http://www.faz.net/-gtm-74afy
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 11.11.2012, 17:28 Uhr

3:1 gegen Leverkusen Diego lässt Wolfsburg jubeln

Zwei frühe Treffer des Brasilianers nehmen den Gästen aus Leverkusen jede Lust am Spiel. Weil auch Dost nach einer halben Stunde trifft, ist zur Pause schon alles entschieden. Und die VfL-Fans singen „Oh wie ist das schön“.

von , Wolfsburg
© dpa Packt die alte Genialität wieder aus: Doppeltorschütze Diego

Mehr als Tore sagt ein Jubellauf? Wenn das für Diego gelten sollte, dann ist nicht nur der vor allem in seiner Deutlichkeit überraschende 3:1-Sieg des VfL Wolfsburg gegen Bayer Leverkusen als ein starkes Argument für einen längerfristigen Verbleib von Lorenz-Günther Köstner auf dem Trainerstuhl des  Werksklubs zu werten. Denn der Brasilianer, mit zwei Toren (4./16. Minute) und dem wegweisenden Pass zum 3:0 der spielentscheidende Mann beim dritten Sieg im  vierten Spiel nach der Trennung von Felix Magath, rannte gleich zweimal nach Treffern seines Teams demonstrativ zu Köstner.

Exzellente Schusstechnik

Daniel Meuren Folgen:

Beide Male verbat Diego seinen Mitspielern explizit, vor dem Körperkontakt mit Köstner in den Jubel einzustimmen. Deutlicher kann der 27 Jahre alte brasilianische Spielmacher wohl nicht zum Ausdruck bringen, wie sehr er die neuen Freiheiten unter dem Interimstrainer genießt. Er zahlte das Vertrauen Köstners gegen Leverkusen abermals mit einer bemerkenswert engagierten Leistungen zurück. Offenkundig will Diego all die Meter an Laufarbeit, die er sich aus stillem oder zumindest stehendem Protest gegen Vorgänger Magath aufgespart haben mag, nun für die Saison-Gesamtstatistik wieder aufholen.

VfL Wolfsburg - Bayer Leverkusen © dpa Vergrößern Schmerzhafte Niederlage: Kießling (r.) zieht gegen Naldo den Kürzeren

Trotz des hohen läuferischen Engagements auch im Dienste der Defensive bleiben die wahren Stärken Diegos aber der Umgang mit dem Ball und die exzellente Schusstechnik. In der vierten Minute bewies er das bei seinem Freistoßtor. Aus 20 Metern zentraler Position schlenzte er den Ball in den linken Winkel. Der Schuss war unhaltbar für den abermals als Leno-Vertreter im  Leverkusener Tor stehenden Michael Rensing. Der Schlussmann war auch zwölf Minuten später machtlos, als Diego nach einem  Zweikampf zwischen seinem stürmenden Kameraden Bas Dost und  Bayer-Innenverteidiger Wollscheid elf Meter vor dem Tor zum Schuss kam und zum 2:0 vollendete.

Grün ist der Sonntag © dapd Bilderstrecke 

In der 33. Minute glänzte der 27 Jahre alte Brasilianer schließlich als Passgeber. Er bediente Marcel Schäfer so exakt, dass dieser den einschussbereiten Dost mustergültig bedienen konnte. Der Niederländer vollstreckte mit seinem vierten Saisontreffer. Damit war die Begegnung für Bayer Leverkusen, das sich am Donnerstag noch frühzeitig die Qualifikation für  die K.o.-Phase der Europa League gesichert hatte, bereits verloren.

VfL Wolfsburg - Bayer Leverkusen © dapd Vergrößern Dost bejubelt das 3:0, Wollscheid und Hosogai ärgern sich

Die Leverkusener, für die Stefan Kießling in der Nachspielzeit den Ehrentreffer erzielte, sind nach der Niederlage im Werkself-Duell nun nur noch Tabellenfünfter. Mit dem begeisternden Sturmlauf und einer auch defensivtaktisch sehr geschlossenenen Mannschaftsleistung vor 25.000 Zuschauern stellten die Wölfe zumindest den Anschluss ans untere Tabellen-Mittelfeld wieder her. Zumindest  für 90 Minuten verdrängte der exakt mit der gleichen Elf wie in der Vorwoche angetretene VfL zudem die Diskussionen um den möglichen neuen Sportdirektor Klaus Allofs als Hauptgesprächsthema in der Volkswagenstadt. Am Sonntagabend  gab es keine neuen Aussagen zur Intensität des Kontaktes zwischen dem derzeit  bei Werder Bremen angestellten Allofs und der Spitze des Volkswagenkonzerns, der auch die Geschicke des Klubs bestimmt. Immerhin schufen die Geschäftsführer Wolfgang Hotze und Thomas Röttgermann in ihrem gemeinsamen Vorwort im  Stadionheft bezüglich der Trainerfrage vermeintliche Klarheit. Zwar lobten sie  Köstners Arbeit als Interimstrainer. Parallel dazu trieben aber „Aufsichtsrat  und Geschäftsführung gemeinsam die Suche nach einem neuen Cheftrainer“ voran. Ob das für die Spiellaune des Köstner-Günstlings Diego so günstig ist?

Mehr zum Thema

VfL Wolfsburg - Bayer Leverkusen 3:1 (3:0)

VfL Wolfsburg: Benaglio - Fagner, Naldo, Kjaer, Schäfer - Polak, Josué - Hasebe (88. Kahlenberg), Diego (90. Madlung), Olic - Dost (86. Jönsson)
Bayer Leverkusen: Rensing - Carvajal, Wollscheid, Friedrich, Hosogai (46. Boenisch) - Bender, Reinartz, Castro (75. Junior Fernandes) - Hegeler (46. Renato Augusto), Schürrle - Kießling
Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
Zuschauer: 24.825
Tore: 1:0 Diego (4.), 2:0 Diego (16.), 3:0 Dost (33.), 3:1 Kießling (90.+1)
Gelbe Karten: Naldo (3) - Boenisch (1), Wollscheid (3), Reinartz (2)

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Silber für Deutschland Neymar verhindert den dritten deutschen Triumph im Maracanã

Am Ende eines dramatischen Olympia-Finals kann das deutsche Fußballteam den brasilianischen Befreiungsschrei nicht mehr verhindern: Zwei Jahre nach dem 1:7 revanchiert Superstar Neymar mit einem verwandelten Elfmeter seine gebeutelte Nation. Mehr Von Christian Eichler, Rio de Janeiro

21.08.2016, 01:49 Uhr | Sport
Vor dem Olympischen Finale Die Brasilianer spielen ihren eigenen Strandfußball

"Altinho" heißt eine Strandfußball-Variante, die sich besonders in Rio großer Beliebtheit erfreut. Übersetzt heißt das ein bisschen hoch - und so sieht es auch aus. Mehr

21.08.2016, 17:34 Uhr | Sport
Brasilien siegt im Volleyball Das letzte Gold des Gastgebers

Auf Brasiliens Volleyballer ist Verlass: Im Finale gegen Italien gewinnen sie zum dritten Mal Olympia-Gold. Damit baut das Team seinen eigenen Rekord sogar noch aus. Mehr

21.08.2016, 20:27 Uhr | Sport
Wolfsburg Fast 30.000 VW-Beschäftigte von Kurzarbeit bedroht

Die beiden Zulieferer Car Trim und ES Automobilguss hatten die Lieferung von Bauteilen eingestellt an Volkswagen. Hintergrund ist ein Streit wegen eines von VW gekündigten Auftrags. Nun müssen fast 30.000 Beschäftigte des Konzerns in den kommenden Tagen zu Hause bleiben, weil ihnen wegen fehlender Bauteile die Arbeit ausgeht Mehr

22.08.2016, 18:59 Uhr | Wirtschaft
Volkswagens Lieferstreit Betriebsratschef Osterloh sieht Schuld eindeutig bei Zulieferer

Der Zuliefererstreit schlägt seit Montag auf die Produktion bei VW. Schuld ist für VW-Betriebsratschef Osterloh eindeutig die Zulieferer-Gruppe. Mit der hat auch ein anderer Autobauer Ärger. Mehr

22.08.2016, 07:41 Uhr | Wirtschaft