Home
http://www.faz.net/-gtn-6z5hb
Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

3:3 in Leverkusen Herthas fulminantes Lebenszeichen

 ·  Nach einer ersten Halbzeit zum Gähnen reiben sich die Zuschauer in Leverkusen in Hälfte zwei die Augen: Beinahe gelingt Hertha zu zehnt ein Fußball-Wunder.

Artikel Bilder (4) Bildergalerie Lesermeinungen (0)
© dpa Lebt denn die alte Dame noch? Ja, dank Torun

Der große Befreiungsschlag war es nicht, aber ein Stück Hoffnung, das Hertha BSC am Samstagabend mit nach Berlin nimmt. In Unterzahl bäumte sich der vom Abstieg bedrohte Aufsteiger beim Europa-League-Kandidaten Bayer Leverkusen auf, drehte einen 0:2-Rückstand in eine 3:2-Führung und musste am Ende mit einem 3:3 vorlieb nehmen, das die Berliner als Lebenszeichen im Kampf um den Klassenverbeib begreifen durften.

Schürrle (44. Minute) und Kießling (51./84.) schossen die Treffer für die Rheinländer, Lasogga (63.) und Torun (71./77.) waren für die Hertha erfolgreich. Dazu scheiterte der Leverkusener Rolfes bei einem Strafstoß an Torhüter Kraft (65.), nachdem Kobiaschwili zuvor des Feldes verwiesen worden war.

Es war reichlich was los in der BayArena nach einer sterbenslangweiligen ersten Hälfte. Fünf erprobte, aber verletzte Innenverteidiger fehlten den Berlinern. Kein Problem für Trainer Otto Rehhagel, den Meister im Bau von Abwehrbeton. Er vertraute Bastians und Niemeyer den Job an. An den beiden Aushilfskräften lag es nicht, dass Bayer zur Pause 1:0 in einem bis dahin schwachen Bundesligaspiel führte.

Vorwürfe musste sich dagegen der geübte Rechtsverteidiger Christian Lell machen, als er Schürrle bei der einzig gelungenen Leverkusener Aktion gewähren ließ. Schön, sagte sich der Nationalspieler, zog wie so oft von links nach innen und zwirbelte den Ball mit einem Rechtsschuss hoch ins linke Eck (44.).

Um etwas zu erreichen in der BayArena musste die Hertha nach dem Wechsel ihre ultradefensive Grundhaltung lockern, da nur so Punkte im Abstiegskampf möglich waren. Mehr Mut war gefordert beim Hauptstadtklub, der zumindest auswärts zuletzt, wie beim 3:1-Erfolg in Mainz und beim 0:0 in Mönchengladbach, Hoffnung schöpfen konnte. Doch die Aussichten der Berliner auf ein rheinisches Mitbringsel verdüsterten sich rapide, weil nun Rehhagels Beton bröckelte. So sehenswert Kießlings Solo zum 2:0 (51.) vorbei an Ottls, Lell und Niemeyer war, so dilettantisch stellten sich die Herthaner in diesem Moment an.

An eine Wende zugunsten des Tabellenvorletzten im Abstiegskampf wollte bei diesem ernüchternden Spielstand niemand mehr so recht glauben. Auch Rehhagels Zeichensetzung in Richtung Attacke durch die Einwechslung der stürmischen Lasogga und Torun (54.) mutete nur wie eine überfällige Geste ohne Substanz an.

Dann aber rafften sich die Berliner noch einmal auf, besaßen durch Ramos (56.), der an Torwart Leno scheiterte, und Bastians (57.), dessen Kopfball kurz vor der Torlinie von Castro in seinem 200. Bundesligaspiel abgewehrt wurde, sogar sehenswert herbeigeführte Chancen - und fassten dadurch frischen Mut in dieser nun publikumsfreundlichen Partie. Lasogga belohnt die Neu-Berliner Angriffslust mit seinem Kopfballtor zum 1:2 (63.), ehe der nächste Tiefschlag für die Hertha folgte.

Kießling verhindert das Hertha-Wunder

Kobiaschwili brachte Derdiyok im Strafraum als letzter Mann zu Fall, verhinderte damit eine Torchance, sah dafür von Schiedsrichter Weiner die Rote Karte (65.) und war froh, dass anschließend Torhüter Kraft Rolfes’ Strafstoß gegen die Latte lenkte und Derdiyok den Nachschuss neben das Tor setzte.

Noch war die Hertha in diesem turbulenten Duell nicht verloren. Und tatsächlich: Torun (71.) glich für die Berliner trotz Unterzahl aus, als er einen schwungvollen Angriff kühl abschloss. Der Mut der Verzweiflung hatte sich bezahlt gemacht - erst recht, als Torun die Hertha auch noch nach einem Konter in Führung schoss (77.).

Doch ein Wunder geschah dann doch nicht. Kießling erzielte per Kopf sein zwölftes Saisontor, und es hieß 3:3 (84. So viele Treffer, solche Turbulenzen, so gute Unterhaltung waren nach der öden ersten Hälfte wohl von niemand mehr erwartet worden.

Bayer Leverkusen - Hertha BSC 3:3 (1:0)

Bayer Leverkusen: Leno - Castro, Friedrich, Toprak, Kadlec - Reinartz, Rolfes - Ortega (86. Bellarabi), Barnetta (81. Yesil), Schürrle (61. Derdiyok) - Kießling
Hertha BSC: Kraft - Lell, Niemeyer, Bastians, Kobiaschwili - Perdedaj (54. Lasogga), Ottl - Rukavytsya, Raffael, Ben-Hatira (54. Torun) - Ramos (81. Burchert)
Schiedsrichter: Weiner (Giesen) 
Zuschauer: 29.704
Tore: 1:0 Schürrle (44.), 2:0 Kießling (51.), 2:1 Lasogga (63.), 2:2 Torun (71.), 2:3 Torun (77.), 3:3 Kießling (84.)
Besonderes Vorkommnis: Rolfes (Bayer Leverkusen) scheitert mit Foulelfmeter an Kraft (66.)
Gelbe Karten: Reinartz (5) / Perdedaj (1)
Rote Karten: - / Kobiaschwili (65./Notbremse)

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1945

Jüngste Beiträge

Umfrage

Wie halten Sie es mit dem Confed-Cup?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Umfrage

Wer war der beste Torwart der Rückrunde?

2338 Stimmen wurden abgegeben.

26%
Manuel Neuer (München)
12%
René Adler (Hamburg)
49%
Roman Weidenfeller (Dortmund)
10%
Kevin Trapp (Frankfurt)
3%
Marc-André ter Stegen (M’gladbach)
Die Umfrage ist geschlossen. Alle Umfragen
Umfrage

Wer war Ihr Spieler der Rückrunde?

3171 Stimmen wurden abgegeben.

45%
Franck Ribéry
25%
Robert Lewandowski
25%
Bastian Schweinsteiger
5%
Mario Götze
Die Umfrage ist geschlossen. Alle Umfragen