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5:0 in Hannover Wolfsburg wie ein Meister

16.05.2009 ·  Niedersachsenmeister sind sie schon mal: in Hannover hat der VfL Wolfsburg 5:0 gewonnen. Abgeklärt, aber auch schön, ästhetisch anspruchsvoll, aber auch effektiv zelebrierte der Spitzenreiter Fußball der feinsten Sorte.

Von Roland Zorn, Hannover
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Die Bundesliga darf sich auf eine Premiere freuen. Wenn am 34. Spieltag nicht noch alles schief geht, wird wohl der VfL Wolfsburg erstmals deutscher Fußballmeister. Eine glänzende Visitenkarte gab der Ligaprimus am Samstag in Hannover ab, wo der VfL das Niedersachsenderby von Beginn an unangreifbar beherrschte und schließlich überdeutlich 5:0 gewann.

Die beiden überragenden Stürmer Grafite und Dzeko teilten sich die Treffer des Tages. Der Bosnier war mit seinen Saisontoren 23, 24 und 25 zum 1:0, 4:0 und 5:0 (14., 54. und 79. Minute) erfolgreich, Grafite begeisterte den stattlichen Wolfsburger Anhang mit seinen Saisontreffern 25 und 26 zum 2:0 und 3:0 (33./36.). „Das war ein Schritt in Richtung Meisterschaft“, sagte der vermeintliche Meistertrainer Felix Magath. „Von Entscheidung oder Vorentscheidung kann aber keine Rede sein. Es ist aber klar, dass wir uns das Leben durch den Sieg erleichtert haben. Jetzt ist die Chance, die Meisterschale nach Wolfsburg zu holen, riesengroß.“

Noch ein Sieg, bis der Drops gelutscht ist

49.000 Zuschauer in der ausverkauften AWD-Arena genossen die Wolfsburger Meistermischung, die der zum Ende der Spielzeit scheidende Trainer Felix Magath zu einem Markenzeichen der Liga gemacht hat. Nach dem Triumph beim Nachbarn ist der VfL fast am Ziel - so souverän er die vorletzte Etappe hinter sich gebracht hat, wird er auch noch die letzte Runde am kommenden Samstag daheim gegen Werder Bremen gut und gern in Angriff nehmen. Bei der eindeutig besseren Tordifferenz gegenüber den um zwei Punkte zurückliegenden Bayern, Stuttgartern und Berlinern reichte auch ein Remis gegen Werder. Wer die Wolfsburger aber kennt, weiß, dass sie sich mit Halbheiten nicht zufrieden geben.

Fußball ist so einfach. „Zwei Siege, und der Drops ist gelutscht“, hatte Felix Magath vorher gesagt. Ganz so, als wäre das Restprogramm für den Tabellenführer nichts. Dabei ist Fußball manchmal so schwer - selbst für die ersten und besten Kandidaten im Kampf um die Meisterschale. Und deshalb hatte Magaths hannoverscher Kollege Dieter Hecking der flotten Ansage des VfL-Trainers sogleich diesen Merksatz entgegengehalten: „Durch die anderen Stadien soll ein Raunen gehen.“

Auftrumpfend wie ein kommender Meister

Wegen 96, das daheim auf eine stolze Jahresbilanz schauen konnte. Nur eine einzige Niederlage (2:5 gegen Hoffenheim) musste Hannover bis zum Samstag vor eigenem Publikum einstecken. Die Nachbarn aus dem östlichen Niedersachsen waren also vor dem Derby gewarnt. Andererseits begegneten sich in der AWD-Arena die wackligste Abwehr (62 Gegentore) und der stärkste Angriff der Liga (70 Tore). Mit Eggimann und Fahrenhorst, später Vinicius, gegen die Wolfsburger Superstürmer Grafite und Dzeko, das sah für die Hannoveraner schon auf den ersten Blick nach einer doppelt so schweren Prüfung wie gegen andere Angriffsreihen aus.

Baumeister Magath hatte natürlich keinen Grund, in seiner Mannschaft vorneweg etwas zu ändern; wohl aber stellte er in der Defensive für viele überraschend um. Die Stammkräfte Pekarik und Simunek blieben zunächst Bankkapital, Kapitän Josué fehlte gesperrt wegen fünf Gelben Karten. Dafür bekamen am Samstag Hasebe, Madlung und Schindzielorz ihre Chance. Sie nutzten sie so, wie das gesamte Team der Bedeutung dieses 33. Spieltages gerecht wurde.

Abgeklärt, aber auch schön, ästhetisch anspruchsvoll

Der VfL trumpfte von Beginn an wie ein kommender Meister auf. Abgeklärt, aber auch schön, ästhetisch anspruchsvoll, aber auch effektiv zelebrierte der Spitzenreiter Magath-Fußball der feinsten Sorte. Und so ging denn tatsächlich ein Raunen durch die anderen Stadien, aber nicht, weil Hannover etwas zu melden gehabt hätte. Dzeko (14. Minute) und Grafite (33. und 36.) machten ihrem Ruf wie Donnerhall alle Ehre und trafen und trafen weiter.

Dzekos 1:0, sein 23. Saisontor, war ein Geschoss für Genießer. Hasebe hatte geflankt, der Bosnier nahm den Ball an der Strafraumkante mit der Brust an, ließ ihn einmal abtropfen, und dann zog er mit rechts derart dynamisch ab, dass das Spielgerät ins Dreieck rauschte. Sein Partner Grafite ließ seine Treffer Nummer 25 und 26 folgen, weil er sich im Fünfmeterraum jeweils unbeschwert und mühelos gegen die ungenügend verteidigenden Eggimann und Vinicius durchsetzte.

„Deutscher Meister wird nur der VfL

Bei Halbzeit stellte in dieser phasenweise hochattraktiven Partie niemand mehr die Frage nach dem Tagessieger. Die Zukunft sah sattgrün aus, und die rund 5000 Fans der Wolfsburger sangen wie auch zum Spielende voller Begeisterung: „Deutscher Meister wird nur der VfL.“

Dafür spricht nun alles, zumal Dzeko noch zwei draufsetzte und mit spielerischer Leichtigkeit per Kopf nach Misimovics präziser Vorlage das 4:0 (54.) und Hasebes Flanke schließlich das 5:0 (79.) erzielte. Gegen die phantastischen Zwei im Zentrum des Wolfsburger Orkans ist in dieser Spielzeit kein Kraut gewachsen. Sie liefern sich nun auch noch eine Extrakonkurrenz um die Eroberung der Liga-Torkanone. Wohl dem, der gleich zwei derart unaufhaltsame Kanoniere in seinen Reihen hat.

Hannover 96 - VfL Wolfsburg 0:5 (0:3)
Hannover: Enke - Herrmann (50. Bastian Schulz), Fahrenhorst (18. Vinicius), Eggimann, Tarnat (58. Rausch) - Balitsch - Pinto, Bruggink, Krzynowek - Stajner, Forssell
Wolfsburg:
Benaglio - Riether, Madlung, Barzagli, Schäfer - Schindzielorz - Hasebe, Gentner (64. Dejagah) - Misimovic (73. Okubo) - Grafite (81. Simunek), Dzeko
Schiedsrichter:
Herbert Fandel (Kyllburg)
Tore:
0:1 Dzeko (14.), 0:2 Grafite (33.), 0:3 Grafite (36.), 0:4 Dzeko (54.), 0:5 Dzeko (79.)
Zuschauer:
49.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten:
Balitsch (10), Fahrenhorst (3), Vinicius (2) - Schindzielorz (2)

Quelle: FAZ.NET
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