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2:1 in Mainz : Son hellt die HSV-Stimmung auf

Treffsicher in Mainz: Hamburg kann sich auf seinen Stürmer Son verlassen Bild: dpa

Der Mainzer Motor gibt im Stau den Geist auf. Der HSV sieht nach dem Auswärtssieg in Mainz nach drei empfindlichen Niederlagen dank Doppeltorschütze Heung-Min Son wieder Sonnenlicht.

          Es passiert aus technischen Gründen nicht selten, dass Autos gerade dann stehen bleiben, wenn eh nichts voran geht. Dann gibt im Stau der Motor wegen Überhitzung seinen Geist auf. Entsprechend passte die enttäuschende Leistung von Mainz 05 bei der 1:2-Heimniederlage gegen den Hamburger SV nach zwei Toren von Heung-Min Son (61./81. Minute) und einem allzu späten Ehrentor durch Shawn Parker (86.) in das Bild, mit dem Trainer Thomas Tuchel in der vergangenen Woche die sportliche Situation seines Teams umschrieb.

          Tuchel sah sein Team angesichts von zuvor sieben Unentschieden in der Rückserie und dem sehnsüchtigen Warten auf ein Erfolgserlebnis eben wie „im Stau, zähfließender Verkehr im Tunnel“ auf der Autobahn in Mainz-Hechtsheim. Das Spiel gegen den HSV sollte in Tuchels Metaphorik eigentlich die Rückkehr ans „Sonnenlicht“ bringen.

          Das galt freilich nur für die äußeren Bedingungen, denn immerhin schien zum Schlusspfiff die von den Fans ähnlich lange herbeigesehnte Aprilsonne endlich einmal uneingeschränkt über dem mit 34.000 Zuschauern voll besetzten Stadion in den Feldern vor den Toren der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, sodass den enttäuschten Mainzer Fans wenigstens ein schöner Heimweg vergönnt war nach wenig unterhaltsamen 90 Minuten.

          Die Mainzer fanden nie in ihr gewohntes Spiel mit aggressivem Forechecking. Stattdessen ließen sie sich vom bemerkenswert engagiert zu Werke gehenden HSV immer wieder selbst zu langen Bällen und leichten Ballverlusten zwingen. Trotzdem hatten die Mainzer die erste Großchance des Spiels, als Andreas Ivanschitz in der 34. Minute fast aus dem Nichts aus 22 Metern die Latte traf und Nicolai Müller im Nachsetzen per Kopf an René Adler scheiterte.

          „Enttäuschendes Spiel“

          Trotz eines solchen Lichtblicks stellte Tuchel seinem Team ein ganz schlechtes Arbeitszeugnis aus: „Spieltaktisch, von der Gier her, vom Einsatz – eigentlich in allen Kategorien haben wir erstmals ein enttäuschendes Spiel abgeliefert.“ Der HSV, zuletzt in der Bundesliga durch ein 2:9-Desaster in München und eine Heimniederlage gegen Freiburg arg gebeutelt, nutzte den schwachen Auftritt des Gegners und vor allem zwei individuelle Fehler.

          Vor dem 1:0 schenkte der Mainzer Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger unbedrängt den Ball nur 25 Meter vor dem eigenen Tor her, Son war auf Vorlage des neuen Kapitäns Rafael van der Vaart zum ersten Mal Nutznießer. In der 81. Minute half Zdenek Pospech dem Gegner, indem er Son den Ball überließ. Der Mainzer Gegentreffer durch einen hübschen Lupfer von Parker war nur Ergebniskosmetik.

          Disput an der Seitenlinie: HSV-Trainer Fink (links) und Schiedsrichter Gagelmann Bilderstrecke
          Disput an der Seitenlinie: HSV-Trainer Fink (links) und Schiedsrichter Gagelmann :

          Während der Trainer nach dem Spiel keine Ursachen für den Leistungseinbruch seiner zuletzt zwar selten siegreichen, dafür aber auch nur sehr schwer zu besiegenden Mannschaft benennen konnte und stattdessen auf eine gute Trainingswoche ohne negative Auffälligkeiten verwies, hatte zumindest Kapitän Nikolce Noveski einen Erklärungsansatz. „Man kann sagen, dass uns ein wenig Power gefehlt hat. Wir wirkten müde, das erkennt man daran, dass wir ungewöhnlich viele Zweikämpfe verloren haben“, sagte der Innenverteidiger.

          Ziel in weiter Ferne

          Tatsächlich kamen die üblicherweise im Kampf Mann-gegen-Mann sehr starken Mainzer nicht ansatzweise wie gewohnt in die Duelle mit ihren Gegenspielern. „Wir hatten bewusst mit Risse, Ivanschitz und Müller unsere beste Forechecking-Reihe aufgeboten, um dem HSV das Leben schwer zu machen“, sagte Tuchel. „Wenn wir dann bis zur Pause weniger als 40 Prozent der Zweikämpfe gewinnen, stellt sich die Frage nach dem Sinn des Ganzen.“ Das Argument der Müdigkeit wollte der Trainer freilich nicht gelten lassen und kritisierte indirekt sogar die Aussagen Noveskis. „Wer besondere Ziele hat, sollte auch bereit sein, sich besonders zu quälen“, sagte er.

          Dieses besondere Ziel war für die Mainzer die Qualifikation für die Europa League, die für die auf Rang neun abgerutschten Rheinhessen nun in weite Ferne gerückt ist. „Wenn wir weiter so spielen wie heute,  dann ist es mit Europa vorbei“, sagte Rechtsverteidiger Pospech. Mit anderen Worten: Die geplante Auslandsreise könnte tatsächlich im Stau im Tunnel in Mainz-Hechtsheim enden.

          FSV Mainz 05 - Hamburger SV 1:2 (0:0)

          FSV Mainz 05: Wetklo - Pospech, Svensson (46. Kirchhoff), Noveski, Júnior Díaz - Baumgartlinger, Soto - Risse (46. Zimling), Ivanschitz, Nicolai Müller (65. Parker) - Szalai
          Hamburger SV: Adler - Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen - Skjelbred (83. Rincón), Badelj, Arslan, Jiracek (85. Aogo) - van der Vaart (90.+2 Rudnevs) - Son
          Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
          Zuschauer: 34.000 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Son (61.), 0:2 Son (81.), 1:2 Parker (86.)
          Gelbe Karten: Ivanschitz (2), Zimling (3) / Westermann (3)

          Quelle: FAZ.NET

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