Bayern München wird sich mit der „echten“ Rückkehr an die Tabellenspitze noch etwas gedulden müssen. Angst und Schrecken, so waren sich die Münchner sicher, hätte ihr 2:0-Sieg gegen Hoffenheim verbreitet - aber falls diese Botschaft an Bayer Leverkusen adressiert war, so wurde der Empfang verweigert. Mit dem 4:2 über Mainz 05 kehrten die Rheinländer an die Spitze zurück.
Der Herbstmeister war zwar als eine der wenigen Mannschaften in der Winterpause daheim geblieben und hatte sich bei Schnee und Kälte auf die Rückrunde vorbereitet. Doch als es nun wieder losging, wirkte die einzige noch unbesiegte deutsche Mannschaft im Profifußball angesichts der frostigen Temperaturen doch wie eingefroren. Was in der ersten Minute noch wie eine kleine Nachlässigkeit gewirkt hatte, als Bancè im Fünfmeterraum relativ unbedrängt zum Kopfball hochsteigen konnte, setzte sich in der Anfangsphase erst einmal fort. Mainz stellte geschickt die Räume zu und verhinderte so zunächst jeden Ansatz des gefürchteten Leverkusener Kombinationsspiels.
Das allein hätte schon genügt, um Bayer den Spaß zu verderben, aber nach acht Minuten setzte der Aufsteiger noch eins drauf: Ivanschitz überraschte Nationaltorwart René Adler, als er bei seinem Freistoß von der Strafraumgrenze die kurze Ecke des Leverkusener Tores anvisierte. Adler verhinderte zunächst das Schlimmste, lenkte den Ball dabei aber nur an den Innenpfosten. Der Mainzer Kapitän Tim Hoogland hatte aus einem Meter keine Mühe, für die Führung des Neulings zu sorgen.
Es gab Zeiten, da hätte dieser Beginn ausgereicht, um Leverkusen völlig aus dem Tritt zu bringen. Das aber ist offenbar Vergangenheit, denn der Mainzer Vorteil war bald dahin. Richtig gute Mannschaft zeichnet schließlich aus, auch noch einen Plan B zu besitzen, wenn Plan A nicht funktioniert. Verlassen kann sich Bayer Leverkusen so beispielsweise auf seine Standardsituationen: In diesem Fall nach 15 Minuten auf Michal Kadlec, der nach einem Eckball per Kopf zum Ausgleich traf.
Rolfes und Renato Augusto zurück
Der Treffer änderte alles, denn plötzlich kehrte das Leben in die Leverkusener Mannschaft zurück. Bestens demonstrierte das nur vier Minuten später Kießling beim 2:1, als er zwei Verteidiger auf sich zog, trotzdem den Überblick behielt und den Torschützen Tranquillo Barnetta freispielte. Der taktische Plan der Mainzer war damit dahin, und die Unsicherheit wäre noch größer geworden, hätte Kießling nach einem misslungenen Rückspiel von Bungert seine große Chance genutzt, als er alleine auf das Mainzer Gehäuse zu stürmte. Der Mainzer Torwart Heinz Müller wehrte den Schuss aber zur Ecke ab. Lange ließ das dritte Leverkusener Tor aber nicht mehr auf sich warten. Nach einer halben Stunde war es soweit. Nach der weiten Flanke von Schwaab landete die Kopfballabwehr des Mainzer Abwehrchefs Noveski direkt vor den Füßen von Toni Kroos, der aus elf Metern traf.
Auch nach der Pause benötigte Bayer wieder eine Aufbauphase und schien diese schon folgenlos überstanden zu haben, als das Team doch noch kalt erwischt wurde. Der Anschlusstreffer von Nico Bungert in der 67. Minute brachte die Spannung zurück, die Derdiyok fast im Gegenzug wieder hätte beenden können, aber der Kopfball des Schweizers landete am Innenpfosten. Die 28.000 Zuschauer mussten so nicht nur wegen des eisigen Windes zittern, durften sich ein wenig an der Einwechslung der Rückkehrer Simon Rolfes und Renato Augusto erwärmen und schließlich über die Entscheidung freuen: Derdiyok beendete nach Zuspiel von Renato Augusto in der 88. Minute die Zitterei. Zumindest die um den Sieg.