Der FC Schalke 04, eben erst für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert, muss allmählich darum bangen, auch im kommenden Jahr die europäische Königsklasse bereichern zu dürfen. Nach zuletzt drei Bundesliga-Auswärtsniederlagen in Serie verloren die viertplazierten Westfalen am Samstagnachmittag auch beim nun punktgleichen VfB Stuttgart. Beim 3:1-Erfolg der noch am Donnerstag in der Europa League geforderten Schwaben erzielte Vedad Ibisevic alle drei Treffer (2. Minute/38. per Foulelfmeter/61.).
Die Schalker konnten zwischenzeitlich durch Marica (12.) ausgleichen, wurden aber von den konterstarken Stuttgartern immer wieder übertölpelt. Zu dieser farbigen Partie leistete auch der Berliner Schiedsrichter Felix Zwayer seinen Beitrag, der zuerst dem Stuttgarter Sakai (67.) und danach dem Schalker Jones (73.) die Rote Karte vor Augen hielt. Die unerwünschten Schalker Nehmerqualitäten wurden in Stuttgart auf Anhieb sichtbar. Weniger, weil sich Trainer Huub Stevens kurz vor dem Anpfiff eine Risswunde an der Stirn nähen ließ, eher, weil der VfB schon nach zwei Minuten 1:0 in Führung lag.
Der Bosnier Vedad Ibisevic, bei dem mit dem glücklichen Weiterkommen belohnten peinlichen 0:1 gegen Molde FK in der Europa League der Pechvogel vom Dienst, war wieder in das Torjägertrikot geschlüpft. Mit grimmiger Entschlossenheit knallte er Traorés punktgenaue Vorlage unter die Latte. Da war nichts zu machen für Timo Hildebrand, den Stuttgarter Meistertorwart von 2007. Der erstmals gegen seinen ehemaligen Klub antretende Keeper tat danach alles, um nicht ein zweites Mal kalt erwischt zu werden. So bremste er im Herauslaufen Harniks Solo im letztmöglichen Augenblick (34.), nachdem ein anderer früherer VfB-Profi, Ciprian Marica (12.) seinen ersten Bundesligatreffer für die Schalker erzielt hatte.
Die beiden frühen Tore trugen entschieden dazu bei, dass sich ein gutes Bundesligaduell entspann, in dem der VfB auf blitzartige Konter und die Königsblauen auf ein flottes Kombinationsspiel setzten, um die Stuttgarter damit zu ermüden. Die aber blieben hellwach und bekamen ihre Gelegenheit zum 2:1, die sich Ibisevic (38.) bei einem Strafstoß nach Fuchs’ Rempler gegen Gentner nicht nehmen ließ. Es war sein neuntes Saisontor und sein 17.Treffer im 29. Bundesligaeinsatz für den VfB.
Damit nicht genug, schwang sich der 28 Jahre alte Mittelstürmer in der 61. Minute endgültig zum Spieler des Tages auf. Er vollendete einen weiteren der extrem geradlinigen Stuttgarter Konter gegen die immer schwächer werdenden Schalker zum 3:1. War das die Entscheidung? Restzweifel wurden genährt, als der Japaner Sakai nach einem Tritt in Holtbys Achillessehne von Schiedsrichter Zwayer mit der Roten Karte (67.) hart bestraft wurde. Dann aber leistete sich der Schalker Jones ein ähnliches Foul an Traoré (73.) und musste danach ebenfalls gegen. Dem VfB war’s recht, denn nun war an seinem groß gefeierten Sieg zwei Tage nach einer von Pfiffen begleiteten Niederlage nicht mehr zu rütteln.
VfB Stuttgart: Ulreich - Sakai, Maza, Niedermeier, Boka - Kuzmanovic - Gentner, Holzhauser (71. Rüdiger) - Harnik (90.+1 Benyamina), Traoré (86. Molinaro) - Ibisevic
FC Schalke 04: Hildebrand - Uchida (71. Barnetta), Höwedes, Matip, Fuchs - Neustädter - Jones, Draxler - Holtby (82. Pukki) - Marica, Huntelaar
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 55.880
Tore: 1:0 Ibisevic (2.), 1:1 Marica (12.), 2:1 Ibisevic (38./Foulelfmeter), 3:1 Ibisevic (61.)
Gelbe Karten: Boka (2), Harnik (1), Ibisevic (4), Traoré (2) / Matip (2)
Rote Karten: Sakai (67./grobes Foulspiel) / Jones (73./grobes Foulspiel)
Kompetenz vorne und hinten...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 08.12.2012, 22:03 Uhr