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Veröffentlicht: 25.11.2012, 12:34 Uhr

Arbeitsprotokoll Robert Lewandowski Torgefährlich selbst mit dem Schenkel

Ist das schon Weltklasse? Robert Lewandowski trifft im vierten Pflichtspiel in Serie doppelt. Wir haben beim 2:1-Sieg seiner Dortmunder Borussen in Mainz 90 Minuten genau hingeschaut.

von , Mainz
© dpa So ist es: Lewandowski trifft gerne doppelt

Für Robert Lewandowski beginnt das Spiel in Mainz erst nach mehr als zwei Minuten so richtig. Da berührt der Torjäger der Dortmunder Borussia erstmals den Ball und das auch noch weitab von seinem eigentlichen Revier. An der Seitenauslinie leitet er ein hohes Zuspiel von Marcel Schmelzer weiter. Der Ball landet beim Gegner. Auch einem Mittelstürmer, dem sein Trainer Jürgen Klopp dieser Tage attestierte, einer der vier oder fünf Besten auf der Welt zu sein, unterlaufen also Fehler.

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Aber es kommt eben gerade bei Torjägern darauf an, wie er mit diesen umgeht. Denn irgendwann im Spiel ist ja eben die Exaktheit beim Torabschluss gefragt, die einen Fehler nicht gestattet. Aber Lewandowski ist nicht auf den finalen Schuss am Ende einer Ballstafette zu reduzieren. Der polnische Nationalspieler ist auch eine wichtige Anspielstation im Dortmunder Kombinationsfußball, gerade wenn ein Gegner wie die Mainzer den BVB zu langen Bällen aus der Abwehrreihe zwingt. Dann ist Lewandowski der Adressat für die Zuspiele von Neven Subotic oder Mats Hummels.

In der siebten Minute zeigt der 24 Jahre alte nach einem solchen Pass seine Klasse, als er den Ball unter Bedrängnis sauber mit der Brust annimmt und direkt auf Mario Götze weiterleitet. Der Dortmudner Spielmacher kann nun mit hohem Tempo auf die Mainzer Abwehrreihe zustürmen. Noch führt das nicht zum Ausgleich nach der frühen Mainzer Führung durch Marco Caligiuri.

Ein echter Torjäger

Diesen Job erledigt stattdessen Lewandowski in der elften Minute selbst. Zunächst sieht er sich nach einem langen Ball wie so oft in diesem Spiel den beiden Mainzer Innenverteidigern Bo Svensson und Nikolce Noveski im Luftkampf gegenüber. In der Unterzahl ist Lewandowski eigentlich chancenlos, aber immerhin behindert er die Gegner so stark, dass Noveski den Ball nur unkontrolliert wegköpfen kann.

1. FSV Mainz 05  - Borussia Dortmund © dpa Vergrößern Überflieger: Lewandowski ist der Dortmunder Mann des Tages

Die Dortmunder erobern den sogenannten zweiten Ball, über Schmelzer kommt Reus auf dem linken Flügel an den Ball, der das Spielgerät in den Strafraum flankt. Dorthin hat sich Lewandowski natürlich zwischenzeitlich orientiert, er gewinnt den kleinen Ringkampf mit Gegenspieler Noveski und lenkt den Ball irgendwie ins rechte Toreck weiter. Lewandowski ist eben selbst mit dem Schenkel torgefährlich.

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Vier Minuten später zeigt er dann seine Qualitäten als spielender  Mittelstürmer. Einen Pass von Hummels lässt er zu Götze abprallen, der den Ball nach einem kurzen Dribbling zurückspielt. Aus dem Zentrum heraus spielt Lewandowski anschließend beinahe den tödlichen Pass auf Landsmann Piszczek. Nur ein Mainzer Abwehrbein unterbindet einen typischen Dortmunder High-Speed-Angriff.

Lupfer von Weltklasse

In der 26. Minute zeigt sich der Pole von einer eher unbekannten Seite: Nach glänzender Vorarbeit von Schmelzer kommt er sieben Meter vor dem Tor unbedrängt an den Ball. Er vertändelt aber den Ball. Der direkte Torabschluss wäre erfolgversprechender gewesen.

Dafür macht Lewandowski in der 43. wirklich alles richtig: Ein knallhartes Zuspiel von Götze in die Schnittstelle der weit aufgerückten Mainzer Abwehrreihe nimmt er im vollen Tempo artistisch per Übersteiger mit, mit dem nächsten Ballkontakt lupft er den Ball über den chancenlosen Mainezr Schlussmann Christian Wetklo hinweg zum 2:1 ins Tor. Weltklasse!

Derart bestärkt in seinem Selbstbewusstsein wagt Lewandowski kurz vor dem Pausenpfiff ein weiteres Kabinettstückchen. Trotz größer Bedrängnis durch drei Mainzer Gegenspieler nimmt er einen Ball mit der Brust an und leitet ihn zum durchgestarteten Mario Götze weiter. Wieder herrscht große Gefahr vor dem gegnerischen Tor, Götze unterläuft aber ausnahmsweise einmal ein technischer Fehler.

Auch Lewandowski ist fehlbar

Die zweite Halbzeit fängt beruhigend an: Auch Lewandowski erweist sich einmal fehlbar. Nach feiner Einzelleistung taucht er allein vor dem Mainzer Tor auf, vergibt aber wie ein durchschnittlicher Fußballspieler. Und ein gewisser Nachhholbedarf gegenüber Zlatan Ibrahimovic zeigt sich dann auch noch in der 74. Minute. Nachdem der Mainzer Torwart Wetklo weit an außerhalb seines Tores den Ball ins Seitenaus geklärt hat, bedient Reus seinen Teamkollegen umgehend per Einwurf. Der Volley-Direktschuss aufs leere Tor landet aber nicht wie bei Ibrahimvoics genialem Fallrückzieher im Netz, sondern im Toraus.

Die Mainzer werden sichtlich müder, es öffnen sich immer mehr Räume für Dortmunder Konter. Es ist nun also Zeit für Torjäger. Aber Lewandowski kommt nur noch einmal in der 74. Minute in Schussposition. Dann ist der Arbeitstag zu Ende: Lewandowski hat den Ball 46 Mal berührt – davon übrigens lediglich einmal in der eigenen Hälfte. Fünfmal nur kam er mit dem Spielgerät im gegnerischen Strafraum in Berührung. Von 30 Zweikämpfen hat er zwölf gewonnen und 18 verloren. Er ist 10,88 Kilometer gelaufen und 16 Mal gesprintet. Er hat fünfmal aufs Tor geschossen. Aber wichtiger als alle diese Daten: Lewandowski war beim 2:1-Sieg einmal mehr der Dortmunder Mann des Tages.

Quelle: FAZ.NET

 

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