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4:1 gegen Karlsruhe Hoffenheims Fußballkünstler krempeln die Ärmel hoch

 ·  Der Aufsteiger bleibt Tabellenführer: im Duell der badischen Bundesligaclubs zeigte sich die TSG Hoffenheim Klassen besser als der Abstiegskandidat aus Karlsruhe. In der zweiten Halbzeit verwerteten Ibisevic und Obasi die Überlegenheit.

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Der Hoffenheimer Trainer Ralf Rangnick schaute zufrieden drein, obwohl seine Mannschaft diesmal lange kein Feuerwerk abgebrannt hatte. Erst in der Schlussviertelstunde konnte seine Mannschaft das badische Derby gegen den Karlsruher SC entscheiden. Vedad Ibisevic (15./75. Minute), Chinedu Obasi (66./78.) schossen beim 4:1 die Tore für Hoffenheim, das durch den fünften Sieg in Folge die Tabellenführung zurückeroberte.

Für den KSC, der das fünfte Spiel in Folge verlor, traf Sebastian Freis zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich in der 20. Minute. Was Rangnick wegen des am Ende deutlichen Resultats aber besonders gefreut haben dürfte, ist die Erkenntnis, dass seine zuletzt überall als talentierte Fußballkünstler wahrgenommenen Spieler auch die Ärmel hochkrempeln und richtig kämpfen können. „Die erste Halbzeit war gut, die zweite sehr gut“, sagte der überragende Hoffenheimer Mittelfeldmann Tobias Weis. „Wir wussten, dass der KSC mit dem Rücken zur Wand steht, aber wir wussten auch, was wir können, und haben uns daran in der Pause erinnert.“

Im Duell der badischen Nachbarn war Geduld gefragt

Lange hatte sich der Aufsteiger schwergetan, weil der KSC versuchte, mutig nach vorne zu spielen, und sich dazu schnell zurückzog, manchmal mit acht, neun Akteuren die Räume eng machte. Im Duell der Nachbarn aus dem Südwesten war für die Hausherren vor allem Geduld gefragt, um das Spiel doch noch zu drehen. Erst in der Schlussphase setzte Hoffenheim durch seine Stürmer Glanzpunkte, die nun 27 der insgesamt 31 Tore erzielten.

Trainer Rangnick durfte sich vor dem Derby wie ein einsamer Rufer vorkommen, der vor allzu großer, überbordender Begeisterung warnte. Das 3:0 über den HSV hatte eine Welle des Frohsinns im Hoffenheimer Fanlager ausgelöst, auf den Rängen im Mannheimer Ausweichquartier war zum ersten Mal eine Meisterschale aus Pappe zu sehen. Der beeindruckende Erfolg hatte eine neue Welle des Interesses ausgelöst, die nicht jedem Verantwortlichen bei dem Aufsteiger recht kam.

Rangnick: „Wir lassen uns nicht diktieren, was für eine Zielsetzung wir haben.“

Fast patzig hatte Rangnick vor der Partie Fragen nach einer neuen Zielsetzung abgewehrt und gesagt: „Wir lassen uns nicht diktieren, was für eine Zielsetzung wir haben.“ Immerhin gestand Rangnick später ein, der Höhenflug des Liganeulings habe „ein bisschen was Märchenhaftes“. Märchenhaft aber ging es auf dem Spielfeld diesmal nicht oft zu. Auch auf diese Gefahr hatte Rangnick hingewiesen, um sein Team auf eine schwierige Aufgabe vorzubereiten.

Die ersten beiden Chancen hatten die Karlsruher, die offenbar in einem frühen Tor ihre Chance sahen, beim hohen Favoriten doch zu bestehen. Der Hoffenheimer Andreas Beck handelte sich für sein Foul an Sebastian Freis in der zweiten Minute an der Strafraumgrenze die Gelbe Karte ein. Den anschließenden Freistoß setzte Bradley Carnell in die Mauer, und Freis' Schuss wurde drei Minuten später abgeblockt. Es dauerte gute zehn Minuten, bis der Hoffenheim-Express Fahrt aufnahm und sich von Sekunde zu Sekunde steigerte. Der Nigerianer Chinedu Obasi eilte den Gegenspielern auf dem rechten Flügel mit einem Sprint davon, und in der Mitte wartete Vedad Ibisevic, der mühelos sein zwölftes Saisontor erzielte.

Hoffenheim unbeeindruckt

Dem 1:0, das erwarteten fast alle in Mannheim, würden weitere Treffer aus der Hoffenheimer Torfabrik folgen. Die Karlsruher hatten nun immer alle Mühe, die schnellen Angriffe abzuwehren. Ein eher harmloser Schuss von Godfried Aduobe aber war Ausgangspunkt für den 1:1-Ausgleich durch Freis in der 20. Minute. Der kam in den Genuss, den abprallenden Ball vor die Füße zu bekommen. Der Karlsruher Mittelstürmer durfte sich damit zu einem kleinen Kreis der Glücklichen zählen, denen im Carl-Benz-Stadion überhaupt ein Tor gelang. Es war erst das dritte Gegentor für Hoffenheim im sechsten Heimspiel.

Hoffenheim beeindruckte der mutige Versuch des badischen Rivalen, die fünfte Niederlage in Folge ohne seinen gesperrten Kapitän Maik Franz mit gelegentlichen Kontern und robustem Zweikampfverhalten abzuwenden, nicht. Der KSC musste sich angesichts des druckvollen Spiels des Gegners immer weiter zurückziehen, und die Hoffenheimer machten die Partie immer mehr zu einer Art Privatduell gegen den Karlsruher Torwart Markus Miller. Tobias Weis, Demba Ba, Ibisevic und wieder Ba, egal, wer sich vor dem Karlsruher Tor auch als Kandidat vorstellte, Miller bewahrte seinen Klub vor einem höheren Rückstand.

Die Kräfteverhältnisse auf dem Rasen hatten sich nach starken zehn Anfangsminuten des KSC eindeutig in Richtung der Hoffenheimer gedreht, die dann auch belohnt wurden. „Um momentan gegen eine Mannschaft wie Hoffenheim bestehen zu können, muss man läuferisch alles geben, defensiv gut stehen und wenig Fehler machen. Nur so kann man diese Mannschaft aufhalten“, sagte am Schluss der Karlsruher Trainer Edmund Becker. (siehe auch: Akademiker-Fanclub Hoffenheim: „Die Ästhetik des Spiels wird die Banalität des Blöden besiegen“)

TSG 1899 Hoffenheim - Karlsruher SC 4:1 (1:1)
Hoffenheim: Haas - Beck, Compper, Jaissle, Ibertsberger (46. Janker) - Weis (83. Teber), Vorsah (38. Salihovic), Carlos Eduardo - Obasi, Ba, Ibisevic. - Trainer: Rangnick
Karlsruhe: Miller - Görlitz, Sebastian, Stoll, Eichner - Aduobe (71. Porcello), Mutzel - Freis (85. Celozzi), Iaschwili (65. Timm), Carnell - Kennedy. - Trainer: Becker
Schiedsrichter: Felix Brych (München)
Tore: 1:0 Ibisevic (15.), 1:1 Freis (20.), 2:1 Obasi (67.), 3: 1 Ibisevic (75.), 4:1 Obasi (78.)
Zuschauer: 26.300 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Beck (4), Teber (2) - Sebastian, Eichner (3), Mutzel (4)

Quelle: FAZ.NET mit dpa
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