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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

6:1 gegen Stuttgart Münchner Schützenfest

 ·  Die Bayern setzen sich an der Tabellenspitze fest: Gegen den VfB Stuttgart gewinnen die Münchner mit 6:1. Der VfB durfte sich nur kurz über seine Führung freuen und verliert am Ende sogar noch Torjäger Ibisevic wegen einer Roten Karte.

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© dpa Zeichen setzen: Kroos und Müller gewinnen mit den Bayern 6:1

Die Bayern sind auch ohne ihren 40-Millionen-Mann Javier Martinez in der Lage, ihr Publikum zu begeistern. Bis die Verstärkung von Athletic Bilbao nach 77 Minuten erstmals in seiner Karriere für die Münchner ins Spiel kam, führte der Rekordmeister im Südschlager gegen den VfB Stuttgart bereits 6:1, was am Ende eines aus Bayern-Sicht wunderschönen Fußball-Nachmittags auch der Endstand war.

Die Münchner boten eine halbe Stunde lang ein Fußball-Spektakel der Extraklasse, in der sie aus einem 0:1-Rückstand ein 6:1 machten. In dieser Form müssen sie sich vor niemandem in der Liga fürchten.

Torjäger Harnik hatte die Schwaben in der 25. Minute überraschend mit einem Volleyschuss in Führung gebracht, aber damit nur den heiligen Zorn der Bayern geweckt. Bis zur Pause drehten Müller, Kroos und Luiz Gustavo das Ergebnis zum 3:1-Zwischenstand. In der zweiten Halbzeit erhöhten Mandzukic, abermals Müller und Schweinsteiger in einer völlig einseitigen Partie auf 6:1, das die Tabellenführung brachte.

Stuttgart schockt nur kurz

Fünf Minuten lang schien es so, als wäre der VfB Stuttgart in der Form, die Negativserie gegen die Bayern zu beenden. Die letzten sechs Pflichtspiele hatten die Schwaben allesamt gegen die Münchner verloren und 19 Gegentore dabei hinnehmen müssen. Die Stuttgarter attackierten die Bayern schon mutig in deren Hälfte und eroberten ein paar Mal den Ball. In der vierten Minute machte Harnik alles richtig, als er den Ball in den Winkel des Bayern-Tors zirkelte, doch Nationaltorwart Neuer schaffte es noch, nach einem spektakulären Sprung die Fingerspitzen an den Ball zu kriegen und ihn an die Latte zu lenken.

Dann aber übernahm langsam der Favorit die Initiative. Das äußerte sich wie so oft in der Vergangenheit zunächst nur in größerem Ballbesitz und Ballkontrolle. Auch mit Kroos in der Spielmacherposition und Müller für den erkrankten Robben auf Rechtsaußen, Ribery auf Linksaußen und Schweinsteiger im defensiven Mittelfeld entwickelte der Rekordmeister kaum Zug zum VfB-Tor. Es bedurfte eines Rückschlages, um Grundsätzliches zu ändern. Vom 0:1-Rückstand durch Harnik, dem in der 25. Minute nach weiter Freistoßflanke Bokas ein Kunstschuss aus spitzem Winkel unter die Latte gelungen war, fühlten sich die Bayern offensichtlich angestachelt. Sie begannen,aggressiv den Gegner zu pressen, dem sofort Fehler unterliefen.

Müllers Willensakt und Distanzschüsse

Müllers Ausgleichstor in der 32. Minute war ein reiner Willensakt. VfB-Torwart Ulreich hatte seinen Sechzehnmeterschuss abgeklatscht und der Nationalspieler legte die zwölf Meter bis zum abprallenden Ball schneller zurück als die günstiger postierte VfB-Abwehr. Müller schob zum 1:1 ein und der Bayern-Festspieltag begann. Eine Minute später stand es 2:1 durch Kroos, dem ein satter Schuss unter die Latte herausgerutscht war. Zehn Minuten später donnerte Luiz Gustavo den Ball noch Aufsehen erregender aus 30 Metern in Netz.

Die Stuttgarter wirkten wie angeschlagene Boxer, der Abpfiff zur Halbzeitpause war wie ein Gong, der sie vor dem K.o. rettete. Doch die Viertelstunde Verschnaufpause brachte dem VfB gar nichts. Das 4:1 durch Mandzukic fiel in der 47. Minute, das 5:1 von Müller in der 49. und das 6:1 durch Schweinsteiger in der 51. Im Boxen wären die Stuttgarter spätestens jetzt wegen Verteidigungsunfähigkeit aus dem Kampf genommen worden. Sie boten in dieser Phase ein Bild des Schreckens - sie waren ihren Gegnern schutzlos ausgeliefert.

Die Schwaben konnten froh sein, dass die Bayern dann von ihnen abließen, ihr Torhunger schien gestillt. Sie verloren ein wenig die Konzentration und die Stuttgarter kamen wieder ein bisschen auf die Beine. Bei einigen saß der Frust dennoch tief. Nach einem Zweikampf mit Boateng ließ sich VfB-Torjäger Ibisevic in der 74. Minute zu einer Tätlichkeit hinreißen, für die er von Schiedsrichter Kinhöfer die Rote Karte sah. Die letzte Viertelstunde stand dann eher im Zeichen der Feierlichkeiten denn des Fußballspielens. In Überzahl beschränkten sich die Bayern-Profis darauf, sich nicht mehr zu verletzen.

Warmer Willkommensgruß für Martinez

Die Münchner unter den 71.000 Zuschauern freuten sich über die Tabellenführung und begrüßten in der 77. Minute den Neuzugang aus Spanien frenetisch, der überdies an diesem Tag seinen 24. Geburtstag feierte. Javier Martinez löste Bastian Schweinsteiger ab und der Empfang war wirklich äußerst warm und herzlich. Selbst einfachste Pässe des Spaniers wurden vom Publikum mit Applaus bedacht, Viel bewegen vermochte Martinez in der Restspielzeit nicht, aber das war auch nicht nötig, alles Notwendige hatten schon seine Kollegen besorgt.

Bayern München - VfB Stuttgart 6:1 (3:1)

München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber - Luiz Gustavo, Schweinsteiger (77. Martinez) - Thomas Müller, Toni Kroos, Ribery (73. Shaqiri) - Mandzukic (69. Pizarro). - Trainer: Heynckes
Stuttgart: Ulreich - Sakai, Tasci, Maza, Boka - Kvist, Gentner - Harnik (89. Traore), Hajnal (46. Torun), Okazaki (69. Bah) - Ibisevic. - Trainer: Labbadia
Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Tore: 0:1 Harnik (25.), 1:1 Thomas Müller (32.), 2:1 Toni Kroos (33.), 3:1 Luiz Gustavo (43.), 4:1 Mandzukic (47.), 5:1 Thomas Müller (49.), 6:1 Schweinsteiger (51.)
Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Ibisevic nach einer Tätlichkeit (74.)
Gelbe Karten: Boateng (2) - Gentner

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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