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Bayern-Sieg im Supercup : Fehler beim Videobeweis sorgt für Ärger

Schiedsrichter Felix Zwayer stand einige Male im Mittelpunkt im Supercup. Bild: Picture-Alliance

Beim Supercup in Dortmund feiert der Videobeweis seine Deutschland-Premiere. Bei den Toren der Bayern kommt die Hilfe zum Einsatz. Doch erst nach dem Spiel wird klar, welche Probleme es wirklich gab.

          Beim Confederations Cup im Juni rückte der lange herbeigesehnte Videobeweis in den Fokus der Fußball-Öffentlichkeit. Doch teilweise sorgte die technische Hilfe für die Schiedsrichter bei Spielern und Zuschauern zunächst für mehr Verwirrung als Aufklärung. Bei der Premiere hierzulande sollte alles besser werden, schließlich hatten die deutschen Unparteiischen schon in der vergangenen Saison kräftig trainiert. Doch beim Supercup-Duell zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern, das die Münchner nach Elfmeterschießen gewannen, gab es wieder viele Fragezeichen.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Bei beiden Toren der Bayern bemühte Schiedsrichter Felix Zwayer die technische Hilfe in Köln durch seinen Kollegen Tobias Stieler. Von dort kam jeweils das Signal: Alles ging mit rechten Dingen zu, die Treffer wurden anerkannt. Die Spieler sowie die Zuschauer im Stadion und vor dem TV aber wurden nicht aufgeklärt. Erst nach dem Spiel wurde klar, welche technischen Probleme es bei der Premiere gab, wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als Zuständiger für die Schiedsrichter und die Deutsche Fußball Liga (DFL) als Ausrichter des Supercups in einer Erklärung mitteilten:

          „Leider lagen die kalibrierten Linien, die dem Video-Assistenten normalerweise bei Abseitsentscheidungen vorliegen und ihn unterstützen, aufgrund von technischen Problemen in der ersten Halbzeit des Supercups Borussia Dortmund gegen FC Bayern München am Samstag noch nicht vor. Deshalb konnten sie auch nicht den TV-Partnern zur Verfügung gestellt werden. Nach Studium aller zur Verfügung stehenden Kamerapositionen, inklusive Standbilder, hat Video-Assistent Tobias Stieler entschieden, dass vor dem Münchner 1:1 keine Abseitsposition vorlag, und es somit richtigerweise keinen Anlass für sein Einschreiten gab. Bis zum Start der Bundesliga 2017/18 am 18. August sollen die aufgetretenen technischen Probleme behoben sein.“

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          Beschriebene Szene passierte in der 18. Minute. Bayern-Neuzugang Sebastian Rudy spielte den Ball knapp hinter der Mittellinie nach rechts außen auf den ganz freien Joshua Kimmich an der Seitenlinie. Der erste Eindruck: Abseits! Der Schiedsrichter-Assistent allerdings ließ seine Fahne unten, Kimmich sprintete nach vorne, passte nach innen, wo Robert Lewandowski zum 1:1 einschob. Schiedsrichter Zwayer kamen Zweifel, also kontaktierte er den Video-Assistenten. Der hatte aber nun das Problem, dass die technische Hilfe nicht in dem Maß vorhanden war, wie sie es sein sollte. „Besser es passiert heute und nicht in zwei Wochen zum Bundesligastart“, sagte Michael Novak von der DFL.

          Die Spieler und Fans bekamen von alldem nichts mit, sie vernahmen nur Zwayers Entscheidung: Tor. Auch die Zuschauer am TV waren ratlos, schließlich waren sie es vom Confed Cup gewohnt, dass danach ein Bild eingespielt wurde, das die Entscheidung auferklärte. Doch das gab es gar nicht. Auch die TV-Sender tappten im Dunkeln. In der Halbzeitpause sagte ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein: „Das Blöde ist, dass wir über die Entscheidungen nicht direkt informiert werden. Wir bekommen die Bilder aus Köln nicht zur Verfügung gestellt.“

          Erst später ließen Bilder wie vom anderen übertragenden Sender Eurosport, die mit eigenen Mitteln eine Linie zogen, den Schluss zu, dass der Treffer tatsächlich korrekt war; eine ganz knappe Entscheidung. Unwissenheit bei vielen Beteiligten gab es auch beim Ausgleich zum 2:2 für die Bayern, bei dem die Dortmunder protestierten. Handspiel? Foul? Abseits? Schiedsrichter Zwayer fragte wieder nach. Auch hier kam der Hinweis: alles in Ordnung. Die Zuschauer aber wussten wieder nicht genau, was los war. BVB-Torwart Roman Bürki immerhin akzeptiert die Entscheidung gelassen: „Das sind die Re­geln, das wuss­ten wir vor­her.“

          Während der Dortmunder Nuri Sahin im ZDF schimpfte („Wie ich ge­hört habe, war es beim ers­ten Tor kla­res Ab­seits.“) wollten sich die beiden Trainer nicht lange mit den Startschwierigkeiten beim Videobeweis aufhalten. Sie sind Befürworter der technischen Unterstützung. „Ich glaube, dass es gut ist, wenn das Spiel so ehrlich wie möglich verläuft“, sagte Peter Bosz vom BVB. Und sein Münchner Kollege Carlo Ancelotti ergänzte: „Bei einer neuen Regeln braucht es eben Zeit, bis man sie verinnerlicht hat. Das gilt für Trainer, Spielern, Schiedsrichter und Fans. Aber es ist eine gute Hilfe für den Schiedsrichter und den Fußball insgesamt.“

          Projektleiter Hellmut Krug hat sich letztlich erleichtert gezeigt. „Das Positive war, dass die Entscheidungen korrekt waren. Das ist das oberste Ziel, und das wurde erreicht“, sagte der DFB-Chefinstruktor im Schiedsrichterwesen der Deutschen Presse-Agentur: „Aber man muss in diesem Fall zugeben: Wir hatten in diesem Moment auch ein wenig Glück, dass diese Entscheidung nachträglich bestätigt wurde.“

          Bundesliga : Hier sitzen die Video-Schiedsrichter

          Quelle: FAZ.NET

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