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1899 Hoffenheim Entschuldigung, wir haben gewonnen!

07.11.2008 ·  Milliardär Hopp hat die TSG Hoffenheim gepäppelt. Jetzt etabliert sich der Verein in der Bundesliga und erntet den Hass der selbsternannten Bewahrer des ehrlichen Sports. Es gehört zu den Absurditäten des Fußballs, dass schlecht geführte Clubs mehr Anerkennung bekommen als gut geführte.

Von Winand von Petersdorff
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Der Milliardär Dietmar Hopp ist eine Zumutung für die Fußballbranche. Er hat den Dorfclub TSG 1899 Hoffenheim mit rund 150 Millionen Euro gepäppelt, 30 Millionen davon für Spielerkäufe. Jetzt etabliert sich die Profitruppe des Vereins gerade in der Spitzengruppe der Fußballbundesliga. Hopp erntet dafür Hasstiraden gegnerischer Fans und Kritik der selbsternannten Bewahrer des ehrlichen Sports.

Das Projekt Hopp ist so bemerkenswert, weil der Milliardär seine Energie auf einen Dorfclub statt auf einen etablierten Großstadtverein richtet. Das ist die Provokation Nummer eins. Außerdem wagt er es, Provokation Nummer zwei, sein Gesicht dafür herzugeben. Die dritte Provokation liegt darin, dass er richtig viel Geld in seinen Traum von einem lebensfähigen Bundesligaclub steckt. Die schlimmste aller Provokationen aber für den Rest der Liga und ihre Anhängerschaften liegt darin, dass Hopp Erfolg hat. Das ist nun wirklich unverzeihlich.

Die Liga zieht fanatisierte Unternehmerpersönlichkeiten an

Leicht fanatisierte Unternehmerpersönlichkeiten, die ihre Herzensclubs stützen, sind für die Bundesliga nicht Neues. Der 1. FC Nürnberg verdankt seine finanzielle Gesundung einem bekannten Teppichhändler, Hannover 96 erfreut sich finanzieller Solidität, seit ein Hörgeräte-Unternehmer das Ruder hält. Und mancher erinnert sich noch an den schillernden Unternehmer Hans "Jean" Löring, der Fortuna Köln gute Jahre und fast sein ganzes Vermögen geschenkt hatte. Die reichen Sportfreunde wurden und werden geduldet unter einer Voraussetzung: Sie dürfen nicht zu erfolgreich werden. Das entlarvt die Absurdität der Angriffe auf Hopp.

An dieser Stelle muss ein Geheimnis gelüftet werden: Beim Bundesligafußball, so wie wir ihn schätzen und lieben, handelt es sich um bezahlten Fußball. Bitte weitersagen. Die Art und Weise, wie sich die Clubs finanzieren, ist durchaus vielfältig und nicht selten schlicht unseriös. Borussia Dortmund, aus dessen Fangruppen die rüdesten Hopp-Beschimpfungen kamen, hat die Lizenzspielerabteilung 2000 an die Börse gebracht. 2002 wurde der Club dank teurer Einkäufe Meister, danach verschwand das Vermögen des Vereins in Atem raubender Geschwindigkeit. Schon 2004 brach Borussia fast unter den Schulden zusammen, sportlich geht es bergab. Der Börsenwert, der einst rund 130 Millionen betrug (das sind fast Hoppsche Dimensionen) nähert sich unaufhaltsam der Nulllinie.

Viel Clubs werden gemanagt wie die Sachsen LB oder die IKB

Schalke 04, ein weiterer Club, der für Authentizität, treue Fans und den wahren Fußball steht, verdankt einiges der finanziell fast ausgebluteten Stadt Gelsenkirchen, stand zudem in dem Verdacht der Bilanzfälschung und hat sich verwegener Finanzinstrumente bedient: Der Club verpfändete seine Ticket-Einnahmen bis 2025, um den Kredit eines Londoner Finanzinvestors zu bekommen. Zuletzt hat man sich dem Trikotsponsor und russischen Staatskonzern Gasprom in die Hände gegeben. Der Traditionsclub 1. FC Kaiserslautern verdankte seine Rettung 2003 vor allem dem Ministerpräsidenten Kurt Beck, der dafür vermutlich Haushaltsrecht brach.

Es gehört zu den Absurditäten der Bundesliga, dass schlecht geführte Clubs mehr Anerkennung bekommen als gut geführte. Ihre Manager dürfen in DSF-Talkrunden dicke Lippen riskieren, obwohl sie in ihrem Kerngeschäft ähnliche Hasardeurkurse fahren wie die Manager der Sachsen LB und der IKB. Als ob dem Profifußball zu viel Professionalität im finanziellen Sektor suspekt ist. Einzige Ausnahme bleibt allerdings der Club Bayern München, der vom besten Fußballmanager der Welt, Uli Hoeneß, geführt wird und inzwischen in einem anderen Universum spielt, auch was die moralische Beurteilung seiner Finanzierung angeht. Hoeneß ist inzwischen unumstritten. Und selbst die Tatsache, dass er zehn Prozent der Profiabteilung 2002 dem Sportartikelhersteller Adidas verkaufte, wurde ohne Murren durchgewinkt.

Widerstand der Platzhirsche

Der Sportkonzern Adidas hat dem anderen Sportkonzern Bayern München geholfen, in neue Dimensionen vorzustoßen. Aber ist dieses finanzielle Engagement in irgendeiner Weise moralisch sauberer als Hopps Millionen-Pakete? Von Hopp weiß man ziemlich sicher, dass er sein Team siegen sehen will. Sportartikelherstellern darf man unterstellen, dass sie gerne die umsatzstärksten Spieler - gemessen an Trikot- und Schuhverkäufen - spielen sehen wollen, das muss nicht immer der beste sein. Bei Bayern hat es zweifellos nie Einflussnahmen auf die Aufstellung gegeben, die brasilianische Nationalmannschaft stand dagegen einmal unter Verdacht, den formschwachen Ronaldo auf Druck eines Werbepartners aufgestellt zu haben.

Hopp wird gerne auch mit Roman Abramowitsch verglichen, der vielen Fans extrem suspekt ist. Abramowitsch hat den Club Chelsea London gekauft und dann mit viel Geld in die europäische Spitze gebracht. Dieser Vergleich soll beiden Protagonisten unrecht tun. Der durchaus dubiose Abramowitsch ist nicht nur ein kalter Investor, sondern, wenn die Berichte der britischen Sportjournalisten stimmen, ein hingebungsvoller Anhänger. Darin ähnelt er Hopp. Der Unterschied liegt aber auch auf der Hand. Abramowitsch hat sich in ein funktionierendes System mit Nachwuchsförderung, Scouting und modernem Management eingekauft. Hopp hat sich in einen Dorfclub eingekauft, den er systematisch zu einem professionellen System entwickelt. Darin etwas Schlechtes zu sehen ist ziemlich schwierig.

Hopp erntet im Grunde den Widerstand der Platzhirsche, die durch lautes Röhren aufkommende Rivalen einschüchtern wollen. Dabei verwirklicht der Milliardär nur einen Große-Jungen-Traum, den Hunderttausende Männer und Hunderte Frauen teilen. Sie spielen deshalb am Computer Bundesligamanager, eines der beliebtesten PC-Spiele in Deutschland. Hopp spielt das Spiel in Wirklichkeit. Wie schön.

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Jahrgang 1963, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft.

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