Die Nachrichten des Nachmittags von der Spitze und aus dem Keller der Liga waren für Hertha BSC und den FC Bayern nicht gerade erfreulich. Nach den Siegen von Augsburg und Freiburg waren die Berliner schon vor dem Anpfiff auf den 17. Rang zurückgefallen, die Bayern hatten nach dem Dortmunder Erfolg schon wieder acht Punkte Rückstand aufzuholen.
Die kleine psychologische Zusatzbelastung, mit der die Berliner Abstiegskandidaten und die Münchner Möchtegern-Meister in das ungleiche Duell im Olympiastadion gingen, hatte allerdings keine allzu große Wirkung, dafür waren die Unterschiede viel zu gewaltig zwischen verängstigten Berlinern und strotzend selbstbewussten Bayern.
Entscheidung in der Anfangsphase
Es dauerte nicht mal zwanzig Minuten, da hatten die Sieben-Tore-Münchner mit drei Treffern die Partie schon locker für sich entschieden. Am Ende stand ein kinderleichter 6:0-Erfolg der Münchner durch Treffer von Thomas Müller (9. Minute), Arjen Robben (12., 19. und 67.), Mario Gomez (50.) und Toni Kroos (51.). Robben (zweimal) und Gomez nutzten jeweils Foulelfmeter.
Der FC Bayern stimmte sich mit dem Vorzeigesieg weiter auf den Meisterschaftskampf mit Dortmund ein, der Hauptstadtklub nach dem Debakel wohl schon auf den Abstieg.
Die nächste Bayern-Party
Die Hertha-Spieler hatten vor dem Anpfiff noch ein Transparent in der Kurve hochgehalten, um den Fans und wohl auch sich selbst im Abstiegskampf noch einmal ein bisschen Mut zu machen. Aber wie hoffnungslos das alles war, zeigte sich blitzschnell. Mario Gomez, der Supertorjäger mit sieben Treffern beim 7:1 gegen Hoffenheim und 7:0 gegen Basel, verschenkte diesmal die erste Chance, die ihm nach fünf Minuten vor die Füße fiel.
Aber kurz darauf übernahm Müller die Torjägerrolle, nachdem Ribery auf der rechten Seite glänzende Vorarbeit geleistet hatte, wie so regelmäßig in den vergangenen acht Tagen bei den großen Bayern-Partys.
Die Hilflosigkeit der Hertha nahm für die eigenen Anhänger ganz schnell erschreckende Züge an, die Bayern machten sich mit halber Kraft ihren Spaß an einem Samstagabend im Olympiastadion, der einen Klassenunterschied dokumentierte, von dem vorher zwar viel die Rede war, sich aber ansonsten nur im DFB-Pokal bei Duellen zwischen Bundesligaklubs und Dorfklubs aus der Kreisklasse dann auch tatsächlich genau so offenbart, gewöhnlich aber nicht in der Bundesliga. „Es war heute ein Zwei-Klassen-Unterschied. Wir müssen schauen, dass wir das schnellstmöglich aus den Köpfen kriegen“, sagte Herthas Mittelfeldspieler Andreas Ottl, der einst für die Bayern spielte.
Schnick, schnack, schnuck
Nachdem Robben sich zweimal als Solist in den Mittelpunkt stellte, machten die Bayern dieses sogenannte Duell zu einem gespielten Witz. Robben wollte zunächst beim 2:0, als er den Ball ungerührt und unbedrängt nach einem Solo über vierzig Meter ins Tor schoss, vom freistehenden Gomez nichts wissen – und kurz danach beim Foulelfmeter nach einer Attacke gegen Müller, griff er auch bei dieser Chance zum 3:0 ganz schnell zu.
Der große Favorit, das spürte man schon in der Anfangsphase, hatte das Team von Otto Rehhagel kaum ernst genommen, offensichtlich wurde es, als Ribery und Kross dann bei einem Freistoß wie Kinder „Schnick, schnack, schnuck“ spielten, um zu klären, wer den Ball aufs Tor schießen darf. Das dürfte der einzige Moment für die beiden Münchner gewesen sein, bei dem sie im Olympiastadion etwas Spannung verspürten. Einen Fair-play-Preis werden sie mit dem Spielchen, das den hilflosen Gegner lächerlich machte, allerdings kaum gewinnen
Spaziergang in der Hauptstadt
Was folgte, war buchstäblich ein Münchner Spaziergang in der Hauptstadt. Die Bayern hatten kein Interesse daran, das Tempo gegen einen verzweifelten Abstiegskandidaten hochzuhalten, und begnügten sich mit den Chancen, die ihnen trotzdem immer wieder zufielen. Mit letztem Einsatz waren die Bayern auch in der Defensive nicht aktiv. Aber trotzdem kam, was kommen musste – weitere Bayern-Tore.
Gomez war mit einem Elfmeter erfolgreich, Kroos nutzte einen Abpraller, Robben einen weiteren Elfmeter. Später schonte Bayern-Trainer Heynckes seine Superstars und wechselte Robben und Ribéry aus. Sie waren gegen diesen Gegner nicht vonnöten. Und dann war zum Glück für die Hertha endlich Schluss mit dem Grauen. „Wir müssen als Mannschaft ausbaden, was hier schief läuft“, sagte schließlich noch ein weiterer ehemaliger Münchner im Hertha-Trikot. Christian Lell ließ mit seiner kryptischen Aussage freilich allerhand Interpretationsspielraum.
Otto der Malerfürst !
Klaus Schaepers (heinzbert)
- 17.03.2012, 21:51 Uhr
Rehhagels Waschlappen vor der Klapperschlange !
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 17.03.2012, 20:52 Uhr