12.05.2009 · Was wäre Wolfsburg ohne seine Torjäger? Im Duell mit Dortmund zeichneten Dzeko und Grafite beim 3:0-Sieg wieder alleine für die Tore des Spitzenreiters verantwortlich. Unterdessen ist Michael Laudrup als Trainer im Gespräch.
Von Frank Heike, WolfsburgFelix Magaths neue Strategie heißt jetzt auch außerhalb des Feldes: volle Offensive. Bis vor zwei Wochen hatte sich der Trainer hinter dem offiziellen Saisonziel Platz fünf verschanzt, gleichgültig, wie überzeugend gerade wieder ein Heimspiel gewonnen worden war und wo seine Mannschaft in der Tabelle stand. Die verbale Defensive hat Magath inzwischen aufgegeben. „Der VfL Wolfsburg“, sagte er am Dienstagabend voller Überzeugung auf die Frage, wer denn deutscher Meister werde. Die volltönende Antwort war natürlich gespeist aus dem beeindruckenden 3:0 gegen Borussia Dortmund, dem 15. Heimsieg der Wolfsburger.
Aber ein bisschen Taktik schwang auch mit. Die Begleitumstände seines Wechsels zum FC Schalke 04 waren unschön, Magath hat in der VW-Stadt viele Sympathien verspielt. Das allerdings geriete sofort in Vergessenheit, stünde der VfL auch am kommenden Samstag an der Spitze der Bundesliga. Dann wäre Magath der geniale Meistermacher. Einer, der eben weiterzieht, weil es ihn nirgends lange hält. Sollte der VfL Wolfsburg aber noch einknicken, wäre es ein Leichtes, alle Schuld auf den Trainer zu schieben.
Unerwartet souveräne Antwort
Für die letzten zehn Tage dieser Spielzeit verschafft sich Magath etwas Luft: indem er offensiv vorangeht und Stadt, Verantwortliche, Fans und Mannschaft auf das große Anliegen einschwört. Der Feind steht außen vor: die Medien, vor allem die lokalen. „Es war wichtig zu zeigen, dass alles intakt bei uns ist“, sagte Magath, „die, die versucht haben, Stimmung zu machen, haben sich nicht durchgesetzt.“ Der Trainer-Manager stört sich daran, dass die beiden Zeitungen am Ort Trainingszuschauer gefragt und kritische Antworten zu Magaths Verhalten gedruckt haben.
Das 3:0 gegen eine gute Dortmunder Mannschaft war eine unerwartet souveräne Antwort auf das 1:4 von Stuttgart. Ein Sieg mit Rückenwind-Effekt für den alten und neuen Tabellenführer, meint Magath: „Viele haben uns nach Stuttgart auf der Verliererstraße gesehen, aber sie haben sich getäuscht. Das ist ein psychologischer Vorteil.“ Dortmund war ja mit sieben Siegen in Folge angereist. Doch nach gutem Beginn wurde das Team von Trainer Jürgen Klopp von der unwiderstehlichen Offensivstärke der Wolfsburger zermürbt. „Es ist eine Wahsinnsqualität, die sie da vorn haben“, lobte Klopp insbesondere Grafite und Dzeko. Beide verdienten sich Bestnoten für ihre Art des Zusammenspiels; an allen Treffern waren sie beteiligt. Nach dem 1:0 durch Dzeko in der 15. Minute ließ Grafite gleich nach der Pause (47.) das 2:0 folgen; wieder Dzeko traf fünf Minuten vor Schluss zum Endstand. Sie haben jetzt zusammen 46 Tore geschossen. Die Mannschaft ist begeistert: „Wir haben zwei Ausnahmestürmer, die die Dinger einfach rein machen. Es ist unser Stil, nach einem oder zwei Treffern immer weiter nach vorn zu spielen“, sagte Verteidiger Marcel Schäfer.
Michael Laudrup als neuer Trainer?
Magath reagierte empfindlich, als ihn jemand auf den Offensivdrang seiner Elf gegen den BVB ansprach: „Die Mannschaft hat nur das gespielt, was sie schon die ganze Saison in der Arena zeigt. Sie wollen immer nach vorn.“ 3:0 gegen Hamburg, 5:1 gegen Bayern, 4:0 gegen Hoffenheim, 3:0 gegen Dortmund: Die Liste der begeisternden Auftritte ist lang. Bei den geretteten Hannoveranern und gegen die zwischen zwei Finals anreisenden Bremer muss der VfL nun noch spielen. Ein Restprogramm wie gemalt. Auch die Fans glauben längst an den Titel - sogar ein kleines Hupkonzert und ein wenig Fahnengeschwenke gab es am Dienstag vor Mitternacht in dieser nüchternen Stadt.
Das eine Thema ist die Meisterschaft, das andere der neue Trainer. Dänische Zeitungen wollen erfahren haben, dass Michael Laudrup ein heißer Kandidat beim VfL sei. Laudrup ist nach den Stationen Bröndby IF und Getafe gerade den Job bei Spartak Moskau losgeworden. Am Sonntag sollen sich VfL-Abgeordnete mit Laudrups Berater in Barcelona getroffen haben. Er sei einer der möglichen Nachfolger, gab VfL-Geschäftsführer Jürgen Marbach zu. Laudrup sagte nichts. Er ist auch bei Ajax Amsterdam im Gespräch. Dort passe er mit seiner Idee von schnellem, direktem Spiel besser hin als in die von Kraft und Zweikampf bestimmte Bundesliga, finden dänische Fachleute. Die wiederum haben wohl noch nie ein Wolfsburger Heimspiel gesehen.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |