Was lange leicht aussah, wurde schließlich zu einem Stück Schwerarbeit - mit glücklichem Ausgang für Borussia Dortmund. Der Meister und Tabellenführer der Fußball-Bundesliga gewann am Samstag die erste von vier schweren Bergetappen dank eines 3:1-Sieges beim VfL Wolfsburg durch die Treffer von Lewandowski (22./90. Minute) und Gündogan (49.) bei einem Gegentor durch Manzukic (61.).
Dass der BVB vier Tage vor dem Gipfeltreffen mit Rekordmeister Bayern München lange zittern musste, hatte mit einer trotz des Erfolges wieder einmal schlechten Chancenverwertung zu tun. Wäre Dortmund konsequenter gewesen, der Erfolg wäre der Borussia leichter gefallen. Am Samstag das Gastspiel in Wolfsburg, am Mittwoch der Gipfel gegen die Bayern, am Samstag das Derby „auf“ Schalke und eine Woche später der Hit gegen Mönchengladbach: Für Borussia Dortmund kommt es dicke in diesen entscheidenden Wochen der Saison. Der Meister aber geht gut gerüstet in den Kampf um die Titelverteidigung. Das jedenfalls sahen die 30.000 Zuschauer in der Volkswagen-Arena über weite Strecken einer starken Bundesliga-Begegnung.
„Einen raushauen“
Als wollten sie Jürgen Klopp bestätigen, legten die Borussen voller Energie und Wilenskraft los. Der BVB-Cheftrainer hatte versprochen, dass seine Spieler „einen raushauen wollen, der sich gewaschen hat“. Ganz so happig kam es für die Mannschaft seines Kollegen Felix Magath zwar nicht, doch die 1:0-Führung des Tabellenführers nach 45 Minuten war vollkommen verdient. Wäre Lewandowski, der nach feiner Vorarbeit des wieder einmal starken Kagawa und des Kroaten Perisic aus kurzer Torentfernung den Treffer erzielte (22.), in einer anderen Szene ähnlich kaltblütig geblieben, der Pole hätte sein Team schon nach neun Minuten nach vorn gebracht. So aber dauerte es noch etwas, ehe der Mittelstürmer sein 18. Saisontor geschossen hatte.
Dortmund bestimmte fast durchgehend die erste Hälfte, setzte seinen Gegner mit Tempofußball, guten Pässen und individueller Qualität laufend unter Druck und machte so schnell deutlich, dass hier die Nummer eins der Bundesliga antrat. Gleichwohl konnten sich die Westfalen auch bei ihrem einmal hart geprüften Torhüter Weidenfeller bedanken, dass die Wolfsburger nicht doch zum Ausgleich kamen. Der Schlussmann reagierte gedankenschnell bei einem Flachschuss von Mandzukic, den er mit dem Fuß abwehrte (26.), und hatte danach auch Glück, dass Helmes’ Nachschuss sein Ziel knapp verfehlte.
VfL-Profis zu passiv
Insgesamt aber waren die zuletzt viermal nacheinander siegreichen VfL-Profis eine Spur zu passiv, um für die BVB-Abwehr bedrohlich zu sein. Dass der von Magath monatelang übersehene Helmes zur Halbzeit in der Kabine blieb, hatte weniger mit der Launenhaftigkeit seines Trainers als vielmehr mit einer noch nicht ausgeheilten muskulären Oberschenkelblessur zu tun. Für ihn kam Vieirinha. Der war wie seine Abwehrkollegen auch wenig später interessierter Zuschauer beim 2:0 für den Meister.
Blaszczykowski hatte im Liegen den schon verloren geglaubten Ball zurückerobert und zu Gündogan gespielt. Der ließ sich von drei Wolfsburgern in seinem Drang zum Tor nicht aufhalten und baute mit einem raffinierten Drehschuss ins rechte Eck die Dortmunder Führung aus (49.) - ein weiterer eindrucksvoller Beleg dafür, dass der aus Nürnberg gekommene Nationalspieler inzwischen beim BVB heimisch geworden ist. Er gehörte am Samstag neben Kagawa zu den Borussen, die ihre durchweg solide Arbeit mit glänzenden Aktionen verzierten.
Platzverweis nach Ellbogenschlag
5000 mitgereiste Fans feierten ihre Mannschaft so früh wie am Freitag der vergangenen Woche, als Dortmund bei einem 2:0-Vorsprung gegen den VfB Stuttgart auf dem Weg zum ungefährdeten Erfolg war und am Ende mit einem spektakulären 4:4 zufrieden sein musste. Sollte sich dieses Szenario wiederholen? Der VfL jedenfalls gab in diesem guten Bundesligaduell nie auf und verkürzte, nachdem zuvor Blaszczykowskis Schuss (59.) von der Latte abgeklatscht war, auf 1:2 durch Mandzukics Kopfball nach Dejagahs Flanke und Subotics Unachtsamkeit (61.).
Dejagah mit seiner Balltechnik und Mandzukic mit seiner Wucht stellten den BVB nicht nur in dieser Szene vor Probleme. Und so mussten die lange kaum gefährdet anmutenden Borussen doch noch einmal zittern, ehe der verdiente Sieg über die Runden gerettet war. Dabei kam dem BVB noch entgegen, dass Madlung nach einem Ellbogenschlag (84.) vom guten Schiedsrichter Dingert des Feldes verwiesen wurde. So fand Leewandowski bei einem letzten Konter der Schwarz-Gelben doch noch den Raum, cool auf 3:1 zu erhöhen (90.) und die Partie für die bessere Mannschaft zu entscheiden.
VfL Wolfsburg: Benaglio - Träsch (80. Sio), Madlung, Felipe Lopes, Rodriguez - Dejagah, Josué (54. Jiracek), Polak, Schäfer - Helmes (46. Vieirinha), Mandzukic
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl - Blaszczykowski (87. Owomoyela), Kagawa (81. Leitner), Perisic (69. Großkreutz) - Lewandowski
Schiedsrichter: Dingert (Lebecksmühle)
Zuschauer: 30 000 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Lewandowski (22.), 0:2 Gündogan (49.), 1:2 Mandzukic (62.), 1:3 Lewandowski (90.)
Gelbe Karten: Dejagah (6) / Kehl (7), Subotic (4)
Gelb-Rote Karten: Madlung (84./wiederholtes Foulspiel) / -