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3:1 bei Hertha BSC Souveräne Münchner Meisterfeier

08.05.2010 ·  Am Ende ist es wie ein Trainingsspiel: Bayern München beherrscht das Geschehen in Berlin nach Belieben und stimmt sich mit der Meisterfeier auf das Pokalfinale in einer Woche ein. Hertha beendet die deprimierende Saison kraft- und mutlos.

Von Michael Horeni, Berlin
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Der erste Teil der bayerischen Krönungszeremonie mit Konfettiregen und Meisterschale haben die Münchner angemessen freudig, aber auch mit erkennbar gebremster Leidenschaft hinter sich gebracht. Als Mark van Bommel, der Kapitän des deutschen Meister, um 17.31 Uhr die Schale von Liga-Präsident Rauball überreicht bekam, tanzten und herzten sich die Münchner Profis auf dem Podium, wie es sich gehört - auch die Bierdusche für Trainer Louis van Gaal gehörte dazu. „Wir haben ihn eingekreist, er hatte keine Chance“, sagte Bastian Schweinsteiger.

Doch der 22. Titelgewinn der Vereinsgeschichte ist eben auch ein Stück Routine im Vergleich zu dem, was die Bayern an den kommenden zwei Samstagen noch alles gewinnen können. Doch bevor in einer Woche wiederum im Olympiastadion das Pokalfinale ansteht und danach das Endspiel um die Champions League brachten die Münchner auch ihren letzten sportlichen Pflichttermin in Berlin souverän und gebremst über die große Bühne. „Wir haben die beste Abwehr, den besten Angriff und sind hochverdient Meister geworden. Es ist gut, dass wir hier siegreich waren und im Rhythmus geblieben sind. Heute Abend wird ausgiebig gefeiert“, sagte van Gaal und fügte an: „Der Verein und die Fans werden sich bestimmt immer an das Jahr 2010 erinnern.“

Vor der Rekordkulisse von 75.420 Zuschauern im Olympiastadion, ermöglicht durch eine Zusatztribüne, gewannen die Bayern ganz schonend 3:1 gegen den Tabellenletzten Hertha BSC durch Tore von Olic (20.) und Robben (74. und 88. Minute) bei einem Gegentreffer von Ramos (60.). Obwohl beim Spielchen zwischen Meister und Absteiger schon alles entschieden war, wurde die Begegnung in 197 Ländern übertragen, was auch einen neuen Fernsehrekord bedeutete. Aber das riesige Interesse am Schaulaufen des Meisters lag nicht zuletzt an den Münchner Aussichten auf das sogenannte Triple, ein im deutschen Fußball bisher unerreichtes Ziel.

Auch Jose Mourinho, der Trainer von Finalgegner Inter Mailand, hatte sich die Partie in Berlin nicht entgehen lassen wollen. Bei dem auf unabsehbare letzten Bundesligaabstecher in die Hauptstadt zeigte das Team von Trainer Louis van Gaal von der ersten Minute an, weshalb die Münchner sich in dieser Saison sportlich unangreifbar gemacht haben. Sie dominierten gegen den Tabellenletzten wie in einem Trainingsspielchen gegen die eigene Jugendauswahl, und sie kamen zu Chancen, wenn ihnen danach war, auch mit halber Kraft.

Hertha kraft- und mutlos am Ende der deprimierenden Saison

Die Bayern hatten sich als letzten Anreiz in Berlin den inoffiziellen Wettbewerb als torgefährlichste Mannschaft der Liga vorgenommen, worin ihnen Pokalfinalgegner Werder vor dem letzten Spieltag noch um einen Treffer voraus war. Die beste Abwehr hatten die Bayern ja schon. Als Olic nach schöner Vorarbeit von Robben die 1:0-Führung erzielte war, auch das letzte kleine Ziel erreicht.

Aber es hätte offensichtlich einer weit größeren Motivationshilfe bedurft, um beim Meister den ganz großen Ernst zu wecken. Die Bayern schluderten danach immer wieder bei ihren Angriffen und auch in der Abwehr. So konnte sich wenigstens Torwart Butt, in dieser Woche mindestens zur Nummer drei mit Blick auf die Weltmeisterschaft aufgestiegen, bei drei Gelegenheiten weiter bei Bundestrainer Löw empfehlen. Beim Ausgleichstreffer von Ramos war er ohne Chance. Die Hertha wirkte bei ihrer Abschiedsvorstellung ziemlich kraft- und mutlos nach einer deprimierenden Saison. Erst nach dem Ausgleich kehrte kurzfristig etwas Leben in das auseinanderfallende Team zurück.

Wer außer Robben hätte den Schlusspunkt setzen sollen?

Der Absteiger wird nach dem 1:3 gegen den Meister zudem mit einem neuen, traurigen Rekord in die Bundesliga eingehen - 16 Heimspiele ohne Sieg, das hatte nicht einmal Tasmania Berlin hinbekommen, das Bundesliga-Sinnbild für sportlichen Misserfolg. Die Berliner Fans in der Kurve hatten daraus schon vor der Partie die Konsequenzen gezogen, sie forderten den Rauswurf von Trainer Funkel. Ein Neuanfang in der zweiten Liga mit dem gescheiterten Retter gilt als wenig wahrscheinlich.

Für solche Sorgen hatten die Fans des FC Bayern natürlich keinen Sinn, schon gar nicht als Robben - wer sonst hätte den Schlusspunkt in dieser Saison setzen sollen? - auch den letzten Bayern-Sieg mit seinen beiden Treffern perfekt machte. Die Anhänger besangen ihren Meister nach Kräften - und freuten sich, ganz im Gegensatz zu den Berliner Fans schon auf das nächste Spiel ihres Teams im Olympiastadion. Auf sie wartet das Pokalfest am Samstag gegen Werder, auf die Hertha die Zweitliga-Tristesse. Hertha_Trainer Funkel sagte am Ende: „Es ist schade, wir hätten die Bayern heute gern ein wenig geärgert. Zu meiner eigenen Zukunft habe ich immer gesagt, dass wir uns nach dem letzten Spieltag zusammensetzen werden und dann besprechen, wie es weitergeht. Dabei bleibt es.“

Hertha BSC Berlin - Bayern München 1:3 (0:1)
Berlin:
Drobny - Stein, Friedrich, Janker, Kobiaschwili - Kacar, Lustenberger (86. Gekas) - Piszczek (66. Ebert), Raffael, Cicero - Ramos. - Trainer: Funkel
München: Butt - Lahm, van Buyten, Badstuber, Contento - Schweinsteiger, van Bommel (46. Pranjic) - Robben, Müller, Ribery (60. Altintop) - Olic (78. Klose). - Trainer: van Gaal
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Tore: 0:1 Olic (20.), 1:1 Ramos (59.), 1:2 Robben (74.), 1:3 Robben (87.)
Zuschauer: 75.420 (ausverkauft)
Gelbe Karten: keine

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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