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2:1 gegen Bochum BVB entdeckt Herz und Hingabe

06.10.2007 ·  Dortmund feierte beim 2:1 gegen Bochum mit einem überragenden Vorkämpfer Dede an der Spitze aus der größten Not heraus die Wiederkehr ihrer Urtugenden. „Die Mannschaft“, lobte Chefkritiker Zorc, „hat eine enorme Willensleistung gebracht.“

Von Roland Zorn, Dortmund
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Wortlos, grußlos und ein wenig unsicher verließen die Gewinner die Katakomben der Dortmunder Fußballarena. Sehen so Sieger aus? Wahrscheinlich hätten sich die Profis der Borussia, die in Unterzahl mit viel Herz, viel Leidenschaft und vollkommener Hingabe den 2:1-Erfolg über den Reviernachbarn VfL Bochum erkämpft hatten, nur zu gern den Fragen der Journalisten gestellt. Doch für vier Wochen haben sie sich nun einmal ein Schweigegelübde verordnet, das sich, wie Mannschaftskapitän Christian Wörns hervorhob, gegen niemand richte, sondern allein dazu dienen solle, „dass wir uns auf die rein sportlichen Aufgaben konzentrieren“.

Am Freitagabend jedenfalls war Schweigen Gold und die Konzentration auf das Entscheidende erkennbar, mochte auch Wörns selbst in der wegweisenden Bundesliga-Begegnung mit dem VfL genau das falsche Zeichen gesetzt haben. So jedenfalls schien es auf den ersten Blick. Der mit 35 schon in die Jahre gekommene Innenverteidiger war bei einem Zweikampf mit dem Bochumer Sprinter Sestak nicht mehr mitgekommen.

Doll hofft auf „neuen Teamspirit“

Wörns' Notwehrfoul hatte für den schon verwarnten Stopper der Alt-Mannheimer Schule Folgen: Ihm wurde vom Berliner Schiedsrichter Gräfe die Gelb-Rote Karte (58. Minute) vorgehalten. Doch statt danach vor der Bochumer Überzahl zu kapitulieren wie in den beiden vergangenen Partien, bewies das Team von Trainer Thomas Doll endlich jene Nehmerqualitäten, die das Gros der 72.000 Zuschauer sehen wollte. Die Borussen „hauten sich rein“, lobte Doll, diesmal neben Sportdirektor Michael Zorc der einzige, vor Glücksgefühlen nur so sprudelnde Sprecher der neuen Dortmunder Trutzgemeinschaft. „Heute“, sagte Doll, „haben wir gesehen, was möglich ist, wenn man zusammen fightet. Ich hoffe, dass daraus ein neuer Teamspirit wächst.“

Der 41 Jahre alte Fußballlehrer hat in der vergangenen Woche augenscheinlich erfolgreich an der Dortmunder Wiederentdeckung der Fußball-Grundlagen gearbeitet. Dabei sah sich Doll bei der Vorbereitung auf das kleine westfälische Derby in einer großen Klemme: Ohne sechs Stammspieler musste der Mecklenburger die schwarzgelbe Charakterprüfung angehen. „Wir pfiffen aus dem letzten Loch“, beschrieb er nach geglücktem Befreiungsschlag die Personallage. Diejenigen aber, darunter die Amateure Nöthe und Njambe, die dann dabei waren, taten alles, um das Selbstwertgefühl der Borussia zurückzuerobern. Tinga (17.) schoss das Führungstor, Federico nach Mieciels Ausgleich (35.) den entscheidenden, kapitalen Treffer per Dropkick (71.). Da waren sie schon zu zehnt, aber trotzdem wild entschlossen, sich von den über die gesamte Strecke feldüberlegenen Bochumern nichts wegnehmen zu lassen.

Wiederkehr der Urtugenden

Nun ist der VfL, dem anders als dem BVB das letzte bisschen Konzentration, der ultimative Wille zum Sieg fehlten, erst einmal in die rote Zone der bedrohten Mannschaften gesackt; Dortmund dagegen ist vor den beiden schweren Spielen in Leverkusen und gegen den FC Bayern München ins Mittelfeld zurückgekehrt. Wichtiger noch: Die Borussia mit einem überragenden Vorkämpfer Dede an ihrer Spitze feierte aus der größten Not heraus die Wiederkehr ihrer Urtugenden. „Die Mannschaft“, lobte Zorc, davor einer ihrer Chefkritiker, „hat eine enorme Willensleistung gebracht.“ Wenn es in zwei Wochen nach Leverkusen geht, wird ein Großteil der derzeit noch verletzten Stars wieder an Bord sein. „Ich hoffe“, sagte Doll an die Adresse derer, die diesmal nur zuschauen konnten, „jeder hat heute gesehen, was möglich ist, wenn man richtig gut zusammenarbeitet.“

Borussia Dortmund - VfL Bochum 2:1 (1:1)
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Kringe, Wörns, Brzenska, Dede - Kruska - Njambe (60. Kovac), Tinga - Federico (83. Amedick) - Klimowicz, Nöthe (65. Senesie)
VfL Bochum: Lastuvka - Concha, Maltritz, Yahia, Bönig (74. Grote) - Dabrowski (62. Imhof), Zdebel - Sestak, Ilicevic (82. Fuchs) - Mieciel, Bechmann
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin) - Zuschauer: 72 200
Tore: 1:0 Tinga (17.), 1:1 Mieciel (35.), 2:1 Federico (70.)
Gelbe Karten: Weidenfeller (2), Dede (1), Klimowicz (3), Njambe (1) / Sestak (1), Dabrowski (3)
Gelb-Rote Karten: Wörns (59./wiederholtes Foulspiel) / -

Quelle: F.A.Z.
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