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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

4:0 gegen Hoffenheim Wolfsburgs Dzeko trifft und trifft und trifft

02.05.2009 ·  Weder die Gerüchte um Magath, noch Herbstmeister Hoffenheim halten Wolfsburg auf: Dank eines Hattricks von Dzeko verteidigt der VfL die Tabellenführung. Eine vorzeitige Trennung von Magath ist nun kein Thema mehr.

Von Roland Zorn, Wolfsburg
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Wie immer nach den Heimspielen des VfL Wolfsburg schenkte sich Felix Magath erst einmal ein Glas Tee aus der Thermoskanne ein, schaute verschmitzt in die Runde und bestimmte dann im Nachspiel zu einer bemerkenswerten Bundesliga-Begegnung das Gesetz des Handelns. Der Trainer des Tabellenführers hatte nach Tagen des Lavierens und Reagierens den heiß herbeigesehnten Anlass gefunden, wieder zu agieren und die Wolfsburger Fußball-Agenda selbst zu definieren. Dass er den Verein zum Saisonende voraussichtlich in Richtung Schalke verlassen wird, war für den Moment nicht mehr das einzige Thema des Tages. (siehe: Felix Magath: Wolfsburg in Aufruhr)

Schließlich hatte Magaths Mannschaft am Samstag in Siebenmeilenstiefeln den ins Niemandsland gestürzten Herbstmeister 1899 Hoffenheim überrannt und sich am Ende mit ihrem laufintensiven, an Premier-League-Spitzenfußball erinnernden Spiel von den Badenern abgesetzt. 4:0, ein Fanal auch für die Konkurrenz, das Magath eindeutig bewertete: „Jetzt“, sagte er, „gilt es, die Tabellenführung zu verteidigen und einen weiteren Schritt in Richtung Meisterschaft zu machen.“

Vorfahrt für den VfL Wolfsburg

Nanu: Hatte nicht der Trainer-Manager-Geschäftsführer des VfL seit Wochen die Sprachregelung vorgegeben, immer schön bescheiden von Platz fünf als Saisonziel zu sprechen? Die Zeiten ändern sich, und deshalb bekannte sich Magath nach dem Triumph durch Dzekos ersten Hattrick binnen 14 Minuten (65./74./78. Minute) und Grafites Foulelfmetertor (89.) beiläufig-lässig zum nun auch öffentlich preisgegebenen Gipfelsturm. „Wir sind Spitzenreiter und haben uns vergangene Woche in Cottbus unsere Niederlage abgeholt. Jetzt ist der Weg frei. Die anderen müssen warten, ob wir ausrutschen. Sonst kommen sie an uns nicht vorbei.“

Vorfahrt für den VfL Wolfsburg, das sind neue Töne aus der Autostadt, die Magath speziell in Richtung Stuttgart äußerte. Beim VfB, einem Rivalen im Kampf um die besten Plätze, treten die Meisterkandidaten aus Ostniedersachsen am kommenden Samstag an, aus Stuttgart kam der erste Bericht, der Magaths inzwischen höchstwahrscheinlichen Ortswechsel gen Gelsenkirchen verkündete. Kein Wunder, dass der Trainer an der Stätte alter Erfolge besonders gern gewönne. „Wenn wir dort die Leistung von heute aus der zweiten Halbzeit wiederholen, werden wir auch in Stuttgart siegen“, prophezeite der zur Offensive übergegangene einstige Spielmacher.

Pfeifkonzert für Magath

Wie sich Felix Magath am Samstag gab, hatte auch mit einer professionellen Flucht nach vorn zu tun. Als er nämlich die mit 30.000 Zuschauern ausverkaufte Arena kurz vor 15.30 Uhr betrat, galt ihm ein unüberhörbares Pfeifkonzert aus allen Ecken des Stadions. Darin schwang die demonstrative Enttäuschung der VfL-Anhänger mit, dass der Mann, der drauf und dran ist, ein Wolfsburger Fußballmärchen zu vollenden, danach freundlich, aber auch kühl-professionell adieu sagen dürfte. Jetzt, da dank Magath und der von ihm komponierten Meistermannschaft in spe aus Wolfsburg auch eine Fußballstadt zu werden beginnt.

Seitdem am Samstag undementiert bekannt wurde, dass der Vertrag des früheren Bayern-Meistertrainers zum Saisonende ausläuft und Magath gleich zwei Optionen verstreichen ließ, den Kontrakt um ein Jahr zu verlängern, deuten noch mehr Indizien auf den bevorstehenden Abschied des Fußballlehrers.

Wenn, wenn, wenn

Stephan Grühsem, stellvertretender Aufsichtsratschef beim VfL, kündigte für diese Woche eine Erklärung der Wolfsburger Fußball-GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Autobauers, an. Auch „auf“ Schalke soll es dieser Tage dem Vernehmen nach eine außerplanmäßige Pressekonferenz geben. Dass Magath nicht erst, wie wohl ursprünglich geplant, am 23. Mai, sondern schon viel früher als neuer Schalker Coach bekanntgegeben wird, erscheint unter dem Druck der jetzigen Spekulationswelle ziemlich wahrscheinlich.

Der 55 Jahre alte Unterfranke selbst ging mit dem Thema, das auch ihn kurzzeitig in Erklärungsnot gebracht hatte, am Samstag recht souverän um. Auf die vielen Fragen nach seiner Zukunftsplanung antwortete er so: „Ich kann sicher bestätigen, dass ich in der Öffentlichkeit keine Vertragsgespräche führe und mich nicht zu Vertragsinhalten äußere. Von mir gibt es dazu jetzt keinerlei Kommentare.“ Den vielen Wenns und Abers, die ihm derzeit zu Ohren kommen, begegnete er so: „Wenn das Wörtchen wenn nicht wär', wär' mein Vater Millionär.“ Das dürfte dessen Filius Felix inzwischen längst sein, zumal ihm bei den Schalkern mit großzügiger Unterstützung von deren russischen Gasprom-Geschäftsfreunden ein weiterer Aufschlag zum gewiss jetzt schon üppigen Wolfsburger Gehalt winkt.

Schalke ist für Magath (vermutlich) morgen, hier und heute will der Trainer vorher sein Wolfsburger Werk vollenden. Hätte er sein erstes Endspiel gegen Hoffenheim verloren, wäre sogar, wie zu hören, eine sofortige Trennung zwischen Volkswagen und ihm denkbar gewesen, so aber deutet viel auf eine letzte gemeinsame Etappe hin zu einem Traumziel. Die nächsten Reisen, die Magath dann buchen dürfte, führen nur noch zu nationalen Destinationen. Die Schalker haben sich am Samstag von ihren Europa-League-Ambitionen verabschiedet; die Wolfsburger indes streben ob mit oder ohne Magath zur Champions League. „Im Fußball“, sagte VfL-Spielmacher Zvjezdan Misimovic am Samstag, „kann man nichts planen, da kann alles ganz schnell gehen“ - und deshalb sei das große Wolfsburger Trainertheater auch „keine Belastung für die Mannschaft“. Profis unter sich denken, handeln und bleiben cool - auch im Wandel der Zeiten.

VfL Wolfsburg - 1899 Hoffenheim 4:0 (0:0)
Wolfsburg:
Benaglio (90.+1 Lenz) - Pekarik (34. Dejagah), Simunek, Barzagli, Schäfer - Josue (83. Zaccardo) - Riether, Gentner - Misimovic - Grafite, Dzeko. - Trainer: Magath
Hoffenheim: Hildebrand - Beck, Vorsah, Compper (79. Fabricio), Janker - Weis (73. Wellington), Luiz Gustavo, Salihovic - Obasi (89. Groß), Sanogo, Ba. - Trainer: Rangnick
Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)
Tore: 1:0 Dzeko (65.), 2:0 Dzeko (74.), 3:0 Dzeko (78.), 4:0 Grafite (89., Foulelfmeter)
Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)
Gelb-Rote Karte: Beck wegen wiederholten Foulspiels (88.)
Gelbe Karten: Simunek (3), Barzagli (3), Gentner (3) - Janker (3), Ba (4)

Quelle: F.A.S.
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