Bei Hannover 96 einen Punkt zu holen, ist im Grunde ein gutes Ergebnis, denn die Niedersachsen sind zuhause seit 16 Monaten in der Bundesliga ungeschlagen. Trotzdem musste sich der ständig überlegen wirkende FC Schalke 04 beim Punktspielstart am Sonntagabend ärgern, nicht die volle Ausbeute mit nach Gelsenkirchen gebracht zu haben: nach Lewis Holtbys Führungstreffer zum 2:1 in der 64. Minute kontrollierte Schalke die Partie, gab sie aber aus der Hand, als die Abwehr in der 80. Minute nicht entschlossen agierte und Hannovers eingewechseltem Zugang Adrian Nikci den 2:2-Endstand ermöglichte. Zuvor hatten Felipe zum 1:0 in der 43. Minute und Huntelaar zum Ausgleich (52.) getroffen.
Hannover hatte vier Tage vor dem Play-off-Rückspiel in der Europa League am Donnerstag gegen Slask Breslau offensiv wenig zu bieten, profitierte am Ende aber von einer Schläfrigkeit in der Schalker Deckung und rettete einen Punkt. Der war nicht gerade verdient, aber das interessierte Hannover 96 herzlich wenig: der erste Ball, der in Richtung Schalker Tor flog, landete gleich im Netz und bedeutete die 1:0-Halbzeitführung der „Roten“. Christian Panders gewohnt präzise Freistoßflanke köpfte der freistehende Felipe ins Tor.
Ausgerechnet Felipe: mit seinem Einsatz hatte man am Sonntagabend nicht unbedingt gerechnet, denn der von Standard Lüttich geholte neue Innenverteidiger hatte beim 5:3 im ersten Europa-League-Play-off bei Slask Breslau am Donnerstag gruselig gespielt. Auch am Sonntag wackelte Felipe an der Seite Mario Eggimanns ein paar Mal unaufmerksam und ließ Klaas-Jan Huntelaar bei dessen Ausgleich in der 52. Minute zu viel Platz.
Allerdings war Felipes von Erfolg gekrönter Einsatz kurz vor der Halbzeitpause sehenswert. Danach überschlugen sich die Ereignisse, es war, als wollten die Niedersachsen alle Versäumnisse der vorangegangenen 44 Minuten nachholen: beinahe wäre Pander mit seinem Kopfball-Heber aus Nahdistanz das 2:0 geglückt. Der Ball flog aber neben das Tor.
Bei Schalke lüftete Trainer Huub Stevens mit Spielbeginn sein bestgehütetes Geheimnis: wie von vielen erwartet, aber vom kauzigen Coach nie bestätigt, stand Timo Hildebrand im Tor und darf nun davon ausgehen, die Saison bis auf weiteres vor Lars Unnerstall als Nummer eins zu bestreiten. Hildebrands Team musste sich zur Pause grämen, aus drei guten Chancen keinen Treffer gemacht zu haben. Mit Ciprian Marica als zweiter Spitze neben Huntelaar und einem lauffreudigen Mittelfeld um den auffälligen Holtby wirkte Schalke fast die ganze Zeit überlegen und kam durch Papadopoulos, Huntelaar und Marica zu Möglichkeiten, die allesamt zu einem Tor hätten führen können.
Überzeugend sah das Schalker Spiel trotzdem nicht aus. Die Angriffe wurden zu breit angelegt, es war wenig Tempo im Spiel. Hannover hatte indes kaum Ideen, wenn es mal in Ballbesitz war. Jan Schlaudraff als zweiter Angreifer neben Didier Ya Konan bekam kaum den Ball; die offensiven Mittelfeldspieler Manuel Schmiedebach und Lars Stindl bekamen das Spiel nicht in den Griff. „Wir brauchen noch etwas, um die gute Abstimmung der vergangenen Saison wieder so hinzubekommen“, hatte Trainer Mirko Slomka gesagt: Das war zu sehen.
Wohl dem, der einen Huntelaar hat, konnte man nach sieben Minuten der zweiten Halbzeit sagen: der Niederländer machte am Sonntag da weiter, wo er mit seinen 29 Toren in der Vorsaison aufgehört hat. Das Zögern Felipes war ein gefundenes Fressen für Huntelaar, der sich den Ball genüsslich auf links legte und aus 20 Metern zum Ausgleich traf.
Schalke war nun klar besser, Hannover konnte sich aber auf Torwart Ron-Robert Zieler verlassen, der in der 59. Minute die Schalker Führung durch Holtby nach schönem Assist Draxlers verhinderte. Fünf Minuten später hatte Zieler bei Holtbys Treffer zum 2:1 keine Abwehrmöglichkeit. Schalke wirkte nun wie der Sieger, doch nach Schlaudraffs feinem Solo schoss der eben eingetauschte Adrian Nikci den Ball in der 80. Minute zum verdienten Ausgleich ins Tor.
Hannover 96: Zieler - Cherundolo, Eggimann, Felipe (77. Nikci), Pander - Andreasen, da Silva Pinto (69. Huszti) - Stindl, Schmiedebach - Schlaudraff, Ya Konan (65. Sobiech)
FC Schalke 04: Hildebrand - Uchida, Matip, Papadopoulos, Fuchs - Neustädter, Jones, Draxler (80. Barnetta), Holtby - Huntelaar, Marica
Schiedsrichter: Brych (München)
Zuschauer: 49 000 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Felipe (43.), 1:1 Huntelaar (52.), 1:2 Holtby (64.), 2:2 Nikci (80.)
Gelbe Karten: Stindl (1) / Draxler (1), Holtby (1), Jones (1)