Es hätte eigentlich ihr Spieltag sein sollen. Aber da nutzen alle Rehhagelschen Kniffe und Weisheiten nichts. Der Berliner Trainer musste zusehen, wie ausgerechnet der 1. FC Kaiserslautern im Olympiastadion nach 21 Partien ohne Erfolg gegen Hertha BSC 2:1 gewann. Die Mannschaft, die trotz des Sieges nun endgültig als erster Absteiger aus der Fußball-Bundesliga feststeht, kombinierte bei der Aufwärtsaufgabe munter drauflos und hat damit die Berliner in immer größere Not gebracht.
„Wir haben nichts auf den Platz gebracht, was eine Mannschaft zeigen muss, die den Abstiegskampf erfolgreich bestehen will“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. „Es war extrem enttäuschend und frustrierend.“ Schon am kommenden Samstag beim Spiel gegen Schalke 04 könnte der Klub, nur ein Jahr nach dem Aufstieg, Lautern in die zweite Liga folgen. „Solange noch eine Chance besteht, werden wir sie wahrnehmen. Natürlich ist das eine schwierige Situation – wir geben uns aber nicht auf“, sagte der Berliner Trainer Otto Rehhagel.
Schon zu Beginn des Spiels waren Fragen aufgekommen. Wegen der vielen Verletzten in der Abwehr setzte Rehhagel auf Fabian Holland aus der U23-Regionalligamannschaft, der sein Bundesligadebüt gab. Vor zwei Tagen hatte der Trainer noch betont, die Personalnot durch Umstellungen lindern zu wollen. Klar war, dass die letzten Reserven mobilisiert werden sollten. Darauf hatten auch einige Herren gedrängt, die am 7. April 1997 als Spieler mit dabei waren – als Hertha den FCK, mit Rehhagel auf der Bank, vor 75.000 Zuschauern besiegt hatte.
Damals stiegen beide Ensembles aus der zweiten Liga auf – nun steigen sie wohl zusammen ab. Ungehört verhallten die Forderungen der Helden von einst an die aktuelle Generation. Sie müssten „Gras fressen“, forderte Christian Fährmann, die „Arschbacken zusammenkneifen“, so Steffen Karl, „das Stadion muss brennen“, ergänzte Sixten Veit. Diese Leidenschaft verlangten auch die Fans, doch die Atmosphäre im weiten Rund wirkte seltsam leise, ja fast schon trauernd. Ob die fußballinteressierten Hauptstädter geahnt hatten, was sie erwartete?
Den mehr als 50.000 Betrachtern bot sich ein überraschendes Bild. Rehhagels Forderung nach kühlem Kopf und kontrollierter Offensive sorgte dafür, dass der FCK wesentlich mutiger agierte. Gefährlich waren bereits die Versuche von Pierre de Witt (7. Minute) und Rodnei (10.). Die Berliner benötigten für ihre ersten Abschlussversuche durch Peter Niemeyer (15.) und Lasogga (18.) länger.
Ab diesem Moment aber verschärften sie das Tempo, und bei mancher vielversprechenden Offensivaktion fehlten nur Zentimeter, um auch zum Schuss zu kommen. Doch, wie so oft in dieser Saison: Statt selbst den Lohn einzufahren, bauten sie den Gegner auf. So konnten die Lauterer in der 27. Minute im Strafraum der Lauterer ungestört kombinieren – und Oliver Kirch unbedrängt einschießen. „Wir wollen euch kämpfen sehen!“, rief wütend die Menge auf der Tribüne des Olympiastadions.
Es war die Phase, als Niemeyer, der vorher gesagt hatte, man müsse sich quälen in diesem Spiel der letzten Chance, seine Mitspieler anbrüllte. Doch die agierten teilweise wie in Schockstarre. Erst recht, als Andrew Wooten auf Vorarbeit von Konstantinos Fortounis das 2:0 (38.) für die Lauterer erzielte. Auch dem 22-Jährigen, der in dieser Saison erst 103 Minuten in der Bundesliga gespielt hatte, wurde jede Menge Raum gewährt.
Bei Hertha lagen die Nerven längst blank. Mit einem wütenden Pfeifkonzert ging es für die Profis in die Kabine. Und viele Pfiffe gab es auch danach. Denn es schien über weite Phasen, als habe sich die Mannschaft aufgegeben. Torhüter Thomas Kraft klärte im letzten Moment vor Wooten (52.) – nur eine von vielen Szenen des Grauens für das Publikum, das nach einer Stunde rief: „Wir sind Herthaner – und ihr nicht!“
Sekunden danach traf Niemeyer per Kopf nach Ecke des eingewechselten Patrick Ebert – 1:2. Ein Ruck, eine Aufholjagd? Nicht wirklich. Während Lauterns Olcay Sahan bei seinem Alleingang gegen Kraft (76.) vergab, fiel Hertha nur durch ein paar Weitschüsse von Ronny noch auf. Letztlich beendeten die Berliner nach der Gelb-Roten Karte für Niemeyer, der erst gemeckert, dann gefoult hatte, die Partie sogar in Unterzahl. Ohne Antreiber Niemeyer wirkte Hertha endgültig führungslos.
Was bleibt? Kaum noch Hoffnung in der Gegenwart. Allenfalls für die Zukunft. So vermeldete die „Bild“-Zeitung: Bei dem Investor, über dessen Einstieg seit Wochen spekuliert wird und der zehn bis fünfzehn Millionen Euro zur neuen Saison in den Verein pumpen will, soll es sich um „Etihad Airways“ handeln, den Geldgeber von Manchester City. Die Verhandlungen laufen, der Sponsor soll sich auch von einem Abstieg nicht abschrecken lassen. Ob das auch für Ralf Rangnick gilt, den Wunschkandidaten der Klubführung für den Trainerposten?
Hertha BSC: Kraft - Niemeyer, Lell, Bastians, Holland - Ottl - Torun (46. Ebert), Raffael, Rukavytsya (66. Ronny) - Ramos (46. Perdedaj), Lasogga
1. FC Kaiserslautern: Sippel - Dick, Abel, Rodnei, Bugera - Borysiuk (90.+2 Yahia) - Fortounis, Kirch, de Wit (82. Petsos), Sahan - Wooten (90. Wagner)
Schiedsrichter: Stark (Ergolding)
Zuschauer: 51.461
Tore: 0:1 Kirch (27.), 0:2 Wooten (38.), 1:2 Niemeyer (60.)
Gelbe Karten: Ebert (6) / Borysiuk (2), Kirch (3)
Gelb-Rote Karten: Niemeyer (77./wiederholtes Foulspiel)
"Herr Kobler" wenn die Hertha - Verantwortlichen nur das
wussten, welchen Untergang ...
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 22.04.2012, 14:29 Uhr
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Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 22.04.2012, 12:36 Uhr
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Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 22.04.2012, 12:22 Uhr