Mit letztem Einsatz und dank Mario Gomez hat sich der FC Bayern München in das nun vielleicht vorentscheidende Spiel um Titel gegen Borussia Dortmund am Mittwoch gerettet. Beinahe wäre der FC Augsburg ein Stolperstein für den Tabellenzweiten geworden, aber eine schwungvolle zweite Hälfte brachte die Wende und einen mühevollen 2:1-Sieg.
Mario Gomez hätte mit seinem ersten seiner beiden Tore schon früh die Weichen stellen können, aber engagierte und gut geordnete Schwaben machten den Marathon-Bayern das Leben nach der Blitzführung lang schwer und präsentierten sich trotz der ersten Niederlage seit Ende Februar nicht wie ein Abstiegskandidat. Jos Luhukay hatte seiner Mannschaft die Aufgabe gegeben, die Bayern „vom Tor wegzuhalten und auch relativ mutig nach vorne zu spielen“. Man müsse schauen, sagte der Augsburger Trainer, „ob sich das umsetzen lässt.“ Nach 25 Sekunden sah es danach nicht aus. Ribery setzte sich auf der linken Seite durch, flankte nach innen, dort scheiterte Mario Gomez zunächst an Augsburgs Torhüter Simon Jentzsch, bei seinem Nachschuss landete der Ball dann im Tor zum 1:0.
Bisher gab den Münchner ein frühes Tor stets Sicherheit und ließ fast immer ein Offensivspektakel folgen, aber die Schwaben ließen sich nicht aus ihrem Konzept bringen, sondern ordneten sich schnell. Die Münchner zogen dagegen zurück, schoben den Ball in der eigenen Hälfte in bedächtigem Tempo hin und her. Die Bewegungen wirkten pomadig, die nun schon fünfte englische Woche hintereinander hatte offenbar Spuren hinterlassen, es fehlte sowohl gedanklich als auch körperlich die Spritzigkeit.
Dortmunder Zwischenstand verschwiegen
Bastian Schweinsteiger konnte bei seinem ersten Spiel von Anfang an seit seiner Bänderverletzung Anfang Februar an der Seite von Anatoli Timoschtschuk im Mittelfeld zunächst keine Akzente setzen, und auf den Außenbahnen gab es für Robben und Ribéry kaum ein Durchkommen. Der FC Augsburg, in der Bundesliga seit sechs Spielen ungeschlagen, wurde mutiger und schaffte es immer besser, die Bayern in der eigenen Hälfte zu beschäftigen, und nach einer Viertelstunde musste Jerome Boateng nach einem Schuss von Marcel Ndjeng auf der Linie retten.
Es dauerte 20 Minuten, ehe der Champions-League-Halbfinalist wieder einmal vor dem Tor von Jentzsch auftauchte, allerdings nur mit einem harmlos vorgetragenen Angriff. Für mehr Gefahr sorgte der FC Augsburg auf der anderen Seite - und dieses Mal passte Boateng nicht auf, sondern schlug an der Strafraumgrenze über den Ball. Axel Bellinghausen konnte somit auf der linken Seite enteilen und legte dann zurück auf Ja-Cheol Koo, der mit Neuer mit einem strammen Rechtschuss zum 1:1 überwand (23.). Weil gleichzeitig Dortmund in Wolfsburg in Führung ging, betrug zu diesem Zeitpunkt der Rückstand der Münchner im Meisterschaftsduell wieder fünf Punkte. Die Stadionchoregrafen verzichteten allerdings darauf, auf den aus Münchner Sicht unerfreulichen Zwischenstand vom Spiel des Konkurrenten akustisch wie sonst bei Toren in anderen Stadien hinzuweisen. Die Mannschaft des deutschen Rekordmeisters erfuhr davon wohl erst in der Pause.
Ob es nun an dieser Nachricht lag oder doch an ein paar deutliche Worte von Trainer Jupp Heyncks - die Bayern kamen jedenfalls mit mehr Schwung und Energie aus der Kabine. Den Augsburgern gelangen jetzt nur noch sporadisch Entlastungsangriffe, das Kommando auf dem Platz haben die Münchner übernommen und es war nur eine Frage der Zeit, bis die Offensivbemühungen erfolgreich sein würden. Zunächst vergaben Gomez und Müller per Kopf, ehe der erfolgreichste Münchner Stürmer dann mit dem Fuß traf. In der 60. Minuten legte Robben auf Höhe des Fünfmeterraumes quer zu Gomez, der die bayerischen Kräfteverhältnisse mit seinem 24. Saisontor wieder zurechtrückte. Die Augsburger Gegenwehr war zwar nicht ganz erloschen, aber sie schafften es nicht mehr, die Münchner noch einmal groß in Verlegenheit zu bringen. Der FC Bayern zeichnete sich dagegen in der Schlussphase durch Auslassen einiger guter Gelegenheit aus, den neunten Pflichtspielsieg hintereinander höher ausfallen zu lassen.
Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Timoschtschuk (52. Kroos), Schweinsteiger - Robben, Müller, Ribéry (90.+1 Contento) - Gomez
FC Augsburg: Jentzsch - Verhaegh, Sankoh, Langkamp, Ostrzolek - Hosogai (82. Hain) - Ndjeng (75. Werner), Koo, Baier, Bellinghausen - Rafael (55. Callsen-Bracker)
Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)
Zuschauer: 69 000 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Gomez (1.), 1:1 Koo (23.), 2:1 Gomez (60.)
nur der Sieg zählte
Michael Messerer (KritischerWuerger)
- 09.04.2012, 13:47 Uhr