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9:2 gegen Hamburg : Münchner Party am Ball

9:2 - so ein Ergebnis gab es in der Bundesliga erst zweimal zuvor Bild: AFP

Den Meistertitel kann der FC Bayern durch den Dortmunder Sieg noch nicht perfekt machen. Für eine Show sorgen die Münchner beim 9:2-Sieg über Hamburg dennoch. Besonders Pizarro ist in Torlaune.

          Die Chefs hatten den Spielern ein Party-Verbot erteilt - für den Fall, dass die Bayern schon am Samstag als deutscher Meister 2013 festgestanden hätten. Dazu kam es nicht, weil Dortmund in Stuttgart gewann. Doch dann feierten die Profis des FC Bayern einfach trotzdem eine Party, eine Party am Ball.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          In einem rauschenden Fußballfest vor begeisterten 71.000 Zuschauern legten sie am Ostersamstag dem völlig überforderten Hamburger SV gleich neun Eier ins Nest. Schon zur Pause hatte es durch Xherdan Shaqiri (5. Minute), Bastian Schweinsteiger (19.), Claudio Pizarro (30.), Arjen Robben (33.) und abermals Pizarro bereits 5:0 gestanden, das Ergebnis, mit dem die Hamburger vom letzten Besuch in München heimgeschickt worden waren.

          Nach der Pause wurde es dann eher eine Heimsuchung: mit weiteren Treffern durch Pizarro (53.), Robben (54.) und Pizarro (68.), der mit seinem vierten Tor das 8:0 erzielte. Jeffrey Bruma schaffte nach einer Ecke per Kopfball das 8:1 (75.), ehe der eingewechselte Franck Ribéry eine Minute später und schließlich Heiko Westermann (87.) per Kopfball einen Endstand für die Rekordbücher komplettierten: das 9:2.

          Obwohl Trainer Jupp Heynckes drei Tage vor dem Champions-League-Viertelfinale gegen Juventus Turin (Dienstag, 20.45 Uhr / Liveticker bei FAZ.NET) Mandzukic und Alaba schonte und Ribéry und Müller erst spät einwechselte, trieb seine hellwache Elf die schläfrigen Hamburger von einem Albtraum in den nächsten. Dabei waren es gerade jene Bayern-Spieler, deren Arbeitsplatz sonst vorwiegend die Bank ist, die nun wie entfesselt aufspielten.

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          Shaqiri bekam nach fünf Minuten den Ball in zentraler Position, lief ein paar Schritte und traf aus zwanzig Metern flach und scharf ins rechte Eck. Es folgte eine zehnminütige Scheinüberlegenheit der Hamburger, die mit dem Ballbesitz, den ihnen die Bayern überließen, aber bis auf einen harmlosen Schuss von Son nichts anfangen konnten - ehe die Bayern urplötzlich zuschlugen wie die Katze, die von der Maus gelangweilt ist. Sie bissen zu und ließen nicht mehr los.

          Nach 19 Minuten klärte Dennis Diekmeier in letzter Not vor Robben noch zur Ecke. Doch bis die Hamburger sich auf das nun Folgende geistig eingestellt hatten, waren die Bayern schon einen Schritt und ein Tor weiter. Robben flitzte zur Eckfahne, führte die Ecke schnell und kurz zu Shaqiri aus, und der Schweizer konnte ebenso so unbedrängt flanken wie Schweinsteiger zum 2:0 köpfen - der Strafraum der Hamburger war ein blaues Standbild, in dem sich nur bewegte, wer ein rotes Hemd trug.

          Ein Schmuckstück der Fußballkunst

          Nach einer halben Stunde schob Pizarro zwischen zwei Hamburger Salzsäulen hindurch den Ball in die Gasse zu Robben, der René Adler umkurvte, worauf der Torwart den Ball noch zur Ecke abwehren konnte - ein Moment defensiver Wachheit, dem abermals sofortiger Hamburger Sekundenschlaf folgte. Völlig frei konnte Pizarro den anschließenden Eckball am Fünfmeterraum volley per Fuß zum 3:0 ins Tor lenken.

          Drei Minuten später war die Partystimmung perfekt - Robben auf Pizarro, der Peruaner direkt per Hacke zurück in den Lauf des Holländers, und dann aus 14 Metern flach ins Eck das 4:0, ein Schmuckstück der Fußballkunst. Auch einen fast perfekten Konter hatten die Bayern im Angebot, über Kroos und Schweinsteiger kam der Ball zu Robben, der ihn um Zentimeter vorbeischoss. Pizarro machte es kurz danach in der letzten Szene der ersten Halbzeit besser, den Abpraller nach Shaqiris Pfostentreffer schob er zum 5:0 ins Netz.

          „So ein Tag, so wunderschön wie heute“

          Nach der Pause umkurvte Robben zwei Gegenspieler, sein Zuspiel fand Pizarro, der den Ball zum 6:0 per Hacke ins Netz lenkte. Während auf der Videowand noch das Kunststück des Peruaners zu bewundern war, stürmte er schon wieder in den Strafraum, Bruma rutschte aus, und Robben lupfte den Ball über Adler zum 7:0.

          Die Arena sang „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, und dann war wieder Pizarro dran, der auf Vorlage des eingewechselten Müller zum 8:0 traf. Nach Brumas Kopfballtor stellte Ribéry mit einem Flachschuss umgehend den alten Abstand her, ehe Westermann noch das späte 9:2 gelang. Die Zuschauer sangen in der Schlussphase „Einer geht noch rein“, doch Kroos verzichtete in der letzten Sekunde frei vor Adler stehend gnädig darauf, den HSV mit einem zweistelligen Resultat zu demütigen.

          Bayern stellen neue Bestmarke auf

          Die Hamburger bleiben halt der Lieblingsgegner - kein Team der Bundesliga hat gegen irgendein anderes so oft verloren (56-mal) und so viele Gegentore kassiert (208) wie die Nordlichter gegen den „Stern des Südens“.

          Ganz nebenbei haben die Bayern am Samstag ihre Rekordsaison um eine neue Bestmarke erweitert - der zehnte Sieg hintereinander, etwas, das in einer Saison bisher nur Borussia Münchengladbach (1986/87) und dem VfL Wolfsburg (2008/09) gelungen war. Sollten sie am nächsten Samstag in Frankfurt den Rekord auf elf erhöhen, ein weiterer wäre ihnen sicher: der früheste Meister der Geschichte.

          Bayern München - Hamburger SV 9:2 (5:0)

          Bayern München: Neuer - Lahm (61. Rafinha), Boateng, Dante, Luiz Gustavo - Javi Martínez, Schweinsteiger - Robben (64. Müller), Kroos, Shaqiri (65. Ribéry) - Pizarro
          Hamburger SV: Adler - Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo - Badelj (81. Kacar), Rincón (57. Rajkovic) - Skjelbred, van der Vaart, Son (57. Arslan) - Rudnevs
          Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
          Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Shaqiri (5.), 2:0 Schweinsteiger (19.), 3:0 Pizarro (30.), 4:0 Robben (33.), 5:0 Pizarro (45.), 6:0 Pizarro (53.), 7:0 Robben (54.), 8:0 Pizarro (68.), 8:1 Bruma (75.), 9:1 Ribéry (76.), 9:2 Westermann (86.)
          Gelbe Karten: - / -

          Quelle: FAZ.NET

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