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Aachen - Hamburg 3:3 Wilde Spekulationen um HSV-Trainer

17.12.2006 ·  Ottmar Hitzfeld hat Spekulationen zurückgewiesen, er werde Nachfolger von Trainer Thomas Doll beim HSV. „Das stimmt definitiv nicht“, sagte der 59jährige, „ich habe kein Interesse nach Hamburg zu gehen.“

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Ottmar Hitzfeld hat Spekulationen zurückgewiesen, er werde Nachfolger von Trainer Thomas Doll beim Fußball-Bundesligaklub Hamburger SV. „Das stimmt definitiv nicht“, sagte der 59jährige am Sonntag im ZDF. „Ich selber wurde nicht gefragt. Ich habe kein Interesse nach Hamburg zu gehen.“ Sollte er auf den Trainerstuhl eines Vereins zurückkehren wollen, müsse es schon „Klick machen“, sagte Hitzfeld. „Ich bin in einer guten Situation, daß ich abwarten kann.“

Das „Hamburger Abendblatt sonntags“ berichtete von einem Geheimplan des HSV. Demnach sei die Trennung von Doll und eine Verpflichtung Hitzfelds beschlossen. Nach Angaben der Zeitung sollte der ehemalige Bayern-Trainer gemeinsam mit seinem früheren Co-Trainer Michael Henke nach Hamburg kommen. Der Trainerjob sollte bis Sommer befristet sein, dann hätte Hitzfeld Sportchef Dietmar Beiersdorfer ablösen können, hieß es weiter.

HSV-Sprecher: „Wir sagen nichts“

Der HSV wollte sich einen Tag nach dem 3:3 bei Alemannia Aachen auf keine Trainerdiskussion einlassen. „Es wird an allen Ecken und Enden spekuliert. Dazu sagen wir gar nichts“, erklärte HSV-Sprecher Jörn Wolf. „Anfang der Woche wird die Sachlage analysiert. Wir machen die Entscheidung nicht von einem Spiel abhängig.“ Die Zukunft von Trainer Doll beim HSV nach nur einem Sieg in 17 Bundesliga-Spielen dieser Saison ist offen. Vor der Partie in Aachen hatte die HSV- Führung zu einer Weiterbeschäftigung des 40 Jahre alten Fußballlehrers in der Rückrunde tendiert.
„Die Situation ist extrem kritisch“

Für den dramatischen Absturz fand Vorstandschef Bernd Hoffmann nur eine Bezeichnung: „Desaströs.“ In sechs Monaten ist aus dem Champions-League-Starter ein potentieller Fußball-Zweitligist geworden. Die Bilanz nach dem bitteren Remis in Aachen ist erschütternd: Nur ein Sieg in 17 Bundesliga-Spielen, 13 Punkte, 16 Tore, Aus in der Champions League und im DFB-Pokal, undisziplinierte Profis, Chaos bei der Mitgliederversammlung. „Die Situation ist extrem kritisch“, gestand Hoffmann offen ein.

Höchst ambitioniert und ganz tief gefallen - was bleibt, ist laut Hoffmann ein einziges Ziel: „Der Nicht-Abstieg.“ Doll soll ein Konzept vorlegen, wie der erstmalige Gang des einzigen noch nie abgestiegenen Bundesliga-Gründungsmitglieds in die zweite Liga verhindert werden kann. Hoffmanns Formel lautet: „25 plus x Punkte.“ Knallhart soll jetzt analysiert werden, was alles schief lief beim HSV. „Das werden wir zügig, aber ohne Hast tun“, kündigte Hoffmann an.

Spieler wollen Doll behalten

Ob Doll mit Wiederbeginn des Trainings am 27. Dezember noch das Kommando hat, ist offen. Der 40jährige rechnet mit allem. „Mit nur 13 Punkten steht man als Trainer an der Spitze der Misere. Da hast du keine Argumente.“ Aus der Mannschaft kommt der Wunsch, mit ihm weiterzumachen. „Es ist nicht seine Schuld. Ich hoffe, es geht weiter mit ihm“, stärkte Torhüter Stefan Wächter dem Chefcoach den Rücken. „Ich bin fest davon überzeugt, daß es in der Rückrunde wieder läuft - mit Doll“, ließ Bastian Reinhardt wissen.

Der Abwehrspieler sorgte unfreiwillig dafür, daß Hamburg den sicher geglaubten zweiten Saisonsieg vor 20.800 Fans im ausverkauften Aachener Tivoli noch verschenkte. 3:1 führte der HSV durch Besart Berisha (32. Minute), Collin Benjamin (67.) und Danijel Ljuboja (76.) bei einem Gegentor durch Laurentiu Reghecampf (62./Foulelfmeter). Dann verkürzte Cristian Fiel (77.) für den Aufsteiger, und Reinhardt (90.) bekam seinen Auftritt. „Es wäre auch für einen Stürmer schwer gewesen, den so reinzubekommen“, schilderte er seinen Kopfball ins eigene Netz. „Du fällst in ein tiefes Loch, wenn du bedenkst, was da alles dran hängt.“ Vorwürfe gab es keine, „die bringen uns nicht weiter“, meinte Hoffmann frustriert.

Aufholjagd mit Gebrüll

Statt dessen wollen sie „den Kampf mit neuer Energie und neuem Elan annehmen“, so Doll. Und handeln: „Wir werden die Konstellation finden und die Entscheidungen treffen, die uns da raus helfen“, kündigte Hoffmann an. Doch es wird schwer sein, die Fehler so zu revidieren, daß am Ende wenigstens das letzte Ziel erreicht wird. Doll mußte bitter bilanzieren: „Es tut sehr weh, wir überwintern auf einem Abstiegsplatz.“ Wie die Mannschaft dort wegkommen will, kündigte Abwehrspieler Volker Schmidt an: „Es wird definitiv eine Aufholjagd geben, und zwar mit Gebrüll.“

Bei der Alemannia dagegen herrscht Ruhe. „Wir können mit 19 Punkten sehr zufrieden sein. Ich sehe optimistisch in die Zukunft“, kommentierte Trainer Michael Frontzeck die erste Saisonhälfte, die am Mittwoch mit dem Achtelfinale im DFB-Pokal gegen Cupverteidiger Bayern München noch einen Höhepunkt hat. „Wir werden den Bayern mit Kampf entgegentreten“, blickte Nationalspieler Jan Schlaudraff voraus. Am 4. Februar 2004 erlitten die Münchner beim damaligen Zweitligaklub Aachen (1:2) ihre vorerst letzte Pokal-Niederlage.

Alemannia Aachen - Hamburger SV 3:3 (0:1)
Aachen: Straub - Stehle (65. Pinto), Klitzpera, Herzig, Leiwakabessy (87. Krontiris) - Lehmann (65. Ibisevic), Heidrich - Reghecampf, Schlaudraff, Fiel - Ebbers. - Trainer: Frontzeck
Hamburg: Wächter - Schmidt, Reinhardt, Mathijsen, Benjamin - Laas - Jarolim, Mahdavikia (89. Klingbeil) - Trochowski (84. Karl) - Sanogo, Berisha (68. Ljuboja). - Trainer: Doll
Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)
Tore: 0:1 Berisha (32.), 1:1 Reghecampf (62., Foulelfmeter), 1: 2 Benjamin (67.), 1:3 Ljuboja (76.), 2:3 Fiel (77.), 3:3 Reinhardt (90., Eigentor)
Zuschauer: 20.800 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Klitzpera (2), Leiwakabessy (3), Ibisevic (2), - Laas, Jarolim (5/2)

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
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