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2:1 gegen Bremen Diesmal lässt sich Hamburg nicht beeindrucken

 ·  Nach den bitteren Derbywochen im Frühjahr drehte Hamburg den Spieß kurz vor Weihnachten um. Im Schneegestöber besiegten die Gastgeber den Nordrivalen Bremen 2:1. Dabei spielte Werder nach Rot für Boateng sehr lange in Überzahl.

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Je ungemütlicher es wurde, je dichter der Schnee durch die Hamburger Arena stob, desto festlicher wurde die Stimmung unter den HSV-Fans. Auch in fast sechzigminütiger Unterzahl hielt ihr Team mit dem Nordrivalen Werder Bremen am Sonntagnachmittag jederzeit mit und durfte den Platz am Ende verdientermaßen als Sieger verlassen. Das 2:1 bei frostigen Temperaturen um minus fünf Grad wurde in der größeren der beiden Hansestädte als überfällige Genugtuung empfunden für die bitteren Derby-Niederlagen gegen Werder im vergangenen Jahr.

Joris Mathijsen (9. Minute) und Marcell Jansen (36.) erzielten die Tore für die Mannschaft von Bruno Labbadia, Naldo war in der Nachspielzeit mit einem Kopfball für Werder erfolgreich. Die konzentriertere, entschlossenere und in den entscheidenden Momenten einfach präzisere Mannschaft gewann zu Recht dieses Derby - und ließ sich nicht einmal durch die Rote Karte für Jerome Boateng nach einer Notbremse gegen Marko Marin (32.) vom Kurs abbringen.

Während der HSV damit im neuen Jahr als Tabellenvierter von aussichtsreicher Position die Spitze der Fußball-Bundesliga in Angriff nehmen kann, werden es die zuletzt schwächelnden Bremer als vorläufige Sechste etwas schwerer haben, in den Kreis der Titelkandidaten zurückzukehren. „Wir haben zu kopflos gespielt“, kritisierte Werders Trainer Thomas Schaaf die Leistung seiner Mannschaft, „wir haben es zu kompliziert gemacht, das ging auf dem Platz nicht.“

Heiße Emotionen an einem kühlen Hamburger Wintertag

In der vergangenen Saison noch hatten 19 aus Werder-Sicht tolle Tage genügt, um dem HSV die bis dahin glänzend verlaufene Saison gründlich zu vermiesen. Das Aus in den Halbfinalspielen in Uefa- und DFB-Pokal sowie das Ende der Meisterschaftsambitionen hatte HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann als Schmach empfunden, die, wie er sagte, nicht mehr aus der Klubhistorie zu tilgen sei. Für heiße Emotionen war also gesorgt an diesem Hamburger Wintertag.

Die Hamburger erwischten den besseren Start. Ballsicherer wirkten sie auf dem schwer zu bespielenden Geläuf, aber auch entschlossener in den Zweikämpfen. Es zahlte sich früh aus, gleich die erste Chance nutzte der HSV zur Führung. Nach einem per Kopf verlängerten Eckball war Mathijsen wacher als Frings und Pizarro und hatte bei seinem Kopfball aus kurzer Distanz keine Mühe mehr. HSV-Trainer Labbadia hatte dieselbe Elf aufs Feld geschickt wie beim 4:0 von Nürnberg.

Sein Bremer Kollege Schaaf dagegen musste in der Abwehr gleich zwei Umbesetzungen vornehmen. Für die verletzten Clemens Fritz und Sebastian Boenisch spielten Petri Pasanen und Sebastian Prödl. Hoffnung schöpften die Bremer vor allem daraus, dass Claudio Pizarro von Beginn an dabei sein konnte. Der Peruaner hatte zwar gute Szenen als Balleroberer und -verteidiger, aber bis in sein eigentliches Einsatzgebiet, den Strafraum, schafften es die Bremer zunächst nicht - zu konzentriert verteidigte der HSV sein Terrain.

Boatengs Platzverweis eine mutige, aber richtige Entscheidung

Nach einer knappen halben Stunde wurde das bis dahin noch etwas verhalten geführte Spiel schlagartig munter - und wie. Erst traf Naldo mit einem artistischen Drehschuss nur die Latte (27.), im Gegenzug verfehlte Eljero Elia das Bremer Tor nur um Zentimeter. Es folgte der größte Aufreger des Nachmittags. Boateng brachte Marin an der Strafraumlinie zu Fall.

Der folgende Platzverweis war eine mutige, aber richtige Entscheidung von Schiedsrichter Meyer. Doch wer dachte, dass das Spiel nun kippen würde, sah sich getäuscht. Noch ehe Labbadia mit einer Auswechslung reagieren konnte, schlug seine Mannschaft wieder zu. Jansen hatte sich hart am Abseits in Position gebracht, und nach Elias Zuspiel hatte er freie Bahn und überwand den weit aus seinem Tor geeilten Tim Wiese.

Naldos Treffer in der Nachspielzeit hilft Bremen nicht mehr

Würden die Bremer nun noch einmal einen Weg zurück ins Spiel finden? Sie versuchten es zumindest. Und natürlich war es in der zweiten Hälfte in punkto Ballbesitz eine ziemlich einseitige Angelegenheit für das Team in Grellorange. Doch gefährlicher war der HSV bei seinen Kontern, etwa als Petric es allein mit der ganzen Werder-Abwehr aufnahm und nur an Wiese scheiterte (57.), oder als Jansen den Ball aus kurzer Distanz nicht richtig traf.

Werder hatte gegen Ende noch zwei exzellente Gelegenheiten, als Hunt und Marin mit ihren Schüssen jeweils die Latte trafen (85. und 87.). Beser machte es Naldo, doch dessen Kopfballtreffer in der Nachspielzeit zum 1:2 drehte das Spiel nicht mehr.

Hamburger SV - Werder Bremen 2:1 (2:0)
Hamburg:
Rost - Demel, Boateng, Mathijsen, Aogo - Jarolim, Rincon - Torun (37. Rozehnal), Jansen (90. Berg) - Petric (79. Tesche), Elia. - Trainer: Labbadia
Bremen: Wiese - Prödl (58. Rosenberg), Mertesacker, Naldo, Pasanen - Frings - Jensen (85. Hugo Almeida), Hunt - Özil (65. Borowski) - Pizarro, Marin. - Trainer: Schaaf
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Tore: 1:0 Mathijsen (9.), 2:0 Jansen (36.), 2:1 Naldo (90.+3)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Boateng nach einer Notbremse (32.)
Gelbe Karten: Rincon (2), Jarolim (3), Aogo (3), Demel (3) - Prödl, Jensen (2), Naldo (3), Hunt (2)

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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