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3:2 in Braunschweig : Schalke hat das letzte Wort

  • -Aktualisiert am

Auf Biegen und Brrechen: Braunschweig stemmt sich gegen Schalke Bild: dpa

Der Aufsteiger aus Braunschweig kann nach dem Coup von Wolfsburg lange auf den ersten Heimsieg hoffen. Doch Schalke macht zweimal einen Rückstand wett - und kommt in letzter Minute sogar noch zum Sieg.

          Sein später Lauf in Richtung Schalker Fankurve war schön anzusehen. Roman Neustädter war außer sich vor Glück, weil er mit einem nicht mehr für möglich geglaubten Tor einen 3:2- Erfolg für Schalke 04 herausgeschossen hatte. Der Treffer des Mittelfeldspielers Sekunden vor dem Abpfiff übertünchte allerdings, dass der hohe Favorit bei Eintracht Braunschweig zu einem schmeichelhaften Auswärtssieg gekommen war.

          Orhan Ademi (20. Minute) und Karim Bellarabi (59.) hatten Aufsteiger Braunschweig zweimal verdient in Führung gebracht. Aber der Eintracht schwanden nach einem couragierten Auftritt nach und nach die Kräfte. Schalke war nicht nur jeweils durch Max Meyer (29.) und den eingewechselten Leon Geroetzka (65.) zum Ausgleich gekommen. Neustädter traf vor 23.000 Zuschauern auch noch zum 3:2, was wohl kaum jemand im Stadion auf der Rechnung hatte.

          In der ersten Halbzeit, die von leidenschaftlichen Zweikämpfen und vielen beinharten Duellen im Mittelfeld geprägt gewesen war, hatte es für Schalke noch ganz furchtbar ausgesehen. Cheftrainer Jens Keller nahm entsetzt beide Hände vor sein Gesicht. Er hatte in der 35. Minute aus nächster Nähe miterleben müssen, wie sich mit Marco Häger sein nächster Stammspieler verletzte. Der Mittelfeldakteur hatte sich eine schmerzhafte Knieverletzung zugezogen und war, von Betreuern gestützt, vom Feld geführt worden.

          Der dicke Eisbeutel an seinem linken Knie war wie ein Symbol für das derzeitige Befinden der Schalker Mannschaft. Keller hatte in seiner Startformation auch schon auf Torhüter Timo Hildebrand (Hexenschuss), Jermaine Jones, Kevin-Prince Boateng (beide Knieprobleme) und Klaas-Jan Huntelaar (Knieoperation) verzichten müssen. Und Ersatztorhüter Ralf Fährmann, nach zwei Jahren ohne Bundesligaspiel mal wieder von Beginn an aufgeboten, konnte seinem Team zunächst auch nicht den nötigen Rückhalt geben.

          Draxler enttäuscht auf der ganzen Linie

          Vielleicht lag es an den vielen Umstellungen im Team von Schalke 04. Vielleicht lag es aber auch an den vielfältigen Aufgaben des Spitzenteams in den verschiedenen Wettbewerben, dass der hohe Favorit kaum zum Zuge kam. Zwischen der Länderspielpause der Fußball-Bundesliga und dem bevorstehenden Champions-League-Duell mit dem ruhmreichen FC Chelsea gelang den Schalkern in Braunschweig in der Summe nur ein sehr mäßiger Auftritt.

          Vor allem Nationalspieler Julian Draxler trat so gut wie gar nicht in Erscheinung und enttäuschte auf der ganzen Linie. Weil seine Geistesblitze und präzisen Vorlagen fehlten, kam Stürmer Adam Szalai, der letzte verbleibende Angreifer im Kader, im Grunde überhaupt nicht ins Spiel. Ein einziger Kopfball vom ihm, den Christian Clemens mit einer Flanke von rechts vorbereitet hatte, führte trotzdem zu einem Treffer.

          Schalke drängt auf den Siegtreffer - und trifft

          Der Braunschweiger Torhüter Daniel Davari hatte den Ball vor dem 1:1 nicht festhalten können und dem sehr einsatzfreudigen Meyer kurz vor der Halbzeit den Ausgleich ermöglicht. Meyer war wieder einmal ein Lichtblick im über weite Strecken herbstlich tristen Schalker Spiel.

          Gegen Ende drängten die Schalker dann doch noch einmal auf den Siegtreffer. Die Schlussphase war von verzweifelten Braunschweiger Abwehrbemühungen und vielen wuseligen Aktionen im Strafraum der Eintracht geprägt. Dass Neustädter den Ball noch klug an Davari vorbei ins Netz schlenzen konnte, stellte den Spielverlauf aber völlig auf den Kopf. Aber der Treffer belegte auch den Unterschied zwischen Schalker Routine im Angriff und Braunschweiger Naivität in der Abwehr.

          Eintracht Braunschweig - FC Schalke 04 2:3 (1:1)

          Eintracht Braunschweig: Davari - Elabdellaoui, Henn, Dogan, Reichel - Washausen (80. Kratz), Caligiuri, Perthel - Bellarabi (76. Kruppke), Boland - Ademi (89. Kumbela)
          FC Schalke 04: Fährmann - Uchida, Höwedes, Felipe Santana, Aogo - Höger (36. Goretzka), Neustädter - Clemens (88. Kolasinac), Meyer (83. Fuchs), Draxler - Szalai
          Schiedsrichter: Hartmann (Wangen)
          Zuschauer: 23.251 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Ademi (20.), 1:1 Meyer (29.), 2:1 Bellarabi (59.), 2:2 Goretzka (65.), 2:3 Neustädter (90.+1)
          Gelbe Karten: - / Uchida (3)

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