http://www.faz.net/-gtm-780s4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 30.03.2013, 17:33 Uhr

2:1 in Stuttgart Dortmund wehrt sich

Dortmund verschiebt mit einem 2:1 in Stuttgart die Meisterfeier des FC Bayern. Piszczek bringt die Borussia in Führung, Maxim gleicht aus. Dann fliegt Niedermeier vom Platz - und Lewandowski trifft. Dann wird über die harte Gangart diskutiert.

von , Stuttgart
© AFP Zum Schreien und zum Treten: Lewandowski jubelt, Torwart Ulrich will den Frust loswerden

Den Münchner Bayern auch noch selbst das Portal zum Titelgewinn zu öffnen: Das wollte der Noch-Meister Borussia Dortmund an diesem 27. Bundesliga-Spieltag partout vermeiden. Und so legten sich die Westfalen am Samstag beim VfB Stuttgart so ins Zeug, dass 60.000 Zuschauer eine von Beginn an packende Bundesligabegegnung erlebten.

Roland Zorn Folgen:

Am Ende löste der BVB seine Pflichtaufgabe vier Tage vor der ersten Viertelfinal-Prüfung in der Champions League beim FC Málaga (Mittwoch, 20.45 Uhr / Liveticker bei FAZ.NET) mit einem 2:1-Sieg durch Piszczeks Hinterkopfballtor (29. Minute) und Lewandowskis 20. Saisontreffer (82.) bei einem Gegentor durch Stuttgarts Maxim (63.). So konnten die Bayern, die am Samstag das Abendspiel gegen den Hamburger SV mit 9:2 gewannen, am 27. Spieltag noch nicht den so gut wie sicheren Titelgewinn feiern.

Mehr zum Thema

Die Schwaben spielten jederzeit großartig mit, übertrieben es aber mit der Härte. So musste Niedermeier nach seinem zweiten groben Foulspiel nach 70 Minuten den Platz verlassen - auch wenn VfB-Torhüter Ulreich das gar nicht verstand: „Georg Niedermeier hat klar den Ball gespielt, das war keine Gelb-Rote Karte“, sagte er. Und: „Fußball ist ein Männersport, da geht es auch mal zur Sache.“

Sein Gegenüber, BVB-Torhüter Weidenfeller, sah das etwas anders: „Naja, ein Spieler hat einen Nasenbeinbruch, eine richtig klaffende Blutwunde, da hört dann der Männersport auf.“ Gemeint war Nationalspieler Schmelzer, der die schwäbische Aggressivität besonders zu spüren bekam: Nach einer Schienbeinattacke des daraufhin verwarnten Harnik musste er mit gebrochener Nase den Platz verlassen (24.).

VfB Stuttgart - Borussia Dortmund © dpa Vergrößern Dortmunder Schmerzen: Nationalspieler Schmelzer bricht sich in Stuttgart die Nase

Der Dortmunder Trainer Klopp fand, die Partie beim VfB sei eine gute Vorbereitung auf das Spiel in Málaga gewesen, „denn die fliegen ähnlich intensiv in die Zweikämpfe“. Aber: „Meine Spieler haben Beulen am Kopf, Risswunden am Fuß, Prellungen an den Rippen und überall. Das war heute zu viel an Aggressivität“, sagte Klopp. „Es war ständig so wahnsinnig intensiv, dass es mir einfach zu viel war und ich irgendwann Angst hatte, dass noch mehr passiert. Das passiert mir beim Fußball nicht allzu oft, aber heute war es so.“

Klopp musste ohnehin auf die verletzten Hummels (Sprunggelenk) und Blaszczykowski (Adduktoren) verzichten. Auch sein Kollege Bruno Labbadia vermisste eine Reihe von Stammkräften: die gesperrten Molinaro und Kvist, den von einer Grippe noch nicht genesenen Kapitän Tasci und den Japaner Okazaki wegen einer Außenbandverletzung im Knie.

VfB Stuttgart - Borussia Dortmund © dapd Vergrößern Der Stuttgarter Maxim kennt die Verletzung und trifft dennoch

Trotzdem begann der VfB furchtlos und besaß durch Niedermeiers Kopfball, den der vorzügliche Weidenfeller parierte (7.), und Traoré, der allein vor dem Dortmunder Torhüter das Nervenflattern bekam (13.), erstklassige Chancen. Doch die Borussen fingen sich allmählich und schlossen die Lücken im Mittelfeld. So entwickelte sich ein exzellentes Duell mit hohem Tempo und hoher Qualität.

Stuttgart war nach dem 0:1 bei Gentners Pfostenschuss und Götzes anschließender Rettungstat auf der Linie nah am Ausgleich (59.); zuvor hatte Lewandowski einen Moment zu lange gezögert, als es 0:2 hätte heißen können (56.). Und dann wurden die vielen kleinen Nachlässigkeiten des BVB doch bestraft. Nach einem Einwurf von Traoré kam Maxim, der neue rumänische Spielmacher der Schwaben, in diesem bewegten, hitzigen Spiel frei zum Schuss und erzielte das verdiente 1:1 (63.).

VfB Stuttgart - Borussia Dortmund © dpa Vergrößern Wer ist hier der Übeltäter? Niedermeier (links) fliegt vom Platz, Götze siehte Gelb

Doch Dortmund ließ sich weder durch das aufgepeitschte Publikum, noch durch den Ausgleich einschüchtern. Nach einem harten Zweikampf musste Niedermeier, der Götze mit gestrecktem Bein attackierte, vom Platz; der Dortmunder Nationalspieler, der danach mit Niedermeier zu streiten begann, bekam von Schiedsrichter Aytekin die Gelbe Karte vorgehalten (70.).

Den numerischen Vorteil nutzte der BVB aus, als Reus zuerst Piszczek und der Lewandowski freispielte. Diese Gelegenheit ließ sich der Pole nicht nehmen und schoss aus kurzer Distanz das 2:1 (82.).

VfB Stuttgart - Borussia Dortmund 1:2 (0:1)

VfB Stuttgart: Ulreich - Rüdiger, Felipe Lopes, Niedermeier, Sakai - Gentner, Boka (88. Macheda) - Harnik, Maxim (73. Röcker), Traoré - Ibisevic
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Subotic, Felipe Santana, Schmelzer (24. Piszczek) - Bender, Sahin - Götze (83. Schieber), Gündogan (60. Leitner), Reus - Lewandowski
Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
Zuschauer: 60.000 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Piszczek (29.), 1:1 Maxim (63.), 1:2 Lewandowski (82.)
Gelbe Karten: Boka (4), Harnik (5) / Großkreutz (2), Götze (4)
Gelb-Rote Karten: Niedermeier (69./wiederholtes Foulspiel) / -

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Borussia Dortmund Die Bayern-Jäger sind zurück

Für Borussia Dortmund war die Saison eins nach der Ära Klopp eine fast perfekte. Der Wert von Thomas Tuchels Arbeit geht jedoch weit über den eines möglichen Pokalsiegs hinaus. Mehr Von Richard Leipold, Dortmund

21.05.2016, 11:48 Uhr | Sport
FCB gegen BVB Freude und Trauer nach dem DFB-Pokalfinale

Nach dem Sieg von FC Bayern gegen Borussia Dortmund im DFB-Pokalfinale am Samstag herrschten in Berlin sehr gegensätzliche Emotionen. Den BVB-Fans, die das Spiel auf dem Dortmunder Friedensplatz verfolgten, standen nach dem entscheidenden Tor die Tränen in den Gesichtern. Mehr

22.05.2016, 18:57 Uhr | Sport
Bayern gegen Dortmund Das große Stürmerfinale

Das Pokal-Endspiel ist ein Treffen der besten Offensivspieler: Der BVB setzt auf Aubameyang und Mchitarjan, die Bayern vertrauen Müller und Lewandowski. Die Statistiken sind erstaunlich. Mehr Von Christian Eichler, Berlin

21.05.2016, 16:57 Uhr | Sport
Finale in Berlin Bayern oder Dortmund – wer holt den Pokal?

Bayern München gegen Borussia Dortmund – die beiden mit Abstand stärksten Mannschaften der Bundesliga stehen sich im DFB-Pokalfinale gegenüber. Für Mats Hummels ein besonderes Spiel: Es wird sein vorerst letztes Spiel beim BVB sein. Er wechselt in der nächsten Saison zum Gegner im Finale, Bayern München. Mehr

21.05.2016, 09:46 Uhr | Sport
DFB-Pokalfinale Dortmund setzt gegen Bayern auf Defensive

BVB-Trainer Thomas Tuchel will die Bayern-Offensive im Pokalfinale vor eine große Aufgabe stellen und setzt auf viele Defensivspieler. Finden die Münchner eine Lücke im Bollwerk um Mats Hummels? Mehr

21.05.2016, 19:11 Uhr | Sport
Umfrage

Wie weit kommt das DFB-Team bei der EM 2016?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.