http://www.faz.net/-gtm-76fc7

4:0 gegen Schalke : Die Bayern sorgen für Langeweile

Höher geht es nicht: Die Bayern schauen von oben auf die Bundesliga hinab Bild: dapd

Leverkusen, Dortmund und Frankfurt patzen, die Bayern indes spazieren durch die Liga. Beim 4:0-Sieg sind die Schalker nur ein Spielball für den Tabellenführer, der 15 Punkte Vorsprung hat.

          Anfang November war Schalke 04 noch ein Titelkandidat, ein Team, das den Bayern auf den Fersen schien und den Titelkampf spannend zu machen versprach. Drei Monate später sind aus damals vier Punkten Rückstand auf den Tabellenführer 25 geworden. Und so war Schalke nur noch ein Spielball des Rekordmeisters an jenem Tag, der die Rückrunde der 50. Bundesligasaison wohl endgültig zur voraussichtlich langweiligsten der Geschichte gemacht hat.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Mit dem nie gefährdeten 4:0-Sieg am Samstagabend gegen die auf Rang neun zurückgefallenen Schalker haben die Münchner ihren Vorsprung vor dem Zweiten, Meister Dortmund, auf 15 Punkte ausgebaut. Zwei Treffer erzielte David Alaba, zuerst mit einem Foulelfmeter (12. Minute), dann aus kurzer Entfernung auf Vorlage von Mario Gomez (51.). Dazwischen hatte Bastian Schweinsteiger mit einem Freistoß das 2:0 geschossen (32.). Den letzten Treffer setzte Gomez (63.).

          Ohne den wegen einer Augenverletzung fehlenden Klaas-Jan Huntelaar und den erkrankten Julian Draxler fehlte den Schalkern jede offensive Option, und defensiv standen sie durchweg auf verlorenem Posten. Zwar hatte Bayern-Trainer Jupp Heynckes gewarnt, der Gegner komme „mit einer extremen Motivation nach München, um hier vielleicht für eine Überraschung zu sorgen“.

          Aber er konnte sich den Luxus leisten, zum ersten Mal in der Rückrunde seine dreimal erfolgreiche Startelf zu verändern. Für das zuletzt überragende Sturm-Duo Mario Mandzukic und Thomas Müller durften Mario Gomez und Arjen Robben aufs Feld, und an Stelle von Daniel van Buyten gab Jerome Boateng in der Innenverteidigung sein Jahres-Debüt.

          Das 4:0 gegen Schalke ähnelt eher einem Trainingsspiel
          Das 4:0 gegen Schalke ähnelt eher einem Trainingsspiel : Bild: REUTERS

          Es dauerte ein wenig, bis die Abläufe wieder stimmten, so dass Schalke zum ersten Torschuss der Partie kam - Neuzugang Michel Bastos zog aus 18 Metern ab, traf jedoch nur das Außennetz. Es blieb mit Ausnahme eines weiteren Schusses des Franzosen nach 71 Minuten der einzige Hauch von Gefahr für das Bayern-Tor.

          Die Ballzirkulation der Bayern schnürte die Schalker immer mehr an deren Strafraum fest. Unter dem Dauerdruck griff Marco Höger ans Trikot des vorbeistürmenden Ribéry, der stürzte, und Alaba verwandelte den fälligen Elfmeter in Vertretung des pausierenden Müller sicher.

          Königsblau sieht in München ganz schön blass aus
          Königsblau sieht in München ganz schön blass aus : Bild: dpa

          Nach 27 Minuten führte eine fast zweiminütige Bayern-Ballstafette zu einer Ecke, in deren Folge Schweinsteiger das 2:0 per Kopf nur knapp verpasste. Er holte es per Fuß nach. Nach einem Foul des 19 Jahre alten Sead Kolasinac, Vertreter des gesperrten Linksverteidigers Christian Fuchs, an Robben lief Schweinsteiger zum Freistoß aus 22 Metern an.

          Und während Trainer Jens Keller an der Seitenlinie verzweifelt mit den Armen wedelte, um seine Spieler zum Springen zu bewegen, flog der Ball über das nahezu im Boden verwurzelte Schalker Mäuerchen hinweg zum 2:0 ins Netz.

          Der bemitleidenswerteste Schalker: Torwart Hildebrand
          Der bemitleidenswerteste Schalker: Torwart Hildebrand : Bild: dpa

          Kurz darauf kam Robben nach einer hübsch improvisierten Kleinkombination rund um den Elfmeterpunkt über die Stationen Gomez und Kroos kurz vor dem Abschluss ins Straucheln. Kurz nach der Pause zog Robben links bis zur Grundlinie, sein Zuspiel wurde am Fünfmeterraum nur unzureichend abgewehrt, und Gomez legte den Ball klug zurück auf Alaba, der sich eine leere Torecke zum 3:0 aussuchte.

          Nach 55 Minuten scheiterte Robben, eifrig bemüht, doch im Abschluss durchweg glücklos, bei einem Konter allein vor Torwart Timo Hildebrand mit einem Lupfer, der sich erst hinter der Latte senkte. Doch für Schalke gab es kein Entkommen - Schweinsteiger lupfte auf Robben, von dem der Ball zu Gomez kam, und der fand das leere Netz zum 4:0.

          Ab durch die Mitte: Ribery lässt die Gegenspieler links und rechts liegen
          Ab durch die Mitte: Ribery lässt die Gegenspieler links und rechts liegen : Bild: dapd

          Danach nutzte Heynckes die einseitige Partie zu einem spielerischen Praktikum für drei lange nicht eingesetzte Defensivkräfte, Rafinha, Diego Contento und Luiz Gustavo, die die Stars Schweinsteiger, Lahm und Ribéry ersetzten. So kamen die Schalker ohne weitere Demütigung davon. Doch der Unterschied blieb gewaltig: vor drei Monaten ein Bayern-Jäger, nun nur noch ein Prügelknabe.

          Bayern München - FC Schalke 04 4:0 (2:0)

          Bayern München: Neuer - Lahm (73. Rafinha), Boateng, Dante, Alaba - Javi Martínez, Schweinsteiger (73. Luiz Gustavo) - Robben, Kroos, Ribéry (73. Contento) - Gomez
          FC Schalke 04: Hildebrand - Höwedes, Matip, Metzelder, Kolasinac - Höger (64. Raffael), Neustädter, Jones - Barnetta, Bastos (72. Farfán) - Pukki (78. Edu)
          Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
          Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Alaba (19./Foulelfmeter), 2:0 Schweinsteiger (32.), 3:0 Alaba (51.), 4:0 Gomez (63.)
          Gelbe Karten: - / Höger (2)

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Martin Schulz (rechts) mit dem designierten SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil

          Martin Schulz unter Druck : Vorsitzender auf Abruf

          Die SPD akzeptiert die Personalpolitik ihres Vorsitzenden nur mit Zähneknirschen. Für Martin Schulz wird der Weg bis zum Bundesparteitag im Dezember steinig.

          Bundestagsvizepräsident : Der Problem-Kandidat

          Wenn der Bundestag an diesem Dienstag seine Vizepräsidenten wählt, könnte es zum Eklat kommen. Dass der AfD-Kandidat Albrecht Glaser scheitert, gilt als sicher – aber was geschieht dann?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.