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Leipzig-Trainer Ralf Rangnick : „Wir spielen nicht Monopoly, wenn wir aufsteigen“

„Ich sehe im Moment keine Gefahr“: Ralf Rangnick. Bild: dpa

RB Leipzig ist auf dem Sprung in die Fußball-Bundesliga – und heftig umstritten: Im FAZ.NET-Interview spricht Coach und Sportdirektor Ralf Rangnick über sein Konzept mit jungen Spielern, Gehälter und die Leipziger Pläne.

          Herrscht in Leipzig schon das Gefühl, endlich wieder in der Bundesliga angekommen zu sein?

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Mich interessiert ehrlich gesagt nur, wie die Mannschaft die Situation sieht. Und da gibt es keinerlei Anzeichen, dass irgendjemand glaubt, dass wir schon etwas erreicht hätten. Die Ausgangsposition mit acht Punkten Vorsprung auf Platz drei ist gut. Und wir haben von den letzten elf Spielen zehn gewonnen.

          Wo lauert die größte Gefahr?

          Ich sehe im Moment keine Gefahr. Das Team ist noch längst nicht an seinem Limit, dafür ist es auch die jüngste Mannschaft der zweiten Liga. Ich sehe, welche Fortschritte die Jungs in den letzten Monaten gemacht haben. Aber trotzdem waren die Spiele eng, wir haben oft nur mit einem Tor Differenz gewonnen. Da können wir uns noch verbessern

          In welchen Bereichen hat RB schon Erstliga-Qualität?

          Wir haben eine extreme Einheit. Das habe ich in meiner Karriere in dieser Ausprägung nicht oft erlebt. Dieser Zusammenhalt ist so stark, dass man ihn fast greifen kann. Wenn wir uns das in den verbleibenden Spielen und dann auch in der Bundesliga bewahren, dann haben wir wirklich viel erreicht.

          Starke Einheit: die Mannschaft von RB Leipzig.
          Starke Einheit: die Mannschaft von RB Leipzig. : Bild: dpa

          Wie intensiv planen Sie schon für die Bundesliga?

          Wir müssen sehr darauf achten, dass unser Teamspirit weitestgehend erhalten bleibt. Deswegen haben wir in der Winterpause auch keine neuen Spieler geholt. Die Gefahr, diesen Spirit durch zwei Neuzugänge zu gefährden, war für mich größer als der mögliche sportliche Gewinn. Auch im Sommer werden wir, wenn wir den Aufstieg tatsächlich schaffen, unser derzeitiges Gehaltsgefüge im Auge behalten.

          Ein neues Konzept – RB Leipzig spart sich an die Spitze?

          Wir spielen nicht Monopoly, wenn wir aufsteigen. Wenn wir jedoch einen begabten jungen Spieler finden, dessen Marktwert sich noch erhöhen lässt, sind wir auch bereit, eine entsprechende Ablöse zu zahlen. Aber nicht für ältere Spieler. Wir brauchen ein organisches Wachstum.

          Was soll das heißen im Profifußball, wo es doch nur ums Geld geht?

          Wir werden, was unser Gehaltsgefüge angeht, in der Bundesliga nicht an die ersten zehn Klubs heranreichen. Ich rede aber nicht davon, was wir theoretisch an Ablösesumme zahlen könnten. Bei der Ablöse steht immer auch ein entsprechendes Gehalt dahinter. Der Transfer von Davie Selke war daher auch ein Sonderfall. Er kam schon als junger Spieler zu Bremen und konnte durch den Wechsel zu uns sein Gehalt noch etwas erhöhen - ohne unseren Gehaltsrahmen zu gefährden. Wenn es jetzt um einen Spieler wie Leroy Sané geht, der sportlich durchaus zu uns passen würde, bewegt man sich in Sphären, die nicht zu unserer Entwicklung und zu unserem Weg passen würden.

          Warum funktioniert das RB-Konzept nur mit jungen Spielern?

          Schauen wir doch mal zum Handball. Obwohl der Kapitän des Nationalteams, Uwe Gensheimer, mehrere Stammkräfte und mit Steffen Weinhold und Christian Dissinger noch zwei der besten Spieler während des Turniers ausfielen, hat dieses Team innerhalb der EM eine großartige Entwicklung genommen und ist bis ins Finale gestürmt – und hat dann den Titel mit einer überragenden Leistung gewonnen. Das ging vor allem über Spirit, Erfolgshunger, Professionalität und Entschlossenheit. Es war das jüngste Team von allen, mit 16 EM-Debütanten. Ein großer Vorteil dieser ganz jungen Mannschaft war eben auch, dass sie sich schnell erholt hat von den hohen Belastungen. Und über die Sportarten hinweg erkennt man: Die Regenerationszeiten bei jungen Spielern sind einfach kürzer, ebenso ihre Lernfortschritte. Und das Spiel, das wir spielen wollen und wohin sich der europäische Spitzenfußball immer stärker entwickelt hat – das extreme Umschaltspiel mit einem ganz hohen Anteil von Sprints –, setzt eine ganz andere Laufbelastung voraus als früher. Zwölf Kilometer pro Spiel für jeden Spieler sind heute fast Normalität. Und zwei bis zweieinhalb Kilometer davon sind Sprints in höchstem Tempo. Das schaffst du nur mit einer optimalen körperlichen Grundlage, der entsprechenden Mentalität, aber eben auch mit der Erholungsfähigkeit.

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