1899 Hoffenheim kommt einfach nicht mehr vom Fleck. Erst in einer turbulenten Schlussphase verhinderte der lange Zeit so forsche Bundesliga-Aufsteiger am Samstag vor 30 150 Zuschauern in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena ein böses Erwachen gegen Hannover 96. 2:2 hieß es am Ende nach Toren von Selim Teber (19.) und Wellington (84.) für Hoffenheim und den Treffern von Hanno Balitsch (22.) und Eggimann (74.) für Hannover.
Die Nordbadener, die das Hinspiel 5:2 gewonnen hatten, sind jetzt seit sieben Spielen ohne Sieg. Der Glanz der Vorrunde ist längst dahin. Warum das so ist, offenbarte schon die Aufstellung am Samstag. Gegen Hannover fehlte Trainer Ralf Rangnick der komplette erste Sturm: Ibisevic verletzt, Obasi verletzt, und jetzt verhinderte eine Rippenprellung auch noch den Einsatz von Demba Ba. Der erst in der Winterpause gekommene Boubacar Sanogo muss sich schon wie ein Alleinunterhalter vorkommen. Einen personellen Lichtblick gab es dann doch für 1899: Timo Hildebrand stand erstmals seit sechs Wochen wieder im Tor. Dafür müssen die Hoffenheimer in den kommenden Wchen und wohl auch Monaten auf Andreas Ibertsberger und Matthias Jaissle verzichten. Der 20 Jahre alte Innenverteidiger Jaissle musste am Samstag beim 2:2 gegen Hannover 96 mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgewechselt werden. Sollte sich die Diagnose bewahrheiten, ist die Saison für den U 21-Nationalspieler beendet. Zu einer Kernspintomographie-Untersuchung in ein Krankenhaus nach Heidelberg musste auch Jaissles Abwehrkollege Andreas Ibertsberger: Bei dem Österreicher besteht Verdacht auf Innenbandriss im Knie.
Hannover bekommt das Spiel in den Griff - und liegt zurück
Während es Hoffenheim vorne fehlte, klafften in der Defensive der Hannoveraner personelle Lücken. Den Part der nicht einsatzfähigen Innenverteidiger Christian Schulz und Frank Fahrenhorst mussten Leon Andreasen und Mario Eggimann übernehmen, zudem standen Trainer Dieter Hecking Michael Tarnat und Stürmer Jan Schlaudraff nicht zur Verfügung. Keine guten Voraussetzungen für die auswärtsschwächste Mannschaft der Liga. Es sah zunächst nach einer sehr einseitigen Angelegenheit aus, doch der Hoffenheimer Anfangsschwung ebbte schon nach zehn Minuten wieder ab, auch weil der Mannschaft die letzte Präzision fehlte.
Hannover bekam das Spiel zunehmend in den Griff - und lag doch bald zurück. Es war allerdings ein umstrittener Elfmeter, der für die Hoffenheimer Führung herhalten musste. Der Hannoveraner Konstantin Rausch hatte Nationalspieler Andreas Beck im Strafraum zu Fall gebracht und Kapitän Selim Teber ließ sich die Chance in der 19. Minute nicht entgehen, wenngleich Torhüter Robert Enke beinahe noch die Hand am Ball gehabt hätte. (siehe auch: FAZ.NET-Regelecke: Strafstoß außerhalb des Spielfelds - wie geht das?)
Überraschende Treffer
Alles schien in der Rhein-Neckar-Arena seinen normalen Gang zu gehen, denn Hannover hatte bis dahin nicht gerade Schrecken im Hoffenheimer Strafraum verbreitet. Trotzdem dauerte es nur drei Minuten bis zum Ausgleich. Es war ein eher harmloser Freistoß von Jan Bruggink aus dem Mittelfeld, dem der alleingelassene Hanno Balitsch im Strafraum noch die entscheidende Richtungsänderung gab - Torhüter Hildebrand war ohne Abwehrchance. Ein überraschender Treffer, der die Hoffenheimer Verunsicherung förderte. Der Spielfluss des Aufsteigers war nun erst einmal dahin.
Den verlorenen Elan nahm Hoffenheim erst nach der Halbzeit wieder auf. Und in der 49. Minute scheiterte Eduardo nur an Nationaltorhüter Enkes Klasse. Auch diese Drangphase war bald beendet, Hannover durfte wieder mitspielen - und in der 74. Minute sogar jubeln. Einen Freistoß von Balitsch köpfte Eggimann zur 2:1-Führung der Niedersachsen ein. Schon wieder so ein Tor aus dem Nichts. Und schon wieder so wenig Ordnung und Gegenwehr auf Seiten der Hoffenheimer. Danach mühte sich der Aufsteiger zwar nach Kräften, aber es dauerte bis zur 84. Minute, bis der eingewechselte Wellington die Zuschauer und Trainer Rangnick mit dem Treffer zum 2:2 erlöste.