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3:2 gegen Bayern : Mainz eröffnet die Meisterschaft neu

Es läuft nicht mehr: Neuer, Alaba und der FC Bayern verlieren das zweite Spiel in Serie Bild: REUTERS

Ideenlos und zeitweise pomadig verspielen die Münchner die Tabellenführung. Mainz glänzt wie in der Vorsaison - und lässt den FC Bayern wie eine sehr gewöhnliche Mannschaft wirken.

          Nach einem der aufregendsten Fußballspiele dieser Bundesliga-Saison ist der FC Bayern München am Sonntagabend die Tabellenführung losgeworden. 2:3 verlor der Rekordmeister beim 1. FSV Mainz 05, der so gut wie nie in dieser Spielzeit auftrat.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Dagegen war vom ersten Titelkandidaten über weite Strecken der Partie wenig bis nichts Konstruktives zu sehen. Einzig der Wille, sich gegen die Niederlage zu stemmen, überzeugte bei der Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes, die fürs erste auf Rang drei hinter die beiden Borussen-Teams aus Dortmund und Mönchengladbach zurückfiel.

          Tuchels Plan geht auf

          Andreas Ivanschitz (11. Minute), Caligiuri (65.) und Bungert (74.) erzielten die Treffer für den verdienten Sieger. Bei Bayern war van Buyten zweimal erfolgreich (56./79.). Während sich die Mainzer auf Rang 13 verbesserten und ihren Sieg wie eine vorgezogene Weihnachtsfeier bejubelten, schlichen die Bayern bedröppelt und schwer geschlagen vom Rasen der mit 34.000 Zuschauern natürlich ausverkauften Mainzer Arena.

          Bei Halbzeit 1:0 für Mainz, das sah auf den ersten Blick hervorragend aus Sicht der Rheinhessen aus - war aber viel zu wenig angesichts eines Spielverlaufs, der die Bayern immer wieder vor Rätsel stellte. Die Stars aus München kamen 45 Minuten lang nicht zurecht mit dem Spiel, das Trainer Thomas Tuchel seinem Team mit auf den Weg gegeben hatte.

          Attackieren an der Mittellinie, die Gegenspieler „doppeln“, zügiges Umschalten und den Ball nie planlos hergeben: Mit diesem mutigen Rezept setzten sich die Mainzer Aktivisten vor der Pause auf atemraubend sehenswerte Weise durch. Der Treffer durch Ivanschitz beispielsweise war das Produkt einer exzellenten Vorarbeit von Nicolai Müller, der Ribéry den Ball durch die Beine gespitzelt hatte und dann Ivanschitz freispielte. Der Österreicher umkurvte anschließend Torwart Neuer und besaß den Nerv, aus spitzem Winkel kühl zu vollenden (11.).

          Klarer Fall: Müller und München sind an diesem Spieltag sitzen geblieben
          Klarer Fall: Müller und München sind an diesem Spieltag sitzen geblieben : Bild: dpa

          Es war das Signal zur bisher besten ersten Hälfte der 05er in dieser Saison. Ivanschitz, Spielmacher und Vollstrecker, hätte wenig später schon auf 2:0 erhöhen können, doch sein Volleyschuss nach traumhaftem Pass Sotos rauschte über das Tor. Soto, der in der Mainzer Raute das Spiel von hinten und Ivanschitz, der aus der Rautenspitze heraus seine Kreise zog, waren am Sonntag die Chefankurbler ihrer von Trainer Tuchel bestens auf den Ligagiganten eingestellten Mannschaft. Dazu nervte der quirlige Mainzer Müller die Münchner Abwehr, vor allem den fahrigen van Buyten.

          Robben auf der Bank

          Da Mainz auch in der Defensive aufmerksam blieb, boten sich den Bayern vor dem Wechsel nur wenige Gelegenheiten. Am nächsten kam Badstuber dem Ausgleich (37.) bei einem Freistoß, den Torwart Wetklo gegen die Latte lenkte. Insgesamt aber wirkte die Mannschaft, in der der Holländer Robben auf die Bank versetzt worden war, ideenarm und pomadig.

          Was fehlte, war mehr Tempo in den Spielzügen, mehr Esprit bei den eigenen Attacken und eine konkrete Vorstellung, wie diesen Mainzern beizukommen sei. Tuchels Münchner Kollege Jupp Heynckes reagierte, nachdem Caligiuri mit einem unplazierten Schuss die große Gelegenheit zum 2:0 vergeben hatte (52.).

          Er schickte in Olic einen zweiten Angreifer aufs Feld, nahm mit Luiz Gustavo einen defensiven Mittelfeldspieler vom Platz und stellte von einem 4-2-3-1- auf ein 4-4-2-System um. Das 1:1 der Bayern aber hatte damit nichts zu tun. Es fiel schmucklos nach einem Freistoß von Kroos, den der bis dahin so unglückliche van Buyten mit dem Kopf zum Ausgleich verlängerte (56.).

          Zwischenzeitlich droht ein Debakel

          Danach verloren die Mainzer den roten Faden, der sich bis dahin durch ihr Spiel gezogen hatte, für ein paar Minuten - bis Caligiuri es besser als zuvor machte. Der Mittelfeldspieler hielt in der 65. Minute einfach mal drauf und überraschte damit Manuel Neuer, denn der halbhohe Schuss mutete haltbar an. Wie würde der FC Bayern reagieren?

          Erschrocken, denn nach 74 Minuten hieß es nicht 2:2 sondern 3:1 für die an diesem Sonntag unerschütterlich von sich und ihrem Fußball übezeugten FSV Mainz 05. Die Rheinhessen überwanden ihre kleine Schwächephase und fanden zurück zu ihrem laufintensiven Konterfußball. Das Tor aber entstand aus einer Standardsituation, als Innenverteidiger Bungert nach einem Eckball Ivanschitz’ völlig frei zum Kopfball kam und Neuer keine Chance ließ (74.). Danach drohte kurz ein Debakel, als Allagui das 4:1 (77.) nur knapp verfehlte.

          Doch noch einmal rafften sich die Münchner auf, und noch einmal war van Buyten nach einem Freistoß von Kroos zur Stelle. Diesmal traf er mit dem rechten Fuß zum 2:3 (79.). Zu wenig, um dem Spiel noch eine Wende zu geben, zumal er selbst in der Nachspielzeit die letzte und beste Chance der Bayern vergab.

          FSV Mainz 05 - Bayern München 3:2 (1:0)

          FSV Mainz 05: Wetklo - Pospech, Bungert, Svensson, Fathi - Caligiuri, Baumgartlinger, Soto - Ivanschitz (85. Schönheim) - Nicolai Müller (74. Choupo-Moting), Allagui (90. Ujah)
          Bayern München: Neuer - Boateng (68. Rafinha), van Buyten, Badstuber, Lahm - Luiz Gustavo (52. Olic), Alaba - Müller, Kroos, Ribéry - Gomez
          Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
          Zuschauer: 34.000 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Ivanschitz (10.), 1:1 van Buyten (56.), 2:1 Caligiuri (65.), 3:1 Bungert (74.), 3:2 van Buyten (79.)
          Gelbe Karten: Baumgartlinger (1), Bungert (2), Wetklo (1) / Gomez (1), Luiz Gustavo (3)

          Quelle: FAZ.NET

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