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Bundesliga-Kommentar : Unvorhersehbare Abstiegsbörse

Plötzlich in Absturzgefahr: Spieler von Mainz 05. Bild: EPA

Die Jagd nach 40 Punkten, um den Bundesliga-Abstieg zu verhindern, läuft. Prognosen sind schwer. Vorhersehbar sind nur jene beiden Vereine, die ohne Ausschläge durch die Saison marschieren. Ein Kommentar.

          Uli Hoeneß machte diesen Satz einst in der Bundesliga populär. Dass es sich dabei um eine Börsenweisheit handelte und es eine besondere Beziehung zum damaligen Bayern-Manager gab, konnte seinerzeit ja noch niemand ahnen. „The trend is your friend“, sagte Hoeneß, und das gilt natürlich besonders im schnelllebigen Fußballgeschäft. Statistisch ist es an der Börse wahrscheinlicher, dass ein Trend noch länger bestehen bleibt, als dass er sofort ein Ende findet – und auch in der Bundesliga sind aktuelle Ergebnisse aussagekräftiger als die Resultate aus der Hinrunde.

          Aber ein Trend ist im Fußball natürlich immer etwas fragiler und längst kein verlässliches Anzeichen dafür, dass die ganze Sache auch so weitergehen wird. Wäre es so, könnte man beim Hamburger SV beispielsweise trotz des aktuellen Relegationsplatzes relativ gelassen sein. Die Hamburger dürfen noch fünfmal im Volksparkstadion antreten, wo sie das letzte Mal Anfang November gegen Dortmund verloren haben und aus den sieben Heimspielen danach fünf Siege und zwei Remis erreichten. Ginge dieser Trend weiter, sollte es bei derzeit 27 Punkten für den direkten Klassenverbleib reichen. Aber der Konjunktiv ist keine wahnsinnig gute Planungsgrundlage.

          Experten in Sachen Relegation überleben: Fans des Hamburger SV
          Experten in Sachen Relegation überleben: Fans des Hamburger SV : Bild: dpa

          Erst wenn 40 Punkte erreicht sind, fühlen sich die Vereine immer auf der sicheren Seite – die magische Zahl ist gleichbedeutend mit dem Stempel „versetzt in die nächste Saison“. Rein statistisch gesehen waren sie aber seit Einführung der Drei-Punkte-Regel noch nie nötig für Platz 15. Bayer Leverkusen sammelte in der Saison 2002/03 jene 40 Punkte und hatte mehr getan als nötig – Arminia Bielefeld musste mit 36 Zählern in die zweite Bundesliga. Und in der Saison 1996/97 wurde in Bielefeld und Rostock schon vor den erreichten 40 Punkten durchgeatmet – Fortuna Düsseldorf war nur auf 33 Zähler gekommen und musste absteigen. Seit 2009 gibt es die Relegation wieder, sodass selbst Platz 16 nach zwei Entscheidungsspielen gegen den Dritten der zweiten Bundesliga zum Klassenverbleib reichen kann.

          Diesmal aber werden vermutlich so viele Punkte wie schon lange nicht mehr nötig sein, um die Extraschicht am Saisonende zu verhindern. Wer nach der Hinrunde oder selbst gerade eben noch auf die Europa League schielte, kann ganz schnell mittendrin im Kampf um den Klassenverbleib sein. Bayer Leverkusen etwa ist nur fünf Punkte von Platz sieben entfernt, der in dieser Spielzeit für eine Teilnahme am internationalen Fußball nach dem Sommer ausreichen könnte – aber auch nur vier Zähler von jenem Relegationsplatz, der am Ende eine ganz große Krise auslösen könnte.

          „The trend is your friend“, sagte Uli Hoeneß schon vor Jahren.
          „The trend is your friend“, sagte Uli Hoeneß schon vor Jahren. : Bild: Picture-Alliance

          Auch in Frankfurt, wo die Fans zu Weihnachten noch von der Champions League geträumt hatten, war nach fünf Niederlagen nacheinander deshalb die Erleichterung groß, mit dem 0:0 gegen den Hamburger SV die Negativserie gestoppt zu haben. Ein Remis im eigenen Stadion gegen den Tabellensechzehnten ist dabei auf dem Papier kein Grund zur Zufriedenheit – das aber würde die aktuelle Situation nicht berücksichtigen: Hamburg ist in der Rückrundentabelle Fünfter, Frankfurt Vorletzter.

          Einigermaßen verlässlich vorhersehbar sind nur jene beiden Vereine, die ohne Ausschläge durch die Saison marschieren. Die Bayern haben erst ein Spiel verloren, was keine große Überraschung ist, weil es mit einem Trend auch nichts zu tun hat. Und die erst zwei Niederlagen der TSG Hoffenheim lassen den Schluss zu, dass die Kraichgauer bis zum Saisonende stabil bleiben. Kommt es auch so, kann das nur in der Champions League enden.

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          Quelle: F.A.Z.

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