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1899 Hoffenheim Auch nach der Stadioneinweihung fehlt der wichtigste Baustein

25.01.2009 ·  Die Stimmung bei der Eröffnung des neuen Stadions ist getrübt: Noch immer sucht 1899 Hoffenheim Ersatz für seinen verletzten Torjäger Vedad Ibisevic.

Von Oliver Trust, Sinsheim
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Das große Pech von Trainern ist: Sie müssen oft in verschiedenen Zeiten leben. Das heißt, eigentlich sind sie im Hier und Heute zu sehen und wirklich physisch anwesend. Mit den Gedanken aber können sie zugleich ganz woanders sein, immer ein paar Tage oder Wochen voraus.

So war der Hoffenheimer Trainer Ralf Rangnick am Samstag zwar in einen feinen grauen Anzug geschlüpft und hatte unter anderem festgestellt, dass in der neuen Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena noch Spiegel und Papierkörbe fehlen. Aber man kann sich lebhaft vorstellen, dass die Gedankenwelt des Fußballlehrers um etwas ganz anderes als um die Stadioneröffnung kreiste: um das erste Rückrundenspiel am kommenden Samstag gegen Energie Cottbus und um die Wochen danach.

Fangemeinde feierte Ibisevic

So schien es Rangnick kaum ernsthaft zu interessieren, als der Gegner vom Samstag, eine Regionalauswahl, das erste Tor im neuen Stadion erzielte (wobei seine Mannschaft das Missgeschick später korrigierte und in einen 6:2-Erfolg umwandelte, der nicht mehr als den bei solchen Anlässen üblichen Unterhaltungswert ausstrahlte). Vielleicht hat Rangnick auch nicht einmal in ganzem Umfang mitbekommen wie die Fußballgemeinde des Tabellenführers Vedad Ibisevic feierte. Der 24 Jahre alte Bosnier erschien in den vergangenen Wochen als tragische Figur, weil er sich einen Kreuzbandriss zuzog, der ihn zu einer Pause von bis zu neun Monaten zwingt.

„Zeigt ihm, dass wir ihn brauchen“, rief Dietmar Hopp, der Hoffenheimer Mäzen, bei seiner Rede vor 30.000 Besuchern und erntete laute Sprechchöre, die Ibisevic Mut machen sollten. Der Torjäger selbst wirkte noch reichlich frustriert, als er auf Krücken auf die Tribüne humpelte. Er sagte aber auch, dass er sich auf seine Spiele in der neuen Arena freue – und, dass er sogar ein bisschen froh sei, „weil jetzt wenigstens die nervigen Fragen aufhören, ob ich den Rekord von Gerd Müller breche“. Der Münchner hatte in der Saison 1971/72 40 Tore erzielt, eine danach nie wieder erreichte Zahl. Ibisevic liegt zur Saisonhälfte bei 18.

Neben Ibisevic fällt auch Obasi aus

Rangnick mochte das ebenfalls gutheißen, seine Energie aber steckte er in Zukunftsvisionen und die Suche nach einem Nachfolger für Ibisevic, wobei es, wie er sagte, vielleicht auch gleich zwei Stürmer werden könnten, die 1899 im Transferfenster des Winters einkauft. „Derzeit sind wir kein ernsthafter Kandidat für die Plätze der ersten drei, Platz vier oder fünf“, sagte Rangnick. „Dazu fehlt uns zu viel individuelle Qualität.“

Neben Ibisevic meinte Rangnick auch Chinedu Obasi, der wegen einer Muskelverletzung ausfällt, und Carlos Eduardo, der nach einer Rauferei mit Ivica Olic im Testspiel gegen den Hamburger SV für zwei Ligaspiele gesperrt wurde. Die beiden aber gehören wie Ibisevic zum unentbehrlichen Herzstück der Hoffenheimer Offensivabteilung. „Ich sehe uns nicht als Gejagten“, sagte Rangnick. „Wir stehen zwar derzeit ganz oben in der Tabelle, aber nach derzeitigem Stand kriegen wir mit Wohlwollen zwei Stürmer zusammen.“ Und selbst schnelle Einkäufe, sagte Rangnick, garantierten nicht, dass man die auch schon gegen Cottbus einsetzen könne.

Hektische Tage in Hoffenheims Management

Weiter im Süden, in München, scheint man die weißen Fahnen, die die sportliche Führung der Hoffenheimer hisst, schlicht zu ignorieren und sie für taktisches Understatement zu halten. Oder man will dem Aufsteiger nicht zugestehen, einen großen Teil der Erwartungshaltung los zu sein, und künftig vielleicht sogar noch ein Stück unbeschwerter aufspielen zu können. Münchens Klubchef Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß, der Manager, werden jedenfalls nicht müde zu betonen, dass 1899 die sportliche Krise überstehen und weiterhin ein ernsthafter Rivale der Bayern sein werde. Klubchefs und Managern geht es allerdings oft wie Trainern.

So lief Jan Schindelmeiser, der Hoffenheimer Manager, zwar mit einem Fanschal um den Hals in der neuen Arena herum, aber auch er dachte mehr an die kommenden Tage und potentielle Verstärkungen. „Es wird sehr hektisch werden diese Woche. Urlaub könnte ich jetzt keinen machen“, sagte er. Man darf gespannt sein, wie die beiden die Lücken schließen. „Es ist unser Job, beides zu machen, die Vorbereitung und nach neuen Spielern zu schauen“, sagte Rangnick.

„Es kann ein Hexenkessel werden“

Unterstützung von außen bekommen sie dabei fast im Übermaß. Nachdem in der vergangenen Woche binnen wenigen Stunden 20 000 Dauerkarten an den Mann gebracht worden waren – wobei mancher Fan mit dem Zelt vor den Verkaufsstellen campierte –, wird das rund 60 Millionen Euro teure neue Stadion mit seiner besonderen Dachkonstruktion bei allen Spielen ausverkauft sein.

Allen Anfangsschwierigkeiten zum Trotz, die Rhein-Neckar-Arena taugt manchem auch als Hoffnungsschimmer. „Ich wünsche uns mit dem neuen Stadion die Fortsetzung des Wunders von Hoffenheim“, sagte Mäzen Hopp. Rangnick dagegen klagte über den zu „glatten“ Rasen, der am Samstag zu allerlei Standproblemen seiner Spieler führte. Torwart Timo Hildebrand sprach seinem Trainer schließlich aus der Seele, als er meinte, sich „noch an das neue Stadion gewöhnen“ zu müssen, und dennoch hoffnungsfroh in die Zukunft blickte: „Es kann ein Hexenkessel werden.“

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