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3:3 in Frankfurt Mit offenen Visieren

 ·  0:2, 2:2, 2:3, 3:3 – Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund bieten ein Fußball-Spektakel. Der Aufsteiger bleibt unbesiegt, der Meister sucht nach Stabilität.

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© REUTERS Schlusspunkt einer intensiven Partie: Bamba Anderson köpft zum 3:3 ein

Eintracht Frankfurt bleibt die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga. Auch am fünften Spieltag riss die Erfolgsserie des weiterhin ungeschlagenen Aufsteigers nicht: Die Frankfurter gaben sich auch Meister Dortmund nicht geschlagen, sondern trotzten dem Titelverteidiger in einem packenden Schlagabtausch am Dienstagabend ein 3:3 ab – wobei sich aus Sicht der bis dahin stets siegreichen Hessen das Unentschieden, nach zwischenzeitlichem Zwei-Tore-Rückstand, wie ein weiterer Triumph anfühlte.

Partie unter Flutlicht, ausverkauftes Haus – es herrschte von Anfang vor 51.500 Zuschauern eine stimmungsvolle Festspielatmosphäre, wie es sie aus Eintracht-Perspektive schon lange nicht mehr gegeben hatte. Und daran änderte sich nach mitreißenden neunzig Minuten bis zum Abpfiff nichts.

Trainer Armin Veh hatte sein Frankfurter Team nur auf einer Position umstellen müssen: Für den verletzten Olivier Occean mühte sich Erwin Hoffer im Sturm. Im defensiven Mittelfeld war dagegen Pirmin Schwegler trotz geschwollenem Auge von Beginn an mit von der Partie; und der Kapitän bekam auf Anhieb viel zu tun.

Denn die Borussia war es, die nach kurzem Sondieren der Lage die Initiative ergriff, nachdem sie Takashi Inui zwei Einschussmöglichkeiten gestattet hatte, die ungenutzt blieben (2. und 9. Minute). Es war immer wieder Jakub Blaszczykowski, der von BVB-Trainer Jürgen Klopp den Vorzug vor Mario Götze erhalten hatte, der über die rechte Seite vorstieß und die Frankfurter vor Probleme stellte.

Bastian Oczipka und Inui kamen dem Polen zunächst kaum hinterher. Wann immer es im ersten Abschnitt gefährlich wurde im Eintracht-Strafraum, waren zuvor Abstimmungsfehler auf ihrem linken Flügel vorausgegangen. Zunächst konnte Torhüter Kevin Trapp die Unaufmerksamkeiten seiner Kollegen noch gut machen, als er einen Schuss aus spitzem Winkel von Moritz Leitner zur Ecke klärte (8.).

Glück hatten die Frankfurter, als BVB-Kapitän Sebastian Kehl den Ball nach einem Eckstoß aus kurzer Distanz neben den Pfosten setzte (14.). Die Machtverhältnisse auf dem Platz verschoben sich vorübergehend Mitte der ersten Halbzeit. Die Eintracht-Elf ging zwar mit jeder Menge Leidenschaft in die Zweikämpfe, aber immer, wenn es schnell zu gehen hatte, agierte sie einen Tick zu langsam – was dem individuell überlegenen Gegner in die Karten spielte.

Das 1:0, erzielt von Lukas Piszczek (24.), resultierte aus einer unglücklichen Rettungsaktion, bei der Bamba Anderson seinem Nebenmann Oczipka zur Hilfe eilen wollte. Doch statt zu klären, verpasste er dem Ball mit dem Oberkörper soviel Effet, dass er am heraus geeilten Trap vorbei über die Linie rollte.

Der Treffer zeigte Wirkung: Für die Dortmunder schien er einen Hallo-Wach-Effekt zu haben, während er die Eintracht nicht erschütterte, aber doch verunsicherte. Keine vier Minuten später nutzte Piszczek abermals ein Missverständnis zwischen Oczipka und Inui treffend aus: Seine Hereingabe landete an der Strafraumgrenze auf dem Fuß von Marco Reus, der aus vollem Lauf zum 2:0 traf (28.).

Nach dem Seitenwechsel bekam das verdutzte Publikum eine komplett andere Eintracht zu sehen, die vor allem von einem wie verwandelten Inui profitierte: Der 1,69 Meter kleine Shootingstar der Hessen drehte binnen 120 Sekunden – und auch danach – groß auf: Sein gefühlvoll getimtes Zuspiel auf Stefan Aigner, vollendete der wuchtige Bayer nicht weniger ansehnlich: Er drosch die Kugel unhaltbar zum Anschlusstreffer zwischen die Pfosten (49.) – und revanchierte sich sogleich auf seine Art.

Schon beim nächsten Angriff bediente er Inui, der sich in den Rücken der langen BVB-Aufpasser geschlichen hatte und zum 2:2 einnickte (51.). An einem Mangel an aufregenden und ansprechenden Szenen hatte die abwechslungsreiche Begegnung zwischen Aufsteiger und Liga-Rückkehrer auch danach nicht zu leiden.

Die Borussia schlug prompt zurück. Der für den angeschlagenen Reus eingewechselte Götze narrte Anderson mit einer feinen Finte und brachte die Westfalen mit seinem zweiten Saisontor zum 2:3 wieder r nach vorne (53.). Inui dagegen musste zweimal hintereinander die Klasse von Keeper Romand Weidenfeller anerkennen, der sich ihm im letzten Moment in den Weg stellte (65., 66.).

5. Bundesliga-Spieltag: Schwäbische Tristesse, Frankfurter Freude

Offen blieb der Wettstreit bis zum Schluss – auch weil die Eintracht nie aufsteckte. Und für ihren Mut aufs Neue belohnt wurde. Nach einer Ecke waren es Anderson und Oczipka, die das Frankfurter Happy End besorgten: Der Neuzugang flankte, der Brasilianer wuchtete den Ball mit der Stirn zum 3:3 ins Netz (73.). Der Rest war Applaus von allen Seiten für zwei Teams, die dem Publikum einen außergewöhnlich intensiven Fußball-Abend geboten hatten.

Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 3:3 (0:2)

Eintracht Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Anderson, Oczipka - Schwegler, Rode - Aigner (85. Kittel), Meier (90. Lanig), Inui - Hoffer (59. Matmour)
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Leitner, Kehl - Blaszczykowski (85. Gündogan), Reus (46. Götze), Perisic (68. Großkreutz) - Lewandowski
Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)
Zuschauer: 51 500 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Piszczek (24.), 0:2 Reus (28.), 1:2 Aigner (49.), 2:2 Inui (51.), 2:3 Götze (54.), 3:3 Anderson (73.)
Gelbe Karten: Schwegler (1), Zambrano (2) / Lewandowski (1)

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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