08.08.2009 · Der Torjäger und Integrationsbeauftragte ist zurück: Vedad Ibisevic wurde nach seine Kreuzbandverletzung in Hoffenheim nicht nur wegen seiner Treffer schmerzlich vermisst. Gegen die Bayern feiert er sein Bundesliga-Comeback.
Von Christian Kamp, HoffenheimEine Kleinigkeit war es nur, die Peter Zeidler da lobte. Oder vielleicht doch nicht? „Der Vedo macht das gut“, rief der Assistenztrainer von 1899 Hoffenheim in Richtung der übrigen Profis. „Vedo“, das ist Vedad Ibisevic, und was der am Donnerstag beim Training im Dietmar-Hopp-Stadion so vorbildlich tat, war eigentlich wirklich nichts Besonderes: Bei einer Übung zum direkten Passspiel setzte er beide Beine gleichermaßen ein. Auch das rechte also – und das ist womöglich doch keine Selbstverständlichkeit. Denn im Knie jenes Beins war dem Bosnier vor gut sechs Monaten in einem Testspiel das vordere Kreuzband gerissen.
Es war der Moment, der Hoffenheim in einen „Schockzustand“ versetzt hatte, wie Trainer Ralf Rangnick später sagte. Und der Anfang vom Ende des Höhenflugs, der den Aufsteiger bis zur Herbstmeisterschaft in der Fußball-Bundesliga geführt hatte. Vom Verlust ihres Torjägers, der in den 17 Spielen der Hinrunde 18 Tore erzielt hatte, erholte sich die Mannschaft nicht mehr vollständig.Ibisevic, das wird deutlich, als er im Hoffenheimer Pressecontainer das Mikrofon in die Hand bekommt, möchte nicht mehr über das Hätte, Wäre und Wenn sprechen. Nein, an den Unglückstag im Januar denke er nicht mehr zurück. Und nein, er könne nicht sagen, ob die Rückrunde mit ihm besser gelaufen wäre. „Das ist alles Vergangenheit“, sagt er nur.
Eigentlich, so scheint es, würde er am liebsten überhaupt nicht öffentlich sprechen. Ibisevic ist nicht einer, der gern im Mittelpunkt steht. Als ein paar Reporter ihm ein Ständchen zu seinem 25. Geburtstag bringen, wirkt er fast ein bisschen beschämt.
Nicht mehr Hätte, Wäre, Wenn
Aber natürlich ist seine Stimme gefragt vor dem Bundesliga-Auftakt der Hoffenheimer am Samstag gegen Bayern München. Gegen die Bayern schoss er sein bislang letztes Liga-Tor: die 1:0-Führung in jenem denkwürdigen Spiel im Dezember in München, das die Hoffenheimer am Ende noch 1:2 verloren. Da wäre es doch eine willkommene Fügung, wenn ihm auf Anhieb gleich wieder ein Treffer gelänge? „Das wäre sehr schön“, sagt er. „Aber viel schöner wäre, dass wir gegen die Bayern gewinnen.“
Davon, dass sie im dritten Anlauf endlich die Bayern schlagen wollen, reden sie dieser Tage auffallend oft in Hoffenheim. Das Selbstbewusstsein ist groß nach einer weitgehend reibungslosen Vorbereitung und angesichts von Verstärkungen für rund 15 Millionen Euro, allen voran Innenverteidiger Josip Simunic. Gut möglich, dass sich der Rückkehrer Ibisevic dabei als der wichtigste „Neue“ herausstellt. Denn nicht nur sportlich hat er der Mannschaft in den Monaten gefehlt, in denen die Egos und die Eitelkeiten in Hoffenheim wuchsen, der Teamgeist dagegen erodierte. Ibisevic gilt als so etwas wie der Integrationsbeauftragte im multikulturellen 1899-Team.
Der Integrationsbeauftragte Ibisevic
Bei seiner Fußball-Odyssee von Bosnien über die Schweiz, die Vereinigten Staaten und Frankreich nach Aachen und schließlich in den Kraichgau hat er selbst erfahren, was man als Profi in der Fremde braucht – und nebenbei ein respektables Sprachrepertoire entwickelt. „Natürlich haben wir ihn auch als Typ vermisst“, sagt Trainer Rangnick. „Er war bei allen Spielern extrem anerkannt und ist es auch jetzt wieder.“
„Er ist weiter, als ich gedacht hatte“
In der Reha suchte Ibisevic die Nähe zum Team. „Einsam“ habe er sich dennoch gefühlt – wie das so ist, wenn man den Kollegen zwar zusehen, aber nicht eingreifen kann. Ende Mai verlängerte er seinen ursprünglich bis 2010 laufenden Vertrag bis 2013, zum Trainingsstart Anfang Juni war er dann wieder voll dabei. Zuerst mussten ihn die Trainer noch ein wenig bremsen. Doch schon Mitte Juli gelang ihm gegen den Verbandsligaklub Germania Forst wieder ein Tor. Am vergangenen Wochenende, im Pokalspiel beim FC Oberneuland, stand er in der Startelf und wurde erst nach 77 Minuten ausgewechselt.
„Er ist weiter, als ich gedacht hatte“, sagt Rangnick – nicht zuletzt psychisch. „Man spürt, dass er einfach nichts Negatives auf der Festplatte hat. Er ist absolut positiv gepolt im Kopf.“ Keine Frage, dass Ibisevic auch gegen die Bayern ran soll – zumal Demba Ba nach seiner Schienbeinverletzung erst in zwei Wochen wieder ins Training zurückkehrt.
Ibisevic macht einen guten, einen befreiten Eindruck
Ibisevic scheint bereit. „Ich fühle mich sehr, sehr gut“, sagt er. Ob er nach einem halben Jahr Pause schon wieder der Alte sein kann – ein überdurchschnittlicher oder gar ein herausragender Bundesliga-Stürmer –, ist natürlich eine andere Frage. „Wir denken so nicht“, sagt Rangnick. Ibisevic bekomme „die Zeit, die er braucht“. Dass er ihm schon wieder mehr als nur eine Nebenrolle zutraut, verrät der Trainer aber doch: „Für mich ist wichtig, dass er am Samstag der Mannschaft hilft, die Bayern zu schlagen.“
Auf dem Trainingsplatz macht Ibisevic jedenfalls einen guten, einen befreiten Eindruck. Selbst in den kurzen Pausen schnappt er sich einen Ball und probiert kleine Tricks, der Antritt ist voll da. Seine Bewegungen mögen ein bisschen eckig wirken – aber das waren sie schon vor der Verletzung. Noch nicht spektakulär, aber ganz selbstverständlich sieht es aus, was er macht. Das ist schon mehr, als man an jenem schwarzen Tag im Januar erwarten durfte.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |