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4:1 gegen Wolfsburg Stuttgart ist ganz Gomez

09.05.2009 ·  Vier Tore in einem Spiel für den VfB: Das hat zuletzt Jürgen Klinsmann geschafft. Gegen den Tabellenführer aus Wolfsburger gelang das nun Mario Gomez. Der macht mit seinem Tor-Quartett die Meisterschaft spannender denn je.

Von Peter Heß, Stuttgart
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Mario Gomez hat den Titelkampf in der Fußball-Bundesliga zu seiner ganz persönlichen Angelegenheit gemacht. Der Nationalstürmer, der in Länderspielen zuletzt immer wieder ausgepfiffen worden war, entschied das Spitzenspiel zwischen dem VfB Stuttgart und dem VfL Wolfsburg in einem Aufsehen erregenden Alleingang. Seine vier Tore zum 4:1 brachten nicht nur Tabellenführer Wolfsburg wieder in die Reichweite der Schwaben, er schloss damit auch in der Torjägerwertung zum führenden Wolfsburger Grafite auf. Beide haben nun 23 Saisontreffer. Gomez traf in der ersten, 20., 63. und 76. Minute, Dzeko schoß das Tor für den VfL in der 36. Minute.

Wenige Tage nach der offziellen Verkündung des Wechsels ihres Trainers Felix Magath zu Schalke 04 wirkte die Wolfsburger Abwehr, als wäre sie in Stuttgart auf Kurzurlaub. Immer wieder konnten die Stuttgarter Angreifer ungehindert auf den Wolfsburger Torwart Benaglio zulaufen. In der Offensive unterstrichen Grafite und Dzeko in einigen Szenen zwar ihre Torgefährlichkeit. Aber mit Gomez konnte an diesem Nachmittag kein anderer Profi mithalten. „Wir sind jetzt richtig gut dabei“, sagte Gomez. „Jetzt wollen wir auch die restlichen drei Spiele gewinnen und dann sehen, wofür das reicht.“ Es könnte die Meisterschaft sein. Gomez gab sich nach seinem Gala-Auftritt bescheiden. „Ich war da, wo ich sein musste“, sagte er. „Die Mannschaft hat hervorragend gearbeitet. Davon habe ich profitiert.“

Das schnellste Tor der Saison

Der 23 Jahre alte Stürmer war ständig in Bewegung, eroberte die Räume und war kaum vom Ball zu trennen. Sogar für die Defensive arbeitete der vor Ehrgeiz berstende Angreifer, einmal stellte er Dzeko nach langem Sprint in der Nähe der eigenen Eckfahne. Unmittelbar nach dem vierten Volltreffer nahm Trainer Babbel seinen besten Mann vom Feld, gönnte ihm ein Bad in der Menge, das ihn mit stehenden Ovationen entließ. Nach dem Abpfiff machte sich dann der ganze VfB zur Ehrenrunde auf, mit dem Mann im Mittelpunkt: Mario Gomez. Welch ein Auftritt!

Irgendwie unterschätzten die Wolfsburger die Bedeutung des Anpfiffs von Schiedsrichter Kinhöfer. Sie nahmen es als Zeichen, so langsam mal zu beginnen, aber nicht als Startsignal für den Endspurt um die deutsche Fußballmeisterschaft. Sie schauten zu, als sich die Stuttgarter auf der rechten Seite den Ball zuspielten, beobachteten, wie Hilbert mit der Fußsohle den Ball auf Träsch zurücklegte, guckten verdutzt, als dessen Flanke auf dem Kopf von Gomez landete und sich der Ball dann in den Torwinkel senkte. 1:0 für den VfB nach 30 Sekunden: das schnellste Tor der Bundesliga-Saison spitzte den Titelkampf noch einmal richtig zu.

Spaziergang auf der Strandpromenade

Gomez bejubelte seinen Treffer mit der Grandezza eines Toreros und machte sich kaum 100 Sekunden später auf den Weg, den Wolfsburgern den nächsten Stich zu versetzen. Doch statt Cacau in der Mitte den Ball vorzulegen, nahm der Nationalstürmer das Angebot des Wolfsburger Torwarts Benaglio an, den Ball aus spitzem Winkel ins lange Eck zu schieben. Benaglio hatte richtig spekuliert und wehrte den Schuss ab. Es sollte einer der wenigen Augenblicke bleiben, in denen Gomez nicht das Optimale leistete. Selbst dieser Schreckmoment weckte die Mannschaft von Trainer Magath nicht.

Der VfB durfte weiter durch das Mittelfeld spazieren als wäre es eine Strandpromenade - nur keine Unbequemlichkeiten für die Passanten. In der 20. Minute schien das Spitzenspiel schon entschieden. Cacau hatte den durchsichtigen Wolfsburger Versuch, eine Abseitsfalle zu stellen, durchschaut und sprintete durch die Abwehrkette. Hitzlsperger spielte den notwendigen Steilpass und Cacau musste den Ball nur noch auf Gomez weiterleiten, der zum 2:0 das leere Tor vor sich hatte. So leicht hatten sich die Stuttgarter es wohl nicht vorgestellt, noch einmal ins Meisterschaftsgeschehen eingreifen zu können.

Löcher in der Wolfsburger Abwehr

Doch es sollte ein wenig schwieriger werden. Die Wolfsburger begannen, den Nachweis zu erbringen, wieso sie an der Tabellenspitze stehen. Nach gutem Spielaufbau beförderte der VfL den Ball immer wieder erfolg versprechend in die Spitze, wo vor allem Dzeko aber auch Grafite ihre Torgefährlichkeit andeuteten. Das 1:2 durch Dzeko in der 36.Minute fiel schon nicht mehr überraschend. Nach einem Freistoß segelte VfB-Torwart Lehmann unter dem Ball durch und Dzeko nahm das Geschenk umstandslos an.

Eine knappe halbe Stunde wogte nun die Begegnung hin und her, mit Chancen auf beiden Seiten. Aber die Löchrigkeit der Wolfsburger Abwehr ließ für den Spitzenreiter jederzeit das Schlimmste befürchten. In der 63. Minute war es soweit: Gomez nutzte einen Steilpass für einen wuchtigen Schuss unter die Torlatte zum 3:1. In der 76. Minute krönte er seine Vorstellung mit einem Kopfball zum Endstand nach Flanke von Lanig. Dann erlöste der Stuttgarter Trainer Babbel die Wolfsburger von ihrem Fluch und schickte Gomez in die Kabine zum Ausruhen. Er hatte mehr getan, als er musste.

VfB Stuttgart - VfL Wolfsburg 4:1 (2:1)
Stuttgart: Lehmann - Träsch, Boulahrouz, Niedermeier, Magnin - Khedira (83. Simak), Hitzlsperger - Hilbert, Gebhart (46. Lanig) - Gomez (79. Marica), Cacau. - Trainer: Babbel
Wolfsburg: Benaglio - Pekarik (73. Okubo), Simunek, Barzagli, Schäfer - Josue - Riether (39. Zaccardo), Gentner - Misimovic (37. Dejagah) - Grafite, Dzeko. - Trainer: Magath
Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Tore: 1:0 Gomez (1.), 2:0 Gomez (20.), 2:1 Dzeko (36.), 3:1 Gomez (63.), 4:1 Gomez (77.)
Zuschauer: 55.700 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Niedermeier - Dzeko (3)

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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