Hauptsache gewonnen! Die Bayern haben beim ersten Schritt auf dem Weg zurück zum Bundesliga-Thron die erforderlichen drei Punkte geholt. Doch eine deutliche Steigerung zur vergangenen Saison war nur in einer Hinsicht zu erkennen - in der Effektivität. Vier klare Torchancen, drei Treffer, viel besser geht es nicht.
Der Aufsteiger Greuther Fürth hatte in seinem ersten Bundesligaspiel der Vereinsgeschichte dem Rekordmeister lange Zeit das Leben sehr schwer gemacht. Doch blieben alle Anstrengungen am Ende unbelohnt. Müller (43. Minute), Mandzukic (59.) und Robben (79.) erzielten die Treffer zum Münchner 3:0, das so einige Schwächen überdeckte. Dennoch hätte das Team am Ende noch das eine oder andere Tor mehr erzielen können.
Der Hauch des Provinziellen
Falls es ein Besucher des Stadions nicht bemerkt hatte, dass er einem historischen Ereignis beiwohnte, so wurde er von einem tribünengroßen Transparent daran erinnert. „Die Spielvereinigung Fürth öffnet ein neues Kapitel ihrer Geschichte“, stand da anlässlich des ersten Bundesligaspiels des Vereins geschrieben. Die Vorfreude des 52. Bundesligaklubs war so groß, dass schon die Helfer, die eine dreiviertel Stunde vor dem Anpfiff den großen Werbeteppich vom Anstoßkreis aufhoben, mit Applaus begrüßt wurden - nur weil sie einheitlich grüne T-Shirts anhatten.
Bevor es losging, wurden noch über Lautsprecher den Bauarbeitern gedankt, welche die Fürther Arena von 15.200 auf 18.000 Rängen in der Sommerpause erweitert hatten und punktgenau fertig geworden waren. Ja, wenn die Bundesliga den Hauch des Provinziellen atmet, dann ist man in Fürth.
Was die Mannschaft von Trainer Mike Büskens in der ersten Halbzeit so bot, das war allerdings völlig ausreichend, um den Millionenkickern aus der Millionenstadt den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Nicht nur wegen der körperlichen Anstrengung, auch wegen der psychischen Belastung des drohenden Fehlstarts. Bis zur 43. Minute vermochten sich die Bayern keine einzige große Torchance herauszuarbeiten.
Dabei hatte Trainer Heynckes mit einer mutigen Startformation überrascht. Shaqiri, beim 4:0-Pokalsieg gegen Zweitliga-Aufsteiger Regensburg der beste Mann, erhielt den Auftrag, im zentralen offensiven Mittelfeld die Fäden zu ziehen. Robben begann für den verletzten Ribéry als Linksaußen, wechselte dann aber mit Müller wieder die Seite, nachdem sich beide immer wieder festgelaufen hatten. Festgelaufen - das war das Schicksal, das fast jeden Bayern-Angriff in der ersten Halbzeit ereilte.
Müller wie Müller
Büskens eingespielter Zweitliga-Meister, von den Neuzugängen ließ der Trainer nur Mittelstürmer Fall ran, bildete ein unüberwindliches Hindernis für den deutschen Rekordmeister. Mit einer Laufbereitschaft, die an Selbstaufopferung grenzte und einem Zweikampfgeschick, das die Cleverness der Champions-League-Profis übertraf, erreichten sie es, dass ihr Torwart Grün beinahe beschäftigungslos blieb.
Doch dann halfen ein Standard und ein Abpraller dem Meisterschaftskandidaten auf die Sprünge. Nach einer Ecke köpfte Dante den Ball Richtung Fürther Tor, doch Schmidtgal wehrte auf der Torlinie stehend ab. Die Situation schien bereinigt, doch sein Befreiungsschlag landete am Rücken eines Spielers und der Ball prallte zurück Richtung Fürther Tor - genau Müller vor die Füße. Der Nationalspieler verwertete das Geschenk ganz in der Manier seines Namensvetters Gerd Müller - Abstaubertor nannte man so einen Treffer in den siebziger Jahren.
Begrenzte Möglichkeiten
Wer nun gedacht hatte, der Widerstand der Fürther wäre gebrochen, die Klasse der Bayern würde sich Bahn brechen, der sah sich erst mal getäuscht. Die von Präsident Uli Hoeneß in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ geforderte Aggressivität und Leidenschaft, um die Vorherrschaft in der Bundesliga wiederzugewinnen, war kaum in Ansätzen zu entdecken. Den Aktionen der Münchner fehlten das Tempo und ein Überraschungsmoment.
Immer stärker zeigt sich, dass Luiz Gustavo seine Rolle nur als Zerstörer und Absicherer sieht. Und weil Badstuber seine neue Rolle als Linksverteidiger ebenfalls fast ausschließlich defensiv interpretierte, waren die Kombinationsmöglichkeiten begrenzt, so begrenzt, dass die Fürther immer wieder dazwischen gehen konnten. Sie jagten vor allem Shaqiri, Robben und Mandzukic immer wieder den Ball ab.
Was Mut für die Zukunft der Bayern macht, ist die Effektivität. Auch die zweite große Torchance endete mit einem Treffer. Shaqiri hatte Robben in Schussposition gebracht, der wiederum den Fürther Torwart Grün vor ein Problem stellte. Grün konnte den Schuss nur unkontrolliert abwehren - genau auf den Kopf von Mandzukic, wieder ein Abstaubertor.
Mit dem Treffer änderte sich nichts. Die Franken ließen sich den Spaß an ihrer Bundesligapremiere nicht nehmen und kämpften munter weiter. Die Bayern verwalteten den Vorsprung mit Dreiviertelgas. Das reichte, um in der 79. Minute durch Robben noch auf 3:0 zu erhöhen. Ein ernüchterndes Ergebnis für den tapferen Aufsteiger, das er nicht verdient hatte.
SpVgg Greuther Fürth: Grün - Nehrig, Kleine, Mavraj, Schmidtgal - Fürstner, Prib - Klaus, Tyrala (69. Stieber), Sararer - Fall (62. Azemi)
Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber - Luiz Gustavo, Kroos (88. Timoschtschuk) - Müller, Shaqiri (72. Schweinsteiger), Robben - Mandzukic (81. Pizarro)
Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
Zuschauer: 18.000 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Müller (43.), 0:2 Mandzukic (59.), 0:3 Robben (79.)
Gelbe Karten: Fall (1), Kleine (1) / Boateng (1), Luiz Gustavo (1)