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2:1 gegen München Eintracht überrascht ratlose Bayern

20.03.2010 ·  Es war ein unglaubliches Finale in einem unglaublichen Spiel: Bayern München verlor nach Treffern von Tsoumou (87.) und Fenin (89.) - beide waren gerade erst eingewechselt worden - mit 1:2 bei Eintracht Frankfurt.

Von Uwe Marx, Frankfurt
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In einem Spiel, vor dessen Anpfiff es vor allem um die Höhe des Ergebnisses zu gehen schien, hat sich der FC Bayern München eine unerwartete Blamage geleistet und sein drittes Spiel in dieser Saison verloren. Der Tabellenführer, der seine Position an diesem Sonntag gegen den FC Schalke zu verlieren droht, unterlag bei Eintracht Frankfurt überraschend 1:2. Gegen einen Gegner, der durch die Ausfälle zahlreicher verletzter oder gesperrter Spieler erheblich geschwächt war. Nach dem 0:1 durch Klose in der 6. Minute trafen für die Eintracht Juvhel Tsoumou und Martin Fenin in der 87. und in der 89. Minute.

Überraschend war der Frankfurter Sieg allemal. Hochverdient war er auch. „Es ist uns sehr oft gelungen, die Bayern unter Druck zu setzen“, sagte Eintracht-Trainer Michael Skibbe. Der Münchner Sportdirektor Christian Nerlinger gab sich natürlich enttäuscht. „Man konnte sich hier nie hundertprozentig sicher sein. Wir haben den Frankfurtern zu viele Freiräume gelassen“, sagte er. Nun soll schnell der Blick auf die nächsten schweren Wochen gerichtet werden. „Vor den Spielen gegen unsere Topkonkurrenten müssen wir jetzt die Mannschaft schnell wieder aufrichten“, so Nerlinger.

Was sich in den ersten Minuten vor 51.500 Zuschauern in der ausverkauften Frankfurter Arena abspielte, überraschte zunächst niemanden. Die Eintracht war personell derart geschwächt in die Partie gegangen, dass ihr kaum einer größere Gegenwehr zugetraut hatte. Neben einigen verletzten Spielern waren auch drei gesperrte Stammkräfte - Verteidiger Maik Franz sowie die Mittelfeldspieler Patrick Ochs und Selim Teber - nicht dabei. Es war eine Verlegenheitsmannschaft, die sich dem Rekordmeister entgegenstellte. Und eine, die so noch nie zusammengespielt hatte. Was machte es da schon, dass bei den Münchnern Franck Ribéry wegen Verletzung fehlte und auch sein erster Vertreter Ivica Olic nicht zu Verfügung stand. Das schienen nichts als kleinere Handicaps zu sein verglichen mit den massiven Schwierigkeiten der Frankfurter.

Alles normal also, als Arjen Robben nach nur einer Minute aufs Tor schießen durfte. Sein Versuch mit rechts landete noch in den Armen des Frankfurter Torhüters Oka Nikolov. Alles wenig überraschend auch, als Miroslav Klose nur fünf Minuten später den Ball ins Tor schoss. Es sah wie eine der leichtesten Fußballübungen aus, wie Marc van Bommel den Ball aus dem Mittelfeld in den Strafraum flankte, Klose den Ball entspannt annahm und ohne Probleme zur Führung nutzte.

Die Bayern spielten mittelmäßig, die Hessen wuchsen über sich hinaus

Die ersten Überraschungen des Tages folgten erst nach diesem Schnellstart. Es folgten erst einmal keine weiteren Münchner Treffer, ja es reichte noch nicht einmal zu dominantem Spiel. Stattdessen fand der Außenseiter, der zuletzt durch drei Niederlagen nacheinander jede Menge Selbstvertrauen verloren zu haben schien, zu sich selbst und brachte die Bayern einige Male in größere Nöte. Nicht Robben und Co. drängten auf weitere Treffer, sondern Profis wie Marcel Heller oder Sebastian Jung, die einigen Münchner Spielern unbekannt gewesen sein dürften.

Was auch kein Wunder wäre: Heller galt bis zu dieser Partie als Spieler ohne Zukunft in Frankfurt, Jung ist erst neunzehn Jahre alt. Ihren frechsten Auftritt hatten die beiden No-name-Profis in der 49. Minute, als sie nach einer ihrer Kombinationen auf der rechten Seite Bayern-Torhüter Jörg Butt zu einer famosen Parade zwangen. Es war nicht die erste Chance zum Ausgleich. Schon in der ersten Halbzeit hatte van Buyten für den bereits geschlagenen Butt nach einem Kopfball von Alexander Meier auf der Linie retten müssen. Das war in der 20. Minute, und nur eine Minute später zwang Köhler Butt mit einem weiteren Kopfball zu einer weiteren Großtat.

Von Münchnern kam zur Antwort - nichts

Spätestens nach einer Stunde war es ein kleines Münchner Fußballwunder, dass das 1:1 noch nicht gefallen war. Gemessen an Spielklassen bewegten sich die Frankfurter nahe an der Champions League, die Bayern irgendwo im Mittelfeld der Bundesliga. Auch Schwegler (53.) und Caio per Freistoß (60.) hätten für die Eintracht treffen können. Und von Münchnern kam zur Antwort - nichts. Es wirkte nicht etwa überheblich, was sie bis dahin boten, sondern beinahe ratlos. Offensiv blieben sie ohne Wirkung, in der Defensive hatten sie Mühe, den Gegner von ihrem Tor fernzuhalten. Der Teilnehmer am Viertelfinale der richtigen Champions League war zu einem Rätsel geworden, begünstigt vom Glück und von einem Gegner, der wohl selbst nicht glauben konnte, was sich ihm an diesem Tag für Möglichkeiten boten - und der prompt versäumte, diese zu nutzen.

Es war schon so weit, dass viele Zuschauer pfiffen, wenn sich die Münchner bei Unterbrechungen vermeintlich zu viel Zeit ließen, um das Spiel fortzusetzen. Da lag der Verdacht der unlauteren Verzögerung in der Luft. Jeder merkte, dass hier etwas nicht stimmte, und der Frankfurter Trainer Michael Skibbe reagierte darauf: Er brachte gegen Ende der Partie zwei weitere Stürmer ins Spiel, nämlich Martin Fenin und den unbekannten Juvhel Tsoumou. So viel Offensive erlaubt sich nicht jeder gegen diesen Gegner. Tsoumou und Fenin bedankten sich auf ihre Art. Mit einem unglaublichen Finale in einem unglaublichen Spiel.

Eintracht Frankfurt - Bayern München 2:1 (0:1)
Frankfurt: Nikolov - Jung, Russ, Chris, Spycher (83. Tsoumou) - Schwegler - Heller (79. Korkmaz), Meier - Köhler - Caio (74. Fenin), Halil Altintop. - Trainer: Skibbe
München: Butt - Alaba, Badstuber, van Buyten (80. Hamit Altintop), Lahm - van Bommel, Schweinsteiger - Robben, Pranjic (65. Timoschtschuk) - Klose, Müller. - Trainer: van Gaal
Schiedsrichter: Weiner (Giesen)
Tore: 0:1 Klose (7.), 1:1 Tsoumou (87.), 2:1 Fenin (89.)
Zuschauer: 51.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - Klose, Badstuber

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1964, Sportredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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