27.03.2010 · Edin Dzeko beendet auf seine Weise die Fehde mit den Fans von Mainz 05. Der Aufsteiger verliert gegen Wolfsburg deshalb 0:2 und muss den Traum von der Heimmeisterschaft wohl beenden.
Von Daniel Meuren, MainzDer Sportsoziologe Bernd Strauß hat vor einigen Jahren eine Studie mit dem bemerkenswerten Titel „Wenn Fans ihre Mannschaft zur Niederlage klatschen“ verfasst. Darin weist Strauß zur Überraschung des gemeinen Fanverstands nach, dass außergewöhnliche Unterstützung des eigenen Teams durch Klatschen und Anfeuern anders als gemeinhin gedacht ein Nachteil sein kann. Die mit der frenetischen Geste einhergehende größere Erwartungshaltung führe beim Sportler tendenziell zu nachteiligen Blockaden.
Das Ergebnis der Sportsozilogenstudie war überraschend, wo doch gemeinhin davon ausgegangen wird, dass Fans ihrem Team nur dann schaden, wenn sie ihrem Unmut über vermeintlich ungenügende Leistungen mit Pfiffen und Protestrufen Luft verschaffen. Am Samstag nun prägten die Fans von Mainz 05 eine dritte Variante der Einflussnahme von Zuschauern auf ein Spielergebnis. Denn vor 19700 Zuschauern am Mainzer Bruchweg entschied Edin Dzeko mit seinen beiden späten Treffern beim 2:0 (0:0)-Sieg in Mainz das Spiel zu Gunsten seiner Wolfsburger eben wegen der Antipathibekundungen in seine Richtung.
Diese hatte Dzeko schon in der ersten Halbzeit provoziert, als er zunächst nach einem von Schiedsrichter Wolfgang Stark nicht geahndeten Foul des Mainzer Verteidigers Nikolce Noveski demonstrativ lange am Boden liegend den schwerverletzten Stürmer mimte. Anschließend erregte der 24 Jahre alte Bosnier den Ärger des Publuikums zusätzlich mit herausfordernden Gesten in Richtung der Tribünen. „Die Zuschauer haben mich dann mit ihren Pfiffen nur noch mehr motiviert“, sagte Dzeko später. „Ich habe mir dann vorgenommen, mit Toren zu antworten.“
Dies ist dem vom AC Mailand umworbenen Stürmer zunächstin der 83. Minute gelungen, als Zvjezdan Misimovic seinen bosnischen Landsmann mit einem perfekten Zuspiel in Position brachte. Dzeko tunnelte den Mainzer Schlusssmann Heinz Müller und schoss seine Mannschaft somit in einem Spiel auf die Siegerstraße, das der deutsche Meister ohne die indiviuelle Klasse seiner Bosnier wohl nicht hätte gewinnen können. „Das ist der Unterschied zwischen Wolfsburg und uns. Die haben dann zwei individuell ungemein starke Spieler, die ein Spiel allein entscheiden können“, sagte der Mainzer Verteidiger Malik Fathi „Dzeko ist zudem so stark, dass er sich durch die Pfiffe eben nicht verunsichern lässt.“ In der Nachspielzeit bewies er diese Kaltschnäuzigkeit ein zweites Mal per Volleyschuss.
Ehe Dzeko freilich aus Unmut über die Pfiffe die Lust zu seinen Geniestreichen entwickelte, hätten die Mainzer die Begegnung mit dem deutschen Meister schon lange für sich entscheiden müssen. Alein zwischen der 61. und 64. Minute verfehlten die Rheinhessen durch Chadli Amri, Adam Szalai und Andreas Ivanschitz jeweils nur knapp den Führungstreffer. Vor allem Amri zeigte sich nach dem Spiel schuldbewusst ob seines Versagens. „Ich war allein vor dem Torwart und hätte den Ball reinmachen müssen, da gibt es kein Alibi für mich“, sagte der Algerier. Auch Andreas Ivanschitz lud nach seinem Fehlschuss aus acht Metern Schuld auf seine Spielmacherschultern. „So eine Chance muss ich nutzen“, sagte der 25 Jahre alte Österreicher. „Normalerweise schlenze ich den mit dem Außenrist in den Winkel.“ Am Samstag aber flog der Ball gut 20 Zentimeter zu hoch, was Trainer Thomas Tuchel seinem nun seit dem Hinspiel in Wolfsburg nicht mehr im Torabschluss erfolgreichen Edeltechniker nicht verzieh. „Andi hat hohe Ansprüche an sich selbst“, sagte Tuchel. „Ich möchte nicht jede Woche kommentieren müssen, ob er sich wieder seiner Bestform nähert. Er soll einfach Tore schießen, vorbereiten und effektiver werden.“
Genau diese Effektivität, die den Mainzern im Verlauf dieser Saison die erstaunlich vielen Punkte bescherte, ging ihnen ohne ihren gesperrten Torjäger Aristide Bancé am Samstag auch bei einer weiteren Chance durch Malik Fathi (50.) ab. „Und wenn wir eben aus unseren fünf hunderprozentigen Torchancen nichts machen, dann verliert man eben“, nahm Manager Christian Heidel die zweite Heimniederlage dieser Spielzeit recht gelassen hin, die einen im Stadionmagazin geäußerten Traum beendet: Die Macher des Heftes setzten nach dem frühzeitigen Erreichen des Saisonziels Klassenverbleib ihrem Team eine neue Aufgabe: Bei Rang vier in der Bundesliga-Heimtabelle durften sich die Aufsteiger nämlich noch Hoffnungen auf den höchst inoffiziellen Titel des deutschen Heimmeisters machen. Diesem Traum haben die Mainzer Fans freilich unfreiwillig ein Ende bereitet, indem sie Edin Dzeko und den Gegner aus Wolfsburg zum Sieg pfiffen.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |