Leidenschaft allein reicht nicht. Das haben die Profis des 1. FC Köln am Samstag im eigenen Stadion lernen müssen. Trotz eines engagierten Spiels verloren sie das rheinische Derby gegen Borussia Mönchengladbach 2:4. Seit dem 7. November haben die Spieler von Trainer Christoph Daum kein Heimspiel mehr gewonnen. Während der Tabellenelfte keinen Schritt vorankam, wehren sich die Gladbacher mit dem nächsten Sieg nach dem 4:1 gegen den HSV vielversprechend gegen den Abstieg. Sehr zur Freude von Trainer Hans Meyer: „Das ist richtig positiv und ein schönes Gefühl. Der Sieg tut uns gut.“
Es stand 6:0 für Köln, als Mönchengladbach traf. 6:0 in einer Statistik, die viel sagt, aber nichts bringt. Sechsmal hatten die FC-Profis von der Borussia-Eckfahne ihr Glück versucht und damit bewiesen, das ihr Coach keine leeren Versprechungen gemacht hatte: Mit dem Auftrag, leidenschaftlich, schnell und direkt zu spielen, schickte Christoph Daum seine Elf aufs Feld.
Die zweite Chance lässt sich Marin nicht entgehen
Die Kölner drückten und drängten über das gesamte Spiel, sie hielten das Tempo mit langen Pässen hoch, tauchten immer wieder im Strafraum der Mönchengladbacher auf und wurden doch regelmäßig zur Eckfahne abgedrängt. Und so wuchs mit zunehmender Spieldauer das Gefühl, die Gladbacher ließen den rheinischen Rivalen bewusst spielen, aber im entscheidenden Moment nicht zum Zuge kommen. Köln schien zu harmlos.
Daum dagegen atmete tief durch, wenn seine Verteidigung zwischen Leichtsinn und Souveränität balancierte und als Gladbachs brillanter Marko Marin das erste Mal im Strafraum des FC nach Belieben kurvte. Die zweite Chance ließ sich der kleine Dribbelkünstler nicht entgehen. Ein Fehlpass aus Leidenschaft des Kölner Offensivgeistes Wilfried Salou nahm Marin zum Solo auf, tauchte links in den Strafraum ein und bediente Michael Bradley (25.): 1:0.
Ümits Tag des Abschieds endet mit einer Niederlage
Ein Tor, das Köln zwang, am Konzept Attacke festzuhalten, erst recht, als Karim Matmour zum 2:0 in der 44. Minute für die Borussia einschoss. Immerhin führte die nie nachlassende Kölner Kampfbereitschaft zum Anschlusstreffer. Und zwar - ganz symptomatisch - per Gewaltschuss von Miso Brecko (64.). Wie die Kölner Fußballseele in dieser Minute jauchzte und das Publikum (50 000) seine Geißbock-Truppe nach vorne peitschte! Weil es doch noch eine Chance spürte. Schließlich hatte Borussia-Coach Meyer Marin aus dem Spiel genommen. Doch die Kombinationslust ließ nicht nach. Den schönsten Spielzug der Partie vollendete Mittelstürmer Rob Friend mit dem 3:1 (67.).
Da ahnte der ehemalige Kölner Kapitän Ümit Özat, dass sein Tag des Abschieds mit einer Niederlage enden würde. Der 32 Jahre alte Türke, nach einem Herzstillstand im vergangenen August wieder genesen, schlug auf der Tribüne die Hände vors Gesicht. Er wird seinen Kölnern auf dem Rasen nie mehr beistehen. Brecko gelang in der 82. Minute zum zweiten Mal der Anschlusstreffer. Wieder hofften die Kölner. Bradley enttäuschte sie mit einem Foulelfmeter (87.) endgültig.