Auch das unwichtigste Bundesliga-Spiel der Saison hat der FC Bayern München unfallfrei und sogar erfolgreich hinter sich gebracht. Vier Tage vor dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League bei Real Madrid schonten die Bayern sieben Stammspieler (Badstuber war zudem gesperrt) und gewannen trotzdem mit einer verstärkten B-Elf 2:1 bei Werder Bremen – der Siegtreffer gelang dem lange geschonten Franck Ribéry in der 90. Minute. Vorher hatte Bremens Naldo das 1:0 geköpft und das 1:1 per Eigentor folgen lassen.
Auf dem Weg zum Champions-League-Finale am 19. Mai in der eigenen Arena wollten die Bayern nichts riskieren und ließen Profis wie Danijel Pranjic, Takashi Usami, Diego Contento und Nils Petersen beginnen. Auf der wohl am besten besetzten Bayern-Bank seit langem nahmen dafür ausnahmslos namhafte Profis Platz.
Franck Ribéry, Arjen Robben, Jérme Boateng, David Alaba, Toni Kroos und Mario Gomez gingen ganz entspannt in die Partie und sahen sich zunächst sitzend an, was die Kollegen auf dem sattgrünen Rasen des Weserstadions boten. Von der 64. Minute an mussten Ribéry und Kroos ran; auch Gomez wurde eingetauscht. Jetzt machte der FCB ernst, war eine Klasse besser und siegte am Ende verdient.
Von der Mannschaft, die am Dienstag 2:1 gegen Real Madrid gewonnen hatte, standen nur Manuel Neuer, Luiz Gustavo und Kapitän Bastian Schweinsteiger in der Startelf, der gegen Real eingetauschte Thomas Müller durfte in Bremen ebenfalls beginnen. Wegen seiner fünften Gelben Karte musste Innenverteidiger Holger Badstuber pausieren; Philipp Lahm stand nicht im Kader, Trainer Jupp Heynckes könnte dem vielbeschäftigten Verteidiger eine Pause.
Worum es den Bayern in Bremen ging, war Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge schon kurz nach dem Real-Spiel herausgerutscht: „Wir haben jetzt eine Woche Zeit, um zu regenerieren.“ In Bremen hatten sie diesen Satz nicht so toll gefunden, allerdings irgendwie auch Verständnis gehabt, dass die Münchner für den vergleichsweise unbedeutenden Auftritt an der Weser den Schongang wählten. Der Alltag Reals in der spanischen Liga sah da ungleich unbequemer aus – Trainer José Mourinhos Mannschaft musste am Samstagabend zum „Clásico“ beim Tabellenzweiten FC Barcelona antreten.
Weil so viele Bayern-Stars fehlten und 20 Minuten lang wenig passierte, richteten sich viele Augen auf Claudio Pizarro. Der 33 Jahre alte Peruaner, am Samstag Bremer Kapitän, weil Clemens Fritz wegen seiner zehnten Gelben Karte aussetzen musste, gilt als Heynckes’ Wunschkandidat für die kommende Saison. Der Bayern-Coach wünscht sich einen international erfahrenen Angreifer, der im von ihm geschätzten System mit einer Spitze mal Mario Gomez bei Verletzung, Sperre oder Formschwäche vertreten könnte.
Weder aus Bremen noch aus München sind in Sachen Pizarro harte Fakten zu erfahren, obwohl Münchner Zeitungen den Deal am Freitag als vollzogen vermeldeten. Immerhin sind gerade die Bremer Aussagen dazu angetan, Werders baldigen Verlust des besten ausländischen Torschützen der Bundesliga zu erwarten: Man habe alles getan, jetzt sei es am Spieler, sagte Vereinschef Klaus Allofs zuletzt.
Pizarro hat seinen mit einer Option auf ein weiteres Jahr ausgestatteten Vertrag schon Ende des vergangenen Monats gekündigt und damit offenbart, dass es für ihn an der Weser nicht weitergehen wird. Pizarro wäre im Sommer ablösefrei zu haben, was wiederum heißt, dass Spieler und Berater mit üppigen Handgeldern rechnen können. Man kann sich also auf seine zweite Phase bei den Bayern einstellen; Pizarro spielte ja schon von 2001 bis 2007 beim FCB.
Vielleicht wäre der mit Abstand beste Bremer Stürmer (16 Saisontore) auch an einer Zukunft bei Werder interessiert gewesen, wäre die Mannschaft in der Rückrunde nicht mit der mageren Ausbeute von nur zwei Siegen aus den Europa-League-Rängen gepurzelt. Ohne die Aussicht auf den europäischen Wettbewerb schwanden auch Bremens Chancen, ihren gefährlichsten Angreifer zu halten.
In einer Partie mit anfänglichem Testspielcharakter hätte man in der ersten Halbzeit ruhig ein Nickerchen machen können – Markus Rosenberg verpasste die Bremer Führungschance in der 23. Minute, und Nils Petersens Schuss an die Latte des Bremer Tores kurz vor der Pause war der zweite Aufreger. Sonst tat sich nicht viel. Das änderte sich, als Werder mehr Druck machte und durch Naldos Kopfball in der 51. Minute in Führung ging. Die Bayern wehrten sich von der 70. Minute an etwas mehr und hatten Glück, dass Naldo ins eigene Tor traf. Dem enorm spielfreudigen Ribéry gelang nach schönem Solo noch der Siegtreffer.
Werder Bremen: Wiese - Alexander Stevanovic, Affolter, Naldo, Schmitz - Trinks (68. Arnautovic) - Hunt, Trybull - Junuzovic - Rosenberg (81. Füllkrug), Pizarro
Bayern München: Neuer - Rafinha, Timoschtschuk, Luiz Gustavo, Contento - Pranjic (64. Kroos), Schweinsteiger - Usami, Olic (64. Ribéry), Müller - Petersen (70. Gomez)
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
Zuschauer: 42.100 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Naldo (51.), 1:1 Naldo (75./Eigentor), 1:2 Ribéry (90.+1)