Die Frankfurter Eintracht hat ihr Alleinstellungsmerkmal eingebüßt. Bis zum Samstag waren die Hessen die einzige Mannschaft der 18 Bundesliga-Teams, die in dieser Saison alle sechs Prüfungen in der Liga und die zwei Zusatzschichten im Pokal ohne Niederlage absolviert hatte. Am siebten Bundesligaspieltag riss die stolze Serie: Die Hessen unterlagen dem VfB Stuttgart 0:3 und verloren dadurch zugleich den unmittelbaren Kontakt zur Spitzengruppe.
Die Schwaben blieben sich mit dem Auswärtserfolg treu. Kein Team, das sich selbst zu den Besten der Branche zählt, kommt seit 2005 so schwer in Gang wie der Meister von 2007. In den vergangenen vier Jahren machten sich die Stuttgarter das Leben durch ihre regelmäßigen Fehlstarts immer selbst schwer - und stets leiteten sie mit einem Erfolg am siebten Spieltag die Wende ein. Diese Möglichkeit bietet sich ihnen auch in diesem Herbst. Der durch zwei Treffer von Julian Schieber (17. und 31.) und einen Sonntagsschuss von Thomas Hitzlsperger (54.) verdiente Sieg lindert jedenfalls fürs Erste die schlimmsten Krisensymptome und dürfte vor der Champions-League-Partie am Dienstag gegen das rumänische Team Unirea Urziceni für die erwünschte Ruhe sorgen.
Für den Stuttgarter Trainer Markus Babbel, der durch die zurückliegenden Misserfolge die erste Krise seiner noch jungen Karriere als Trainer erlebte, ging es beim Auftritt in Hessen zunächst um Schadensbegrenzung. Diese Devise konnte er - aus für ihn erfreulichen Gründen - schon nach wenigen Minuten relativieren. Er hatte eine defensivorientierte Mannschaft im 4-4-2-System aufs Feld geschickt, die gegenüber der 0:2-Heimblamage in der Vorwoche gegen Köln auf fünf Positionen verändert worden war und nur noch wenig gemein hatte mit jener Formation, mit der sich der VfB eigentlich noch vor knapp zwei Monaten bestens gerüstet sah für dieses Sportjahr. Die beiden Millionen-Einkäufe Pawel Pogrebniak und Zdravko Kusmanovic saßen zu Beginn einträchtig neben dem Nationalspieler Cacau auf der Bank, der seiner Bestform seit geraumer Zeit genauso vergeblich hinterherläuft wie der Verteidiger Khalid Boulahrouz.
Lehmann rehabilitiert sich
An Stelle der schwächelnden Stars durften sich unter anderen die beiden zwanzig Jahre alten Sternchen Stefano Celozzi und Julian Schieber versuchen, die ihre Sache mit Courage und Dynamik prächtig absolvierten. Außerdem führte der zuletzt unbeständige Hitzlsperger diesmal als Kapitän umsichtig Regie. Ins Tor kehrte Jens Lehmann zurück, nachdem seine vereinsinterne Suspendierung für einen nicht abgesprochenen Ausflug zum Oktoberfest nach dem Pokalsieg in Lübeck (3:1) aufgehoben wurde.
Gerade der Keeper erlebte in Frankfurt, vermutlich ganz anders als erwartet, in der ersten Halbzeit einen entspannten und fast beschäftigungslosen Spätsommernachmittag. Die jüngst so schwungvollen Frankfurter, die auf ihre verletzten Stammkräfte Ioannis Amanatidis und Aleksandar Vasoski verzichten mussten, ließen alles vermissen, dessen es bedarf, um nicht als Verlierer vom Platz zu gehen: Ihre Zweikampfbilanz war erschreckend, die Offensivleistung beklagenswert, und in der Abwehr kamen haarsträubende Fehler hinzu.
Schieber als Nutznießer
Ausgerechnet Torhüter Oka Nikolov, der zuvor zweimal gegen Timo Gebhardt (3. und 16.) glänzend geklärt hatte, leitete die Blamage ein; er verschätzte sich bei einer Flanke von Roberto Hilbert, irrte durch den Strafraum und machte beim ersten Gegentor von Schieber eine schlechte Figur. Nicht viel besser stellten sich seine Vorderleute beim 0:2 an, als sie den Ball nicht aus der Gefahrenzone bekamen und sich abermals Schieber als Nutznießer des kollektiven Missgeschicks freute.
Als auch noch Marco Russ nach einer „Notbremse“ an Sami Khedira die Rote Karte sah (33.), ging es für die dezimierte Eintracht nur noch darum, ein Debakel zu verhindern: Der VfB kam im Schongang zum ersehnten Erfolg.