11.02.2012 · Borussia Mönchengladbach spielt Schalke 04 in der ersten Halbzeit schwindlig und etabliert sich mit dieser Gala endgültig unter den Top-Drei der Liga. Reus, Hanke und Arango treffen gegen überforderte Gäste.
Von Roland Zorn, MönchengladbachViel besser als am Samstagabend in den ersten 45 Minuten des Spitzenspiels gegen den FC Schalke 04 wird Borussia Mönchengladbach nicht mehr spielen können. Was die Profis des Trainertüftlers Lucien Favre in diesem Teilabschnitt vor 54.047 großenteils begeisterten Zuschauern im ausverkauften Borussia-Park zeigten, grenzte an das Nonplusultra, zu dem diese Fohlen-Elf des Jahrgangs 2011/12 in der Lage ist. Gegen überforderte Schalker schossen Reus (2. Minute), Hanke (15.) und Arango (32.) die Treffer zu einem deutlichen Sieg, der nicht eine Sekunde in Frage stand.
Die Gladbacher verbesserten sich damit auf Rang drei in der Tabelle der Fußball-Bundesliga und halten weiter Kontakt zu Tabellenführer Borussia Dortmund und dem FC Bayern München als derzeit Zweitem. Schalke fiel auf Platz vier zurück und hat nun schon fünf Punkte Abstand zum ungeliebten Ruhrrivalen.
Die erste Hälfte dieses ungleichen Spitzenspiels geriet zu einer meisterhaften Demonstration Gladbacher Spiel- und Konterkunst. Dabei hatte der Schalker Trainer Huub Stevens eigentlich darauf vertraut, dass seine Offensive, mit 46 Toren die zweitbeste der Liga, den Gegner früh beeindrucken werde. Doch was nutzen zwei Spitzen und drei offensive Mittelfeldakteure, wenn das eigene Spiel immer wieder ausgebremst und zur Mustervorlage für präzise Gegenattacken wird.
Schon nach zwei Minuten war Marco Reus, der torgefährlichste Borusse, mit einem Drehschuss, bei dem Innenverteidiger Höwedes staunend zusah, erfolgreich - zum dreizehnten Mal in dieser Saison. Und schon nahm das Verhängnis der „Königsblauen“ seinen Lauf. Die Schalker agierten derart blauäugig, als hätten sie noch nie davon gehört, dass das Team von Trainer Lucien Favre nicht nur die abwehrstärkste (12 Gegentreffer), sondern auch die beste Kontermannschaft der Bundesliga ist. Und so verhedderten sich die Westfalen immer wieder bei ihren viel zu komplizierten Kombinationsversuchen, während sie in der Defensive nach Belieben überrollt wurden.
Nach 15 Minuten stand es schon 2:0, weil Juan Arango und Mike Hanke die Verteidigung des Tabellenvierten mit einem Doppelpass aus den Angeln gehoben hatten. Hanke, der frühere Schalker, erzielte mit einem sehenswerten Schlenzer das 2:0, seinen fünften Treffer in dieser fabelhaften Gladbacher Spielzeit. Damit nicht genug, führte die Elf vom Niederrhein ihren Gegner weiter vor. Nach 32 Minuten durfte Arango, mit nun acht Assists der beste Torvorlagengeber der Liga, selbst zur entscheidenden Tat schreiten. Mit einem gefühlvollen Freistoß über Torhüter Unnerstall hinweg zum 3:0 in den Torwinkel zelebrierte der Venezolaner ein paar Tage nach seiner Vertragsverlängerung bis 2014 mit seinem vierten Saisontor seine Spezialität.
Mönchengladbach hatte sich in diesen 45 Minuten wie ein veritabler Meisterschaftskandidat präsentiert; Schalke dagegen deutete nicht einmal an, dass auch der Altmeister in dieser Spielzeit für den Platz ganz oben in Betracht komme. Was war nach dieser Borussen-Gala, die das Spiel schon entschieden hatte, noch zu erwarten von den zweiten 45 Minuten? Stevens reagierte auf das, was er einigermaßen fassungslos hatte mitansehen müssen und schickte Metzelder zur Stabilisierung der Defensive auf den Platz; Jurado blieb dafür nach der Umstellung auf ein 4-2-3-1-System in der Kabine. Doch um Systeme, Spannung oder Spielkunst ging es nun nicht mehr.
Die Borussia, am Mittwoch beim 2:0-Pokalerfolg in Berlin bei der Hertha noch zwei Stunden gefordert, begnügte sich nach der Pause mit der souveränen Spielkontrolle. Die Fans des fünfmaligen deutschen Meisters brachten dafür volles Verständnis auf und feierten ihr Team, das im vergangenen Mai soeben dem Abstieg entging und jetzt zu den drei besten Mannschaften der Bundesliga gehört. Kein Wunder, sondern das Ergebnis akribischer Arbeit. Was Lehrmeister Favre will, haben seine Musterschüler perfekt verstanden. Die Schalker dagegen müssen weiter üben, üben, üben, um demnächst selbst beispielhaften Fußball zu spielen.
Bor. Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Brouwers, Dante, Daems - Nordtveit (73. Marx), Neustädter - Herrmann (79. de Camargo), Arango - Reus, Hanke (90. Wendt)
FC Schalke 04: Unnerstall - Höger (79. Hoogland), Papadopoulos, Höwedes, Fuchs - Matip, Jurado (46. Metzelder) - Farfán (63. Draxler), Raúl, Obasi - Huntelaar
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin) -
Zuschauer: 54 047 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Reus (2.), 2:0 Hanke (15.), 3:0 Arango (32.)
Gelbe Karten: Nordtveit (4) / Höwedes (5), Obasi (5), Papadopoulos (6)
Können sie diese Leistung halten?
Stephan Link (kthesun)
- 12.02.2012, 13:01 Uhr
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |