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4:0 gegen Bremen Raúl schießt Schalke aus der Krise

 ·  Im Gipfel der Frustrierten macht Werder Bremen den Schalkern das Tore schießen leicht. Mit Unterstützung von Wiese sorgt Metzelder für die Führung, danach nutzt Raúl seine Freiheiten zu einem Dreierpack.

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Nach seinem dritten Tor übte sich Raúl als Pantomime. Der Stürmerstar stellte die Bewegung eines Toreros nach, der mit seinem Tuch einen Stier zum Kampf reizt. Der Kampf zwischen Schalke 04 und Werder Bremen war zu diesem Zeitpunkt, zwanzig Minuten vor Schluss, längst entschieden. Dank der Treffsicherheit von Raúl fügte Schalke den Norddeutschen abermals eine deutliche Niederlage zu. Bevor der Spanier mit seinen Treffern (45./56. und 71. Minute) die Fans verzückte, hatte Christoph Metzelder, ein weiterer früherer Real-Profi aus Madrid, das Feuer eröffnet und mit Hilfe des gegnerischen Torhüters Tim Wiese sein erstes Tor für Schalke erzielt (22.).

Wenn das so weitergeht, werden Raúl und seine Schalker Mitstreiter noch zu Seriendarstellern, die das Publikum begeistern. Beim 4:0 über Werder am dreizehnten Spieltag gelang schon der zweite Bundesliga-Heimsieg nacheinander, und die Fans sangen: „Oh, wie ist das schön.“ Die Bremer, die in der Abwehr desolat wirkten, machten es den Gelsenkirchenern, die sich anfangs noch schwer taten, aber auch äußerst leicht. Bei Werder leuchtete lediglich das Orange der Auswärtstrikots. Und die Gelb-Rote Karte beim Platzverweis gegen den Bremer Philipp Bargfrede (85.). „Wir sind sehr erleichtert“, sagte der Schalker Trainer Felix Magath.

Die alten Rivalen trafen sich zu einem Gipfel der Frustrierten

Schalke gegen Bremen - das war in den vergangenen Jahren oft ein bedeutungsschweres, viel beachtetes Bundesligaspiel, in dem es um viel ging. Im Frühjahr war es für Schalke sogar um die deutsche Meisterschaft gegangen. Doch eine Heimniederlage gegen Werder raubte den Königsblauen die letzten Illusionen, der Titel ging an Bayern München. Dieses Mal fand die Partie unter völlig anderen Vorzeichen statt. Die alten Rivalen trafen sich in der Gelsenkirchener Arena zu einem Gipfel der Frustrierten. Werder reiste als grauer Tabellen-Elfter an, Schalke ging als Sechzehnter mit noch größeren Sorgen in die Partie, aber auch mit der leicht ansteigenden Tendenz, die sich angesichts von vier Punkten aus den beiden Spielen gegen St. Pauli und Wolfsburg angedeutet hatte.

Aber nicht jeder profitierte von dem Trend. So verzichtete Magath in dieser Partie, die er als „Schlüsselspiel“ bezeichnete, freiwillig auf Mittelfeldspieler Jermaine Jones, der nicht einmal auf der Ersatzbank sitzen durfte, offiziell wegen zuletzt „desolater Zweikampfwerte“, zu vieler Fehlpässe und unbefriedigender Trainingsleistungen. Jones hatte sich jüngst allerdings auch öffentlich über seine taktische Rolle beklagt und sich damit sicher keinen Gefallen getan. Für ihn rückte Peer Kluge, ein Günstling Magaths, in die Startelf und verrichtete neben Joel Matip seinen Dienst im defensiven Mittelfeld.

Das erste Gegentor bildete eine Zäsur im Spiel der Bremer

Während Magath seine Elf wieder einmal umbesetzte, forderte er von denen, die spielten, Konstanz ein. „Wir müssen die Leistung, die wir beim 3:0 gegen St. Pauli phasenweise gezeigt haben, mal über 90 Minuten zeigen“, sagte der Trainer. Das gelang zwar nicht, qualitativ ließ das Bemühen der Schalker im ersten Durchgang abermals viele Wünsche offen. Ihre Fähigkeiten reichten über Standardformat nicht hinaus. Doch das genügte schon, um die Bremer auf Distanz zu halten.

Verteidiger Metzelder köpfte einen Eckball von Farfan kraftvoll an die Latte, von dort sprang die Kugel Tim Wiese so gegen den Arm, dass der Torhüter ihn unfreiwillig ins eigene Tor lenkte (22.). Den zweiten Treffer setzte Raúl in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, nachdem Wiese einen wuchtigen Freistoß von Edu nur hatte in den Strafraum abwehren können (45. +2). Die Führung fiel zu diesem Zeitpunkt auch deshalb so klar aus, weil Werderstürmer Hugo Almeida drei gute Chancen ausgelassen hatte. „In den ersten Minuten waren wir nicht Herr der Situation“, sagte Magath.

Nach seinem dritten Treffer machte Raúl vorzeitig Feierabend

Das erste Gegentor bildete eine Zäsur im Spiel der Bremer, die bis dahin ein wenig gefährlicher gewirkt hatten als Schalke, danach aber nicht mehr den Mut aufbrachten, den Gegner unter Druck zu setzen. Spätestens nach dem dritten Tor waren die letzten Zweifel beseitigt. Diesmal half nicht Wiese den Schalkern, sondern Mertesacker, der Farfans Flanke zu Raúl weiterleitete. Der „Señor“, wie die Schalker ihn nennen, nahm auch dieses Geschenk dankbar an und erzielte das 3:0 (56.).

Sollte Werder abermals ein Desaster blühen wie zwei Wochen zuvor beim 0:6 in Stuttgart? Möglich wäre es gewesen. Nach einer Stunde überwand der stark spielende Farfan die brüchige Bremer Verteidigungslinie, zeigte sich als Vollstrecker aber nicht so wirkungsvoll wie als Vorbereiter. Schalke steuerte unbeirrt und unbehelligt einem sicheren Sieg entgegen, der sogar noch deutlicher hätte ausfallen können, doch nach seinem dritten Treffer machte Raúl, auf einen Wink seines Vorgesetzten hin, vorzeitig Feierabend, und seine Kollegen vergaben noch eine Reihe von Chancen. Doch Werder Bremen verlor nicht nur die Partie sondern auch Mittelfeldspieler Bargfrede, der kurz vor Spielende (85.) wegen wiederholten Foulspiels vom Platz gestellt wurde. „Wir haben erneut eine Enttäuschung hinnehmen müssen und haben in keinster Weise das Training umgesetzt“, sagte der Bremer Trainer Thomas Schaaf.

Schalke 04 - Werder Bremen 4:0 (2:0)
Schalke: Neuer - Uchida, Höwedes, Metzelder, Schmitz - Matip (52. Moritz), Kluge (70. Rakitic) - Farfan, Edu - Huntelaar, Raul (79. Jurado). - Trainer: Magath
Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Prödl, Pasanen - Frings - Bargfrede, Wesley (60. Husejinovic) - Hunt (58. Jensen) - Marin (57. Wagner), Almeida. - Trainer: Schaaf
Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)
Tore: 1:0 Metzelder (22.), 2:0 Raul (45.+2), 3:0 Raul (56.), 4:0 Raul (71.)
Zuschauer: 61.673 (ausverkauft)
Gelb-Rote Karte: Bargfrede (Bremen) wegen wiederholten Foulspiels(85.)
Gelbe Karten: Uchida (2) - Frings (2)

Quelle: FAZ.NET
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