit zwei Frankfurtern einlässt und den Ball verliert.

Halbzeit zwei entwickelt sich für Mönchengladbach zu einer Abwehrschlacht nahezu ohne Beteiligung von Younes Amin. Nur einmal noch kann er sich beinahe in Szene setzen, als er nach einer Balleroberung von Patrick Hermann dessen Zuspiel wieder einmal schon mit dem zweiten Kontakt weiterleitet. Hätte ein Frankfurter nicht den Fuß dazwischenbekommen, wäre de Jong von der Mittellinie aus alleine auf das gegnerische Tor zugelaufen. Die Szene zeigt, dass Younes auch in Phasen ohne Ballkontakte seine Konzentration bewahrt. Für einen 19 Jahre alten Spieler ist das eine seltene Qualität.

Dennoch kommt die Auswechslung nach 77 Minuten etwas zu spät. Younes konnte die Gladbacher Defensivbemühungen schon lange nicht mehr unterstützen. Der eingewechselte Hanke hat da durch seine körperliche Stärke noch etwas mehr entgegenzusetzen. Aufgrund der zweiten Halbzeit nahezu ohne Spielbeteiligung weist die Statistik am Ende lediglich 37 Ballkontakte und eine für einen Wirbelwind recht geringe Sprintanzahl von zwölf sowie eine in Relation zur Einsatzzeit durchschnittliche Laufleistung von 10,44 Kilometer wie Younes aus. Diese Werte sind freilich weitgehend dem Spielverlauf geschuldet und nicht unbedingt der Leistung des Spielers. Der könnte hingegen ein neuer Spieler der Sorte Wirbelwind werden, mit dem die Borussia so gute Erfahrungen aus der Vergangenheit hat.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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