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3:0 in Köln Luca Toni bringt den Meister auf Kurs

13.09.2008 ·  Eine Halbzeit lang hielt das Abwehrbollwerk des 1. FC Köln, doch in der zweiten Hälfte waren die Bayern endgültig in allen Belangen überlegen. Luca Toni traf doppelt und auch der eingewechselte Lukas Podolski tat etwas gegen den Frust.

Von Roland Zorn, Köln
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Für die Kölner Zuschauer war das Beiprogramm am Samstag prickelnder als die Hauptsache Fußball. Der FC Bayern München aber erledigte seine zentrale Aufgabe beim Aufsteiger dank zweier Treffer von Luca Toni (53. und 60. Minute) und eines Tores von Lukas Podolski (90.), dem vom Publikum gefeierten „Heimkehrer“, unspektakulär, aber abgeklärt.

Mit dem 3:0-Sieg beim 1. FC Köln verschaffte sich der deutsche Meister eine gute Basis für den bevorstehenden Angriff auf die Tabellenspitze und für den Start in die Champions-League am kommenden Mittwoch bei Steaua Bukarest. Christoph Daum, der Kölner Trainer, lobte seine Mannschaft „für die ersten 60 Minuten“, danach, sagte er, hätten ihr Ruhe und Disziplin gefehlt. „Daran müssen wir arbeiten.“

Kölner Ovationen für Özat und Podolski

Fußball in Köln, das ist so sehr Gefühlssache, dass das zielstrebige Spiel oft genug darunter leidet. Am Samstag feierten die Fans im mit 50.000 Zuschauern ausverkauften Rhein Energie Stadion zuerst und vor allem einen der Ihren: Ümit Özat, den Kapitän des FC. Vor vierzehn Tagen in Karlsruhe auf dem Platz zusammengebrochen, bedankte sich der an einer Herzmuskelentzündung leidende Türke im dunklen Anzug per Mikrofon bei den Fans, die ihm Tausende Genesungswünsche übermittelt hatten.

Und dann war da noch der lautstark gefeierte verlorene Sohn: Lukas Podolski, der ganz am Ende mit seinem Treffer für die letzte Pointe sorgte. Ihn wollen sie am Rhein wieder im Kölner Trikot sehen und nicht wie am Samstag zunächst auf der Ersatzbank der Münchner. Vielleicht wird aus dieser Sehnsucht im Winter ja doch noch Wirklichkeit, wenn wieder gewechselt werden darf.

„Klinsmann raus“ schallte es aus dem Kölner Fanblock

Fürs Erste aber hat Jürgen Klinsmann, der Trainer der Bayern, das letzte Wort über Podolskis sportliche Vereinsperspektive. Der Schwabe hatte unter der Woche Formulierungen gefunden, die den Angreifer nach erfolgreicher Länderspielreise geradezu deprimieren mussten: „Er ist nach wie vor der Herausforderer der beiden Platzhirsche Klose und Toni. Das kann ein langfristiger Prozess sein - über Monate oder Jahre.“ Trübe Aussichten für „Poldi“, den bekennenden Kölner.

Was Wunder, dass ein Kölner Fanblock lautstark „Klinsmann raus“ rief, als sich der neue Bayern-Chefcoach einmal an der Seitenlinie blicken ließ. Für Stimmung war sowieso gesorgt, da sich der kämpferisch beseelte Aufsteiger im Duell mit dem Meister vor der Pause nicht nur geschickt verteidigte, sondern bei Gelegenheit forsch die Offensive suchte. Lang geschlagene Bälle des exzellenten Portugiesen Petit, kurze Pässe von Antar, der zweiten Relaisstation im Mittelfeld, und dann ein Antritt des Übergangskapitäns Novakovic - so sorgten die Kölner ab und zu für Unruhe in der Münchner Dreierkette. Eine große Chance hatte der FC aber nur in der 36. Minute, als Demichelis mit der Fußspitze vor Novakovic klärte.

Podolski spielt sich mit den Kölner Ersatzleuten warm

Auch die Münchner besaßen in den ersten 45 Minuten nur eine große Chance, als nach einem Freistoß des umsichtigen Schweinsteiger der Kölner Antar noch soeben vor van Buyten zur Stelle war (14.). Die Bayern dominierten zwar, fanden aber gegen die massierte Kölner Abwehr zu selten den direkten Weg zum Tor. Und so feierten die Kölner Fans zur Pause aufs Neue Podolski, der sich warm spielte für den Fall des Falles - mit den Freunden von der Bank des FC. Auch so kann man Verbundenheit demonstrieren.

Die Südtribüne mit der beinharten FC-Gefolgschaft war vollends begeistert, als sich der kölsche Jong gleich nach der Pause für seinen Einsatz warm zu laufen begann. So viel Vorfreude auf einen (Noch-)Münchner war in diesem Stadion nie. Der Jubel auf Vorschuss war indes nach 53 Minuten erst einmal verebbt, denn da war ja noch Luca Toni, der Bundesliga-Schützenkönig der vergangenen Spielzeit. Der Italiener bewies nach Schweinsteigers Freistoß kühle Präzision, als er die Vorlage per Kopf zur 1:0-Führung des Meisters vollendete (53.).

Nach dem 2:0 schonten sich die Münchner für Bukarest

Vier Minuten später war der Enthusiasmus hüben wie drüben gleich hoch, als Klinsmann endlich Podolski anstelle des diesmal nur bemühten Klose mitspielen ließ: Willkommen daheim! Doch fürs Toreschießen bei der nach dem Wechsel deutlich besseren Mannschaft war zunächst noch einmal Toni zuständig. Zé Robertos Pass schob der freigespielte Stürmerstar cool zum 2:0 ins Tor der nach sechzig Minuten geschlagenen Kölner - und hätte nach Podolskis Vorlage ebenso noch das 3:0 machen müssen (84.) wie Zé Roberto zwei Minuten später.

Doch zu jenem Zeitpunkt schonten sich die Bayern schon zu offensichtlich für Bukarest, während die Kölner zum Trost noch einmal einen Münchner mit großem Kölner Herz hochleben ließen: Lukas Podolski, den Torschützen zum 3:0. Der jubelte nach seinem Treffer nur ganz verhalten. „Aus Respekt vor dem Gegner“, wie er sagte. Große Hoffnung, demnächst wieder für den FC spielen zu können, machte ihm Klinsmann auch nach der Partie nicht: „Lukas ist auf einem guten Weg“, sagte der Münchner Trainer. „Und diesen Weg muss er bei uns gehen, das ist jetzt noch klarer als zuvor.“

1. FC Köln - Bayern München 0:3 (0:0)
Köln: Mondragon - McKenna, Geromel, Mohamad, Brecko - Petit, Matip (65. Broich) - Radu (77. Vucicevic), Antar, Chihi (65. Sanou) - Novakovic. - Trainer: Daum
München: Rensing - Lucio, Demichelis, van Buyten - Lell (67. Oddo), Ottl, Lahm - Schweinsteiger (70. Borowski), Ze Roberto - Toni, Klose (57. Podolski). - Trainer: Klinsmann
Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)
Tore: 0:1 Toni (53.), 0:2 Toni (60.), 0:3 Podolski (90.+1)
Zuschauer: 50.000 (ausverkauft) Beste Spieler: Geromel, Petit - Demichelis, Toni Rote Karten: keine Gelb-Rote Karten: keine
Gelbe Karte: Brecko

Quelle: FAZ.NET
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