Pele wurde diesen Samstag 70 - und ganz Brasilien feiert sein jung gebliebenes Sport-Idol. Der komplette Spieltag in der brasilianischen Fußball-Meisterschaft trug zu Ehren des besten Spielers aller Zeiten an diesem Wochenende den Titel „Pele 70 Jahre“.
Das wäre doch auch mal eine schöne Idee für Deutschland, die Spieltage nicht schnöde durchzunummerieren, sondern unter ein Motto zu stellen. So könnte man den 9. Spieltag der Fußball-Bundesliga zum Beispiel „Dortmund 90 plus 3“ nennen. Denn so spät war es schon, ehe da Silva nach ständigem Dortmunder Anrennen vor ausverkauftem Haus in einem wirklich bewegenden Spiel endlich zum 1:1-Ausgleich gegen Hoffenheim traf.
Das späte Tor brachte den Dortmundern aber auch nur einen Punkt, und deshalb ist die schöne Tabellenführung schon wieder perdu, denn am Abend gewann Mainz 05 mit 1:0 bei Bayer Leverkusen - und schob sich nach dem achten Sieg im neunten Spiel wieder an die Spitze: „Mainz zurück auf eins.“
Am anderen Ende der Tabelle hat sich zeitgleich der VfB Stuttgart etwas Luft verschafft. Dank des 2:0-Siegs gegen den FC St. Pauli heißt der Slogan bei den Schwaben zumindest für einen Abend nicht mehr „Stuttgart 21“ sondern „Stuttgart von 18 auf 14“.
„Bayern null Ertrag“ oder „Gladbach 27 Gegentore“
Ein treffender Titel des Spieltags wäre auch „Bayern null Ertrag“. Nach dem 0:0 beim Hamburger SV verharren die Bayern nicht nur im tiefsten Mittelmaß der Tabelle, sondern sie haben auch den schlechtesten Sturm der ganzen Liga im Aufgebot: acht Tore in neun Spielen - so viele hat der Freiburger Cissé alleine geschossen.
Fast genauso schlecht wie die Bayern treffen nur die Kölner - was interessant ist, denn auf die beiden Vereinen verteilen sich die deutschen Nationalstürmer Gomez, Klose und Podolski. Am Samstag unterlagen die Rheinländer bei Hannover 96 mit 1:2, wodurch sie zwar ihr neuntes Tor verbuchten, aber weiterhin nur fünf Punkte haben und damit auf den allerletzten Platz abrutschten. Die nicht ganz unerwartete Reaktion: Der 1. FC Köln hat sich am Sonntag von Trainer Soldo getrennt.
Weniger Konsequenzen hatte das 2:1 des 1. FC Nürnberg gegen den VfL Wolfsburg. Immerhin tauschten die beiden Kontrahenten ihre Plätze im hinteren Tabellenmittelfeld, und der Club zieht mit dem FC Bayern nach Punkten gleich - was ja auch nicht unerheblich für das Wohl der fränkischen Seele ist.
Wie wäre es mit „Zwanziger 100 Prozent“?
„Gladbach 27 Gegentore“ wäre auch ein treffenden Schlagwort, denn die Borussia als Schießbude der Liga treibt es zu immer neuen Negativrekorden: die Niederlage gegen Werder Bremen wurde schon nach zwölf Minuten mit dem frühen 0:2 eingeleitet, am Ende hieß es 1:4. Da bedauert man die 54.000 Fans im Borussia-Park, die nach fünf Saisonheimspielen weiter auf das erste Erfolgserlebnis warten. Platz 17.
Weiterhin enttäuschend agieren auch die Schalker, die freilich vor der Saison deutlich höhere Ziele anvisiert hatten. Bei Eintracht Frankfurt schafften Magaths Mannen mit Mühe ein 0:0: Platz 16.
Keinen guten Lauf hat auch der 1. FC Kaiserslautern, der sich ebenfalls im Tabellenkeller einnistet. Das 1:2 in Freiburg war schon die fünfte Niederlage nacheinander: „Pfalz 5 Pleiten“ ist aber auch kein Titel, mit dem man hausieren gehen will. Dann schon lieber „Cissé 8 Tore“, denn der Senegalese hatte mit seinem achten Tor den Freiburger Sieg eingeleitet - und damit den bayrischen Millionensturm ganz alleine eingeholt.
Auch Maradona hat bald Geburtstag - aber er wird erst 50
Doch zurück zu den Spieltagstiteln: Wenn schon ganze Vereine letztlich Firmen oder Finanzexperten gehören, dann könnte man doch auch die Spieltage an Sponsoren verkaufen. Da es nach politischem Willen bald nach 20 Uhr kein TV-Sponsoring mehr geben soll, wäre das doch eine interessante Alternative zum Geld eintreiben?
Oder ein Spieltag zu Ehren der Honoratioren? „Beckenbauer 10.000 Kolumnen“ oder „Zwanziger 100 Prozent“ wären passend - zumal der demokratischste aller Bundestage seinen Vormann just an diesem Freitag per Akklamation mit überwältigender Einstimmigkeit im Amt bestätigt hatte.
Aber wer ist schon Zwanziger gegen Pele? An den kommt auf der Fußballwelt höchstens einer ran, selbsternannt: der Kugelblitz aus Argentinien. Der hat nun ausgerechnet am kommenden Samstag Geburtstag: Maradona wird 50. Im Gegensatz zu Pele wundert man sich bei ihm, das er das überhaupt geschafft hat. Und weil ihm das Erreichen des 70. wohl keiner so recht zutraut, ehrte ihn der argentinische Senat schon jetzt mit der Auszeichnung „Delfo Cabrera“ - als beispielhaften Sportler. Ein schöner Titel. Besser zumindest als „Maradona 120 Kilo.“
Koln schlampigster Auftritt / Werders Aufschwung ...
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 23.10.2010, 20:22 Uhr