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2:0 in Bremen Leverkusener Spitzenspiel zum Jubiläum

28.10.2008 ·  Die Intensität war hoch, die Fehlerquote auch. Werder investierte, Bayer erntete. Am Ende sprang Leverkusen in seinem tausendsten Bundesligaspiel an die Spitze, Bremen rutschte ins tiefe Tabellen-Niemandsland ab.

Von Christian Kamp, Bremen
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Für die Blitztabelle, sonst ein beliebtes dramaturgisches Mittel der Stadionregie, fand sich kein Einsatzgrund. Es gab ja auch wirklich nichts Vorzeigbares für Werder Bremen bei diesem 0:2 am Dienstagabend vor eigenem Publikum gegen Bayer Leverkusen. Aber auch die Bayer-Profis konnten gut auf die kleine Erinnerung von außen verzichten. Sie wussten ganz genau, was der vollauf verdiente Sieg bedeutete: Dass man den Emporkömmlingen aus Hoffenheim die Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga abspenstig gemacht hatte - zumindest bis zum Hoffenheimer Auftritt in Bochum am Mittwoch.

Arturo Vidal mit seinem dritten Saisontor in der 71. Minute und Manuel Friedrich in der 80. Minute brachten mit ihren Toren auch den Leistungsunterschied zum Ausdruck: Während die junge, hungrige Leverkusener Mannschaft in dieser Saison von Höherem träumen darf, präsentierten sich die Bremer nur noch als Schatten früherer Tage.

Schaaf: „Wir machen immer wieder die gleichen Fehler“

Der Bremer Trainer Schaaf kommentierte die Niederlage so: „Wir bringen unser Spiel nicht durch und machen immer wieder die gleichen Fehler. Wir müssen nun Ruhe bewahren. Wir haben momentan nur ein Ziel, und das ist das nächste Spiel.“ Sein Kollege Labbadia hatte Grund zu loben: „Die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, war toll. Wir haben in dieser Saison sehr gut gespielt und können das gut werten. Gegen ein Stück Euphorie ist nichts auszusetzen. Wir wissen aber auch, wo wir herkommen.“

Werder gegen Leverkusen, das verhieß gehobene Bundesligakost. Nicht selten hatte es in der Vergangenheit torreiche Spiele zwischen diesen Teams gegeben - zuletzt beim Bremer 5:2 in der vergangenen Saison. Was die 37.000 Zuschauer diesmal zu sehen bekamen, war zwar nicht das Torspektakel, das mancher sich versprochen haben mag. Aber es war lange Zeit ein munteres, risikoreiches Spiel zweier Teams, die sich mit einem Punkt nicht zufrieden geben wollten.

Leverkusen im 1000. Bundesligaspiel nationale Spitze

Für Leverkusen war das 1000. Bundesligaspiel ein willkommener Anlass, wieder die nationale Spitze anzupeilen. Um fast noch mehr allerdings ging es für Werder. Mittelmaß statt meisterhaft? Das war das gleichermaßen ungewohnte wie unerwünschte Szenario, mit dem man sich in Bremen in den vergangenen Tagen und Wochen beschäftigen musste. Insgesamt vier Unentschieden standen vor dem Spiel gegen Leverkusen zu Buche, dazu eine Serie von drei Ligaspielen ohne Sieg und eine selbst für Bremer Verhältnisse unverantwortlich hohe Zahl an Gegentoren.

Schon vor dem Spiel sprach also vieles dafür, dass es nicht nur ein Ergebnisproblem ist, das die Mannschaft hinter ihre eigenen Erwartungen zurückwirft. Nach dem Auftritt vom Dienstag - wenngleich ohne Diego, Pizarro, Fritz und Jensen - kann man keinen Zweifel mehr daran haben, dass die Spitzenplätze auf Sicht ohne Bremer Beteiligung vergeben werden.

Nur eine Frage der Zeit, bis Leverkusen treffen würde

Immerhin: Die erste Viertelstunde war das Druckvollste und Zielstrebigste, was die Mannschaft von Thomas Schaaf seit längerem anzubieten hatte. Zwei Mal war Hugo Almeida kurz davor, im dritten Spiel nacheinander für Werder zu treffen. Ein hart getretener 18-Meter-Freistoß zwang René Adler zu einer Flugeinlage (3. Minute), und nach einer wunderbaren Kombination über Özil und Rosenberg schob der Portugiese den Ball nur knapp am Tor vorbei (12.).

Es dauerte eine Weile, ehe Bayer Zugriff auf das Spiel bekam. Trainer Bruno Labbadia konnte im Gegensatz zu seinem Kollegen Schaaf seine Wunschformation aufbieten: die gleiche Elf nämlich wie am Freitag beim 2:0 gegen den 1. FC Köln.

Die Blitztabelle wurde akustisch eingesetzt

Und nach einer Eingewöhnungszeit von etwa 20 Minuten kam das Kombinationsspiel dieser leichtfüßigen und technisch starken Mannschaft in Gang. Rolfes eroberte mit bemerkenswertem Zweikampfverhalten die Bälle, und wenn der Ball aus dem Mittelfeld mit einem Steilpass nach vorne geschickt wird - etwa von Renato Augusto -, lauern schon Helmes und Kießling, eines der besten Sturmpaare der Liga. Drei Mal näherte sich Bayer zwischen der 22. und 27. Minute gefährlich dem Bremer Tor, und nicht nur deshalb bekam man mehr und mehr den Eindruck, dass diese Mannschaft ihre Balance weit besser gefunden hat als die zunehmend unorganisiert wirkenden Bremer.

Die zweite Hälfte brachte den Beleg: Vor der grauen Folie des einfallslosen, biederen Werder-Spiels hoben sich die immer flotteren Bayer-Kombinationen deutlich ab. Schon Kießling verpasste in der 53. Minute knapp die Führung, auch Schwegler besaß eine gute Chance (66.). Es war nur eine Frage der Zeit, bis Leverkusen der Treffer gelingen würde. Als es so weit war, stimmten die begeisterten Leverkusener Fans das Lied vom „Spitzenreiter“ an. Da war sie dann doch, die Blitztabelle - nur eben akustisch.

Werder Bremen - Bayer Leverkusen 0:2 (0:0)
Werder Bremen: Vander - Prödl (67. Boenisch), Mertesacker (78. Vranjes), Naldo, Pasanen - Baumann - Frings, Hunt (60. Husejinovic) - Özil, Hugo Almeida, Rosenberg
Bayer Leverkusen:
Adler - Castro, Friedrich, Henrique, Kadlec - Rolfes - Renato Augusto (86. Dum), Vidal, Schwegler (69. Barnetta) - Helmes (77. Gekas), Kießling
Schiedsrichter: Sippel (München)
Zuschauer:
37.142
Tore: 0:1 Vidal (71.), 0:2 Friedrich (80.)
Gelbe Karten: Prödl (1) / -

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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