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Arbeitsprotokoll: Zvjezdan Misimovic Zwetschges Spinat

28.03.2010 ·  Defensivarbeit? Das ist nichts für Zvejdan Misimovic. Gegen die ebenso robusten wie biederen Mainzer aber genügt dem bosnischen Offensivmotor der Wolfsburger ein genialer Moment, um zu beweisen, dass es auch ohne geht - das Arbeitsprotoll eines lauffaulen Spielentscheiders.

Von Bastian Steineck, Mainz
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Es wäre ein frustrierender Nachmittag für Zvjezdan Misimovic geworden, hätte sein bosnischer Landsmann Edin Dzeko beim Spiel der Wolfsburger am Mainzer Bruchweg nicht auf dem Platz gestanden. Der 2:0-Sieg des aktuellen Meisters macht deutlich, dass die beiden einiges verbindet - möglicherweise sogar so viel, dass der eine den Vereinswechsel vom Verbleib des anderen abhängig macht.

Im Spiel gegen Mainz 05 tritt die Männerfreundschaft drei Mal offen zu Tage: Als beim Warmmachen ein langer Ball des Mainzer Torhüters Heinz Müller zwischen die trabenden Bosnier fällt, bewahrt Misimovic Dzeko mit einem beherzten Sprung vor einem ersten unfreiwilligen Kopfball. Der zweite Freundschaftsdienst endet mit einer gelben Karte für Misimovic wegen Meckerns, als Schiedsrichter Wolfgang Stark ein Foul an Dzeko nicht ahndet.

Wenige Minuten vor Schluss bringt Dzeko die Gäste aus Wolfsburg schließlich mit 1:0 in Führung und wird anschließend von Passgeber Misimovic gefeiert. Ansonsten ist von dem Spielmacher bis zu seiner Auswechslung in der Nachspielzeit nicht viel Entscheidendes zu sehen. Das Spiel gegen die Rheinhessen spiegelt Misimovics Leistungen der gesamten Saison wider: Ohne Zweifel ist er ein herausragender Stratege mit Technik und Torgefahr. Doch unstrittig ist auch der Vorwurf des schlampigen Genies, das Defensivarbeit konsequent verweigert und Lauffreude zu oft vermissen lässt. Letzteres hatte er am vergangenen Spieltag unfreiwillig überzeugend unter Beweis gestellt, als er bei der 1:5-Heimniederlage gegen Berlin im ohnehin schwachen Wolfsburger Kollektiv unterging.

Enorme Ballsicherheit im Spiel nach vorn

Gegen Mainz will Trainer Lorenz-Günther Köstner seine Mannschaft aus einer stabilen Defensive heraus agieren lassen. Misimovic, der kreative Kopf, kann sich durch diese Umstellung nur selten als treibende Kraft hervortun. Aus den Zweikämpfen gegen die robusten Abräumer aus Mainz, Miroslav Karhan und Elkin Soto, geht der Wolfsburger selten als Sieger hervor. Die körperliche Drecksarbeit überlässt er früh seinen Mitspielern und auch in der Rückwärtsbewegung gibt er sich zaghaft.

Das Verhältnis von „Zwetschge“ zu Defensivarbeit erinnert an jenes von Kindern zu Spinat: Obwohl jeder betont, wie wichtig sie ist, will er es nicht wahrhaben. Das Prinzip Misimovic lautet an diesem Nachmittag vielmehr: Sorgt dafür, dass ich den Ball bekomme - dann sorge ich für offensive Aktionen. Im Spiel nach vorne zeigt der Bosnier enorme Ballsicherheit, mit der er meist zwei oder drei Mainzer an sich bindet. Dies schafft Freiräume für die Kollegen im Sturm, hinter denen er konstant seine Zehnerposition hält.

Ein einziger genialer Moment reicht für den Führungstreffer

Einmal in Ballbesitz, nimmt Misimovic schnell Fahrt auf: Eifrig schlägt er Finten und Haken, um dann an die besser postierten Vorderleute abzuspielen. Dass all dies gegen Mainz lange Zeit im Nichts verläuft, hängt auch mit der Leistung der anderen, zahnlosen Wölfe zusammen. Erst in der zweiten Halbzeit kommt der Misimovic-Motor langsam auf Touren: Der Spielmacher verzeichnet mehr Ballkontakte, tritt gefährlichere Eckstöße und nähert sich mit Torschüssen dem Mainzer Gehäuse.

Was ihn für den VfL Wolfsburg so wichtig macht, zeigt er schließlich erst wenige Minuten vor Schluss: Ein einziger genialer Moment des 27-Jährigen führt zum Führungstreffer, als Dzeko Misimovics feinen Pass durch die Gasse aufnimmt und verwandelt. Die 48. Torvorlage in Misimovics 151. Bundesliga-Spiel tröstet über eine ansonsten wenig ansprechende Leistung hinweg. In Wolfsburg hofft man, derartige bosnische Koproduktionen bis 2013 bejubeln zu dürfen, dann nämlich laufen die Verträge von Dzeko und Misimovic aus. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass bereits in diesem Sommer hohe Ablösesummen in die Kassen fließen: Misimovic bringt sich seit geraumer Zeit bei Schalke 04 ins Gespräch für den Fall, dass Dzeko zum AC Mailand wechseln sollte. Die Männerfreundschaft ist akut in Gefahr.

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