Es ist der Herbst der Fußball-Comebacks. Am Sonntag wandelte in der Bundesliga Borussia Mönchengladbach auf den Pfaden der schwedischen Nationalmannschaft. Innerhalb von zehn Minuten verwandelte die Mannschaft von Trainer Lucien Favre gegen Hannover 96 einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg. Nach einer eher langweiligen ersten Halbzeit überschlugen sich vor 49.000 Zuschauern in der AWD-Arena in der zweiten Spielhälfte die Ereignisse. Jan Schlaudraff brachte die Niedersachsen in der 48. Minute 1:0 in Führung, es war erst der zweite Schuss auf das Tor von ter Stegen gewesen. Der Junioren-Nationaltorwart brachte beim Distanzschuss noch eine Hand an den Ball, konnte ihn aber nicht mehr ablenken. Als Diouf vier Minuten später das 2:0 für die Sechsundneunziger erzielte, schien die Partie entschieden. Nach einer Freistoßvariante hatte Schlaudraff die Vorlage gegeben.
Nichts deutete auf eine Wende hin, bis Favre seine frischen Stürmer Hanke und Mlapa in der 69. Minute ins Spiel brachte. Zwar hatte Hannover seinen Vorsprung nur noch verwaltet, doch die Gladbacher vermochten bis dahin nur wenig mit dem Spielraum anzufangen. Ihnen merkte man die psychologischen Nachwirkungen des holprigen Bundesligastarts noch an. Doch Favre hatte mit den Neuen das Glück eingewechselt. Der Hannoveraner Verteidiger Sakai wehrte unglücklich den Ball ab, genau vor die Füße von Arango. Dessen Schuss lenkte Hannovers Torwart Zieler genau vor die Füße von Dominguez, und der Borussen-Verteidiger hatte in der 70. Minute keine Mühe, den Abpraller zum 1:2 zu verwandeln.
Wie die deutschen Nationalspieler gegen Schweden brachen die Hannoveraner Profis nach dem Gegentreffer quasi in sich zusammen. Kaum noch zur Gegenwehr fähig, mussten sie mitansehen, wie sich die Borussen gegen die Niederlage stemmten. Erfolgreich.
In der 77. Minute begünstigte ein Stellungsfehler des Hannoveraner Verteidigers Eggimann den Ausgleich durch Brouwers. Zwei Minuten später schoss Arango einen Freistoß direkt zum 3:2 ins Tor. Die Profis und Favre trafen sich auf dem Spielfeld zum Torjubel. Hanke hätte in den letzten Minuten mehrmals noch auf 4:2 erhöhen können, doch das wäre wohl des Guten für die Gladbacher zu viel gewesen.
Borussen-Trainer Favre lobte nach dem Schlusspfiff den Widerstandswillen seiner Mannschaft. Erklären konnte er den Sieg nicht. „Kompliment an meine Spieler, doch sie haben es sich unnötig schwer gemacht. Das Mittelfeld hat die Abwehr nicht unterstützt, das dürfen wir uns nicht wieder erlauben.“ Nach dem zweiten wichtigen Erfolgserlebnis innerhalb weniger Tage, in der Europa League siegten die Gladbacher gegen Marseille 2:0, spricht viel dafür, dass die Borussen nun die nötige Sicherheit und das Selbstvertrauen haben, um an die Leistungen der Vorsaison anknüpfen zu können.
Hannover 96: Zieler - Sakai (84. Pander), Eggimann, Haggui, Rausch - Stindl, da Silva Pinto (82. Abdellaoue) - Ya Konan, Huszti - Diouf (65. Sobiech), Schlaudraff
Bor. Mönchengladbach: ter Stegen - Stranzl, Brouwers, Dominguez, Daems - Nordtveit (75. Xhaka), Marx - Rupp, Arango - Herrmann (69. Mlapa), de Camargo (69. Hanke)
Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)
Zuschauer: 49 000 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Schlaudraff (48.), 2:0 Diouf (53.), 2:1 Dominguez (70.), 2:2 Brouwers (77.), 2:3 Arango (79.)
Gelbe Karten: Haggui (4), Sakai (1) / Stranzl (2)
Siege beschleunigen Entwicklung
Christoph Rohde (prediger1)
- 28.10.2012, 22:53 Uhr
Mit Gladbach ist wieder zu rechnen
Torsten Praß (ibra1)
- 28.10.2012, 21:45 Uhr